Tipps zum Radfahren im kalten Regen

Kleidung, Equipment, Tipps
Guide zum Fahrradfahren im Regen

Durch Regentropfen verschwommenes Bild eines Radfahrers mit blauem Regencape.
Foto: Getty Images / Feyzullah Tunc

Es tropft, nieselt oder schüttet wie aus Eimern? Da zeigt sich, wer die wirklich hartgesottenen Radlerinnen und Radler sind. Dabei ist das Radfahren im Regen mit der richtigen Ausrüstung und einer angepassten Fahrtechnik gar nicht so schlimm wie man denkt.

Kurz und knapp

  • Investiere in ein Set gutes Regenequipment
  • Senke den Luftdruck in den Reifen etwas
  • Kleide dich in auffälligen Farben
  • Lass dein Bike nicht im Regen stehen

Regen-Bekleidung: So bleibst du trocken auf dem Rad

E-Bike-Fahrer im Regen
www.pd-f.de / Luka Gorjup Lux Fotowerk

Regenjacke

Eine Regenjacke ist die wichtigste Schutzschicht beim Radfahren im Regen. Sie hält Nässe und Fahrtwind ab und verhindert, dass der Oberkörper auskühlt. Es gibt einfache, leichte Notfalljacken sowie hochwertigere Modelle mit Membran, die wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv sind. Beim Kauf solltest du auf eine hohe Wassersäule, verschweißte Nähte, eine verlängerte Rückenpartie und gute Belüftungsmöglichkeiten achten. Wichtig für den Straßenverkehr sind zudem reflektierende Elemente.

Hier geht’s zu allen von uns getesteten Regenjacken:

Regenponcho/Regencape

Der Regenponcho, auch Regencape genannt, bietet schnellen und großzügigen Schutz – vor allem im Alltag und auf kurzen Strecken. Er wird einfach übergezogen und bedeckt Oberkörper, Arme und oft auch die Oberschenkel. Es gibt klassische Ponchos sowie spezielle Fahrradponchos mit Schlaufen für die Hände oder einer verlängerten Front. Beim Kauf ist wichtig, dass der Poncho nicht flattert, ausreichend Bewegungsfreiheit bietet und die Sicht sowie das Lenken nicht einschränkt.

Hier geht’s zu unserem Regencape-Test:

Regenhose

Eine Regenhose schützt Beine und Gesäß vor Nässe und Spritzwasser. Sie ist besonders für Pendler:innen und längere Fahrten bei Dauerregen sinnvoll. Modelle reichen von dünnen Überhosen zum Überziehen bis zu robusteren Varianten mit verstärktem Sitzbereich. Achte beim Kauf auf einen guten Schnitt für die Sitzposition, rutschfeste Beinabschlüsse und Reißverschlüsse, mit denen sich die Hose auch mit Schuhen anziehen lässt.

Überschuhe

Nasse Füße machen jede Regenfahrt schnell unangenehm. Überschuhe verhindern, dass Regen und Spritzwasser in die Schuhe eindringen, und schützen zusätzlich vor Kälte. Es gibt leichte, dünne Regenüberschuhe sowie dickere, isolierende Varianten für Herbst und Winter. Beim Kauf solltest du auf Wasserdichtigkeit, eine robuste Sohle, gute Passform und ausreichende Bewegungsfreiheit für Pedale und ggf. Rennrad-Cleats achten.

Überzieher Helm

Ein Helmüberzieher verhindert, dass Regen durch die Belüftungsöffnungen auf den Kopf läuft. Gleichzeitig schützt er vor Auskühlung und verbessert oft die Sichtbarkeit. Es gibt einfache, ultraleichte Überzieher sowie wind- und wärmeisolierende Modelle. Wichtig sind eine gute Passform, eine klare Öffnung für das Rücklicht und reflektierende Elemente für bessere Sichtbarkeit bei schlechtem Wetter.

Wasserfeste Handschuhe

Warme, trockene Hände sind entscheidend für Kontrolle und Sicherheit auf dem Rad. Regenhandschuhe schützen vor Nässe und Wind und sorgen für sicheren Griff an Lenker und Bremsen. Es gibt dünne, wasserdichte Überziehhandschuhe sowie gefütterte Modelle für kalte Temperaturen. Beim Kauf solltest du auf Wasserdichtigkeit, Griffigkeit, Beweglichkeit der Finger und eine ausreichende Wärmeleistung achten – je nach Jahreszeit und Einsatzzweck.

Handschuhe von uns getestet:

Regen-Equipment: Macht das Radeln bei Schmuddelwetter bequemer

Radfahren bei Regen I Bikepacking-Tour I Wasserdichte Packtaschen
pd-f.de

Rucksack/Packtaschen

Ein wasserdichter Rucksacküberzug schützt Gepäck, Kleidung und Technik zuverlässig vor Regen und Spritzwasser. Gerade auf dem Rad trifft Regen oft von hinten oder unten – ein normaler Rucksack ist dafür selten ausreichend dicht. Rucksacküberzüge gibt es in verschiedenen Größen und Materialien, von ultraleichten Notfallhüllen bis zu robusten, dauerhaft wasserdichten Varianten mit verschweißten Nähten. Beim Kauf solltest du auf die passende Größe, eine sichere Fixierung (z. B. Gummizug oder Klickverschluss) und reflektierende Elemente für bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr achten. Besonders praktisch: Modelle, die sich klein verstauen lassen und immer im Rucksack Platz finden.

Regenhülle/Smartphone Case

Eine Smartphone-Regenhülle schützt dein Handy zuverlässig vor Regen, Spritzwasser und Schmutz – egal ob es am Lenker befestigt ist oder in der Trikottasche steckt. Es gibt einfache wasserdichte Hüllen zum Einstecken sowie spezielle Modelle für Lenkerhalterungen mit Touch-Fenster. Beim Kauf solltest du auf eine hohe Wasserdichtigkeit, eine sichere Verschlusslösung und gute Bedienbarkeit des Displays achten. Wichtig: Nicht jede Hülle erlaubt uneingeschränktes Tippen bei starkem Regen.

Richtige Reifen

Reifen haben bei Nässe einen entscheidenden Einfluss auf Sicherheit und Fahrgefühl. Spezielle Regen- oder Allwetterreifen bieten mehr Grip durch weichere Gummimischungen und angepasste Profile oder feine Lamellen. Breitere Reifen mit etwas geringerem Luftdruck erhöhen zusätzlich die Aufstandsfläche und damit die Haftung. Beim Kauf solltest du auf gute Nasshaftung, zuverlässigen Pannenschutz und eine zur eigenen Fahrweise passende Breite achten.

Schutzbleche

Schutzbleche halten Wasser, Matsch und Straßendreck von Kleidung, Rücken und Gesicht fern – und sorgen dafür, dass du auch bei Regen halbwegs sauber ankommst. Es gibt fest montierte Schutzbleche für Alltags- und Reiseräder sowie abnehmbare Steckschutzbleche für Rennrad und Gravelbike. Wichtig beim Kauf sind eine ausreichende Länge, stabile Befestigung und möglichst breite Abdeckung, damit auch Spritzwasser effektiv abgefangen wird.

Kettenöl für Nässe

Nässe setzt der Fahrradkette besonders zu: Wasser wäscht Schmierstoffe aus und begünstigt Rost und Verschleiß. Spezielles Nasskettenöl ist zähflüssiger, haftet besser und schützt die Kette auch bei Dauerregen. Im Vergleich zu Trockenöl zieht es zwar mehr Schmutz an, bietet aber deutlich besseren Schutz. Beim Kauf solltest du auf gute Wasserbeständigkeit, Korrosionsschutz und regelmäßige Reinigung der Kette achten, damit sich kein Schleifschlamm bildet.

Hier geht’s zu unserem großen Kettenöl-Test:

Goldene Regeln für die perfekte Fahrtechnik bei Regen!

Radfahren bei Regen I Trekkingrad I wasserdichte Packtaschen und Regenbekleidung
Lars Schneider

1. Passe den Luftdruck der Reifen an!

Bei trockener Witterung fährst du in der Regel mit so viel Druck in den Reifen, dass der Rollwiderstand der Pneus möglichst gering und der Reifen in den Kurven ausreichend Grip bietet. Im Nassen senkst du den Luftdruck etwas, um den Grip zu erhöhen.

2. Trage Schuhe mit rutschfester Sohle!

Prüfe vor der Tour, dass deine Schuhe auch bei Nässe ausreichenden Grip auf dem Pedal bieten. Ansonsten rutschst du bei Bodenunebenheiten schnell vom Pedal. Trägst du Schuhe mit Absätzen, rutsche mit der Sohle bis zu den Absätzen vor, dann gleitest du nicht versehentlich mit den Schuhen vom Pedal ab.

3. Kleide dich möglichst grell!

Um im grauen Dunst eines Regentages rechtzeitig als Radfahrer erkannt zu werden, kleide dich möglichst grell. Gedeckte Farben sind hier fehl am Platz. Bedenke, dass auch das Sichtfeld des Autofahrers durch Regen erheblich beeinträchtigt ist.

4. Eine Brille schützt die Augen vor Schmutz und Graupel!

Aufspritzendes Regenwasser, herumfliegender Dreck oder Steinchen, Graupel- oder Hagelschauer können deine Sicht trüben und vor allem direkt ins Auge fliegen. Geeignete Brillen mit klaren Gläsern gibts viele am Markt.

5. Fahre umsichtig!

Im Regen mutieren Kopfsteinpflaster, Fahrbahnmarkierungen, Straßenbahnschienen, Laub oder auch Hundekot plötzlich zur Schmierseifenrutschbahn. Solche Abschnitte solltest du idealerweise meiden oder, wenn deine Route keine andere Möglichkeit bietet, mit verminderter Geschwindigkeit möglichst kerzengerade darüber fahren.

6. Die richtige Kurventechnik im Regen!

Fährst du in eine Kurve, achte darauf, dass du auch hier die Geschwindigkeit reduzierst und dich so wenig wie möglich und so viel wie gerade nötig in die Kurve legst. Schlage die Lenkung etwas weiter ein als im Trockenen, dann fährst du aufrechter. Wenn du dein Bike zu sehr in Schräglage bringst, rutscht dir gegebenenfalls das Vorderrad weg.

7. So kannst du einen Sturz verhindern!

Du solltest unbedingt sehr aufmerksam fahren. Wenn du das berücksichtigst, kannst du im Ernstfall, wenn das Vorderrad (oder Hinterrad) wegrutscht, den drohenden Exodus abfangen, in dem du blitzartig das Bein vom Pedal auf die Straße setzt. Zugegeben, das erfordert Übung, funktioniert aber häufig.

8. Benutze Schotter- und gesplitterte Wege!

Auf gut geschotterten oder gesplitteten Wegen läuft einerseits das Wasser von der Oberfläche besser ab und bietet andererseits durch die griffige Oberflächenstruktur besseren Halt. Dennoch heißt es achtsam Fahren, da Schotter und Splitt gegebenenfalls auch nachgeben.

9. Bremse frühzeitig und vorsichtig!

Bedenke, dass sich beim Bremsen im Regen der Bremsweg verlängert. Fährst du ein Rad mit Felgenbremsen, setzt die Feuchtigkeit auf der Felge die Reibung herab und verlängert den Bremsweg deutlich. Fährst du dagegen Scheibenbremsen, wirkt sich Feuchtigkeit auf den Bremsscheiben eigentlich kaum aus – man merkt's eigentlich nicht. Aber: die kräftigere Verzögerung bedingt mit unter, dass die Reifen eher wegrutschen. D.h. dass du mit einem Scheibenbremsen-Fahrrad sensibler verzögern musst.

10. Nicht absichtlich durch Pfützen fahren!

Manche machen sich einen Spaß daraus, im Regen durch Pfützen zu pflügen, damit es schön spritzt. Läuft es blöd, liegt in der Pfütze ein Stein, den man natürlich nicht sehen kann: der Abflug ist vorprogrammiert. Außerdem verschmutzt dein Rad unnötig und durch das auftretende Spritzwasser bekommt deine Bremse zusätzlich Feuchtigkeit ab.

11. Halte mehr Abstand als sonst!

Gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmer solltest du etwas mehr Abstand halten als im Trockenen. Nicht nur du, auch alle übrigen Verkehrsbeteiligten, können im Zweifel bei nasser Witterung einfach nicht so schnell anhalten, Reserven bewahren dich vor einem Unfall. Und vorbeifahrende Autos verursachen jede Menge Spritzwasser.

12. Lass dein Bike nicht im Regen stehen!

Gib nach einer Regenfahrt deinem Rad die Chance abzutrocknen. Permanente Feuchtigkeit greift nicht nur Metalloberflächen an, sondern schlüpft in alle Öffnungen. Wenn sich die Schaltung plötzlich nicht mehr bewegen lässt, kann dies der Grund sein.

13. Steig um auf Bus und Bahn!

Nicht nur Radpendler freuen sich über das Deutschlandticket. Auch wenn du aufgrund schlechten Wetters, deine Tourenplanung anpassen musst, kann es praktisch sein, mitsamt des Fahrrads in den Zug zu steigen und eine Teilstrecke mit dem Zug zurückzulegen.

14. Du darfst auch mal das Auto benutzen.

Wer ein Auto zur Verfügung hat, darf auch bei heftigem Regen mal darauf zurückgreifen. Du kurbelst ja sonst immer fleißig.

FAQ: Fahrradfahren und E-Biken bei Regen