Predict und Stingr: Wenn das Rennrad mit dem Helm spricht
Die Unfallstatistiken auf den Straßen sind düster: Während die Zahlen bei Autofahrern sinken, steigt das Risiko für Radfahrer weiter an. Der Koblenzer Hersteller Canyon will diesem traurigen Trend zukünftig ein Ende setzen und stellt auf der in Kürze beginnenden Eurobike ein revolutionäres Konzept vor: das "Predict Bike". Die Idee dahinter klingt wie aus einem Science-Fiction-Film. Anstatt sich bei der Sicherheit nur auf passive Maßnahmen (wie Helm und Licht) zu verlassen, soll das Fahrrad selbst mitdenken, die Umgebung überwachen und vor Unfällen warnen, bevor sie überhaupt entstehen.
Ein rollender Supercomputer mit 360-Grad-Sinnen
Um das zu realisieren, stattet Canyon das Carbon-Rennrad mit einer regelrechten Armada an Technik aus. Das System setzt auf eine multimodale 360-Grad-Sensorik, die Kameras, Radar und sogar mehrdimensionale Bewegungssensoren direkt in der Radnabe kombiniert. Alle Daten werden von einer sogenannten Edge-KI (Künstliche Intelligenz) direkt auf dem Fahrrad verarbeitet – komplett offline, um Latenzen und Datenschutzprobleme durch Cloud-Dienste zu vermeiden.
Diese KI soll laut Hersteller in der Lage sein, das Verhalten von herannahenden Autos oder gar das Chaos in einer großen Rennradgruppe zu antizipieren. Droht eine Gefahr, reagiert das Rad sofort: Adaptive Beleuchtung warnt den Autoverkehr, während der Fahrer über haptisches Feedback am Lenker und ein integriertes Display alarmiert wird. Ideen mit einem integrierten Display im Cockpit gab es vor nicht allzu langer Zeit schon einmal, wir berichteten. Die Entwickler gehen sogar noch einen Schritt weiter: In kritischen Situationen könne das Rad etwa automatisch die Sattelstütze absenken, um den Schwerpunkt für eine drohende Notbremsung zu optimieren.

„Ich trainiere und fahre viele Rennen auf der Straße, und es gibt viele Situationen, in denen Daten über mein Fahrrad und andere Sicherheitsmaßnahmen bezüglich anderer Verkehrsteilnehmer sehr hilfreich wären. Ein besseres Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr und die Möglichkeit, auf veränderte Umstände zu reagieren, kommen allen zugute. Ich bin gespannt, wohin diese neue Technologie in der Praxis führen wird und was die nächste Generation von Fahrrädern dem Fahrer bieten kann.“
"Hey Canyon": Der Kampfjet-Helm Stingr
Das Predict-Bike kommt allerdings nicht allein. Es koppelt sich Canyon mit dem ebenfalls neu vorgestellten "Stingr Smart Helmet". Dieser Helm katapultiert den Fahrer endgültig ins digitale Zeitalter: Anstatt den Blick auf den Radcomputer senken zu müssen, projiziere das versenkbare Visier per Head-Up-Display (HUD) alle wichtigen Daten – von Wattwerten bis zu Radarwarnungen – direkt ins Sichtfeld.

Der smarte Stingr-Helm von Canyon: Sieht mit Visier sehr futuristisch aus.
Gesteuert werde der Helm über eine komplett lokale Sprachsteuerung. Wer "Hey Canyon, Visier runter" ruft, aktiviert einen kleinen Elektromotor, der das smarte Visier aus der Helmschale fährt. Dank eingebauter "Swarm Intelligence" können sich mehrere dieser Helme in einer Gruppe vernetzen, um blitzschnell vor Hindernissen oder den starken Bremsmanövern des Vordermanns zu warnen.
Wann genau diese Hightech-Flotte auf unseren Straßen rollen könnte, verrät Canyon nicht, und sie sind bisher auch "nur" eine reine Studie. Die Prototypen von Predict-Bike und Stingr-Helm können jedoch auf der kommenden Eurobike in Frankfurt in Augenschein genommen werden.





