Trotz (oder wegen) des Gravelbooms erfreut sich Cyclocross im Dropbar-Universum großer Beliebtheit – unabhängig von der Frage, ob die Hatz durch Schlamm, Schnee und Sand ab 2030 olympisch wird oder nicht. Trotzdem bauen immer weniger Hersteller explizite Cyclocross-Bikes – der Gravel-Racer löst den Cyclocross-Renner zunehmend im Portfolio vieler Hersteller ab. Umso erfreulicher für Fans, dass Stevens die Spur hält: Schon jetzt, mitten im Sommer und während der Tour de France als wichtigstem Straßenrennen, haben die Hamburger ihr komplett überarbeitetes Cyclocross-Flaggschiff Super Prestige vorgestellt.

Das Flaggschiff der neuen Super Prestige-Modelle von Stevens kommt mit Shimano Ultegra Di2 und Leeze-Carbonlaufrädern.
Stevens schickt sein erfolgreiches Cyclocross-Bike mit einem klaren Versprechen in die Saison 2027: noch schneller. Dafür wurde der Rahmen "von Grund auf neu konstruiert" – nicht nur ein Facelift, eher ein kompletter Boxenstopp mit frischen Teilen.
Kern der Kur: eine aggressivere Geometrie mit kürzerem Reach, die das Handling spürbar agiler machen soll. Querfeldein heißt schließlich: Linien lesen, nicht im Geradeaus-Modus verharren. Praktisch ist auch die Abflachung am Oberrohr: Sie soll das Bike in Tragepassagen besser schultern lassen – schließlich gehört Laufen mit geschultertem Rad zum integralen Bestandteil vieler Crossrennen.

Das unten abgeflachte Oberrohr soll Tragepassagen erleichtern, die vergrößerte Reifenfreiheit mehr Platz bieten für Schlamm ohne Schleifen.
Und weil Schlamm beim Crossen kein Nice-to-have, sondern Standard ist, wächst die Reifenfreiheit, besonders am Übergang Sitzrohr/Kettenstreben. Mehr Platz bedeutet: weniger Schleifen, mehr Leichtlauf, weniger Fluchen. Auffällig dabei: Die genaue nominelle Reifenfreiheit gibt Stevens gar nicht in Zahlen an, die Reifenfreiheit der Gabel wächst aber vor allem nach oben, nicht auch seitlich. Sprich: Es soll kein Schlamm mehr die Fahrt bremsen – nicht durch die Hintertür ein für besonders breite Gravelreifen tauglicher Dann-eben-doch-Gravel-Racer entstehen. Das Super Prestige bleibt ein Cyclocrosser. Nicht mehr und nicht weniger.
Auffällig konsequent: Komplettbikes gibt’s ausschließlich mit elektronischen Schaltungen – weniger Wartungsaufwand, mehr Fokus auf Renntempo. Es steht aber zu vermuten, dass Stevens auch weiterhin ein Rahmenset anbieten wird – das dann gegebenenfalls auch mit mechanischer Schaltung ausgestattet werden kann.
An Kompletträdern bietet Stevens zwei Modelle an: Das Flaggschiff Super Prestige ULT kommt mit Shimano Ultegra Di2 2x12 und Leeze CC 45 Basic AR-Carbonlaufrädern auf schlanke 7,7 Kilogramm Lebendgewicht. Kostenpunkt: 4399 Euro.
Das Super Prestige Rival mit namengebender SRAM Rival XPLR E1 AXS 1x13-Gruppe wiegt mit DT Swiss E 1800 Alu-Laufrädern 8,0 Kilogramm und kostet 3399 Euro. Beide Ausführungen rollen auf Schwalbe X-One R Evo 33-622-Reifen.
Dass das neue Stevens Super Prestige dank UCI-Freigabe im Rennsport eingesetzt werden kann, ist bei so einem Wettkampfrad naheliegend und sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Cyclocross-Saison ist zwar noch weit weg, aber die Vorfreude wächst – Tour de France hin oder her.

Das Stevens Super Prestige Rival mit 1-Fach-Antrieb und DT Swiss-Alu-Laufrädern kostet 3399 Euro.





