Im Steilen eine Macht, im Flachen leblos: Das ehrliche Urteil zum neuen Norco Sight

Norco Sight A2 160 MX Gen 5 im Test
Wie viel Bikepark steckt im kanadischen All-Mountain?

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ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 20.05.2026
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Wer sich mit Bikeparks beschäftigt, stößt schnell auf den Namen Whistler in Kanada – wohl der bekannteste und größte Bikepark der Welt. Nicht ganz zwei Autostunden entfernt liegt das Headquarter von Bike-Hersteller Norco. Das Sight ist eigentlich das All-Mountain der Kanadier – wobei das bei den Nordamerikanern nicht zwingend das Gleiche bedeutet wie bei uns Europäern.

Finn Sandmann
Redaktionstrainee

Kurz & Knapp: Norco Sight A2

  • Preis: 4390 €
  • Gewicht: 18,4 kg
  • Größen: 1, 2, 3, 4 und 5
  • Rahmenmaterial: Aluminium
  • Federweg: 170-/160-mm-Federweg
Detailaufnahme des Hinterbaus und Antriebs eines Mountainbikes mit RockShox-Federbein und Shimano Deore Kurbel.
Stefan Eigner - eignerframes

Ausstattung und Details

Die getestete Version setzt auf eher endurotypische 170/160 mm Federweg. Mit Shimano-Deore-Antrieb, -Bremsen und einer Rock Shox Zeb Select an der Front ist die Ausstattung gemessen am Preis nicht gerade fürstlich.

In Sachen Geometrie setzt Norco auf ein langes vorderes Rahmendreieck mit 491 mm Reach (Größe 4) und kombiniert das mit kurzen 430-mm-Kettenstreben. Die Tretlagerhöhe von 353 mm liegt eher hoch – gut für ausreichend Bodenfreiheit in technischen Steinfeldern. Man fühlt sich dementsprechend aber eher hoch und etwas aufrecht im Rad platziert. Dazu trägt auch der mit 650 mm hohe Stack bei. Das Sight besitzt einen High-Pivot-Hinterbau mit Umlenkrolle. Das ermöglicht dem Hinterrad, Schlägen nach hinten auszuweichen – anders als bei klassischen Konzepten, bei denen es eher nach oben geschoben wird.

Fahreindruck Norco Sight A2

Auf dem Trail sorgt dieses Design für viel Traktion und ein sehr sattes Fahrgefühl, bietet aber dennoch Gegenhalt in Anliegern oder an Absprüngen. Während das Bike im ruppigen Gelände viel Ruhe und Sicherheit vermittelt, wirkt das Sight selbst mit offenem Rebound in flachen Flow-Passagen etwas leblos und verlangt einen aktiven Fahrstil, um es präzise zu positionieren und spielerisch aufs Hinterrad zu bringen.

Für steile, ruppige Singletrails ist das Sight jedoch deutlich besser geeignet.

Die einzige Komponente, von der sich unsere Tester mehr erhofft hatten – und bei der definitiv Upgrade-Potenzial besteht –, ist die Gabel: die Rock Shox Zeb Select mit Charger-Dämpfung. Auf Bremswellen und bei vielen aufeinanderfolgenden Schlägen gibt die günstige Kartusche viele Vibrationen weiter. Hier ist ein Wechsel auf die höherwertigen Charger-Versionen 3 oder 3.1 möglich, um an langen Tagen Armpump vorzubeugen und den Fahrkomfort zu steigern. Der Select-Plus-Dämpfer von Rock Shox hingegen funktionierte tadellos und bot mit je einer Zug- und Druckstufen-Einstellung genug Setup-Möglichkeiten.

Das mochten die Tester

 High-Pivot-Hinterbau sorgt für sattes Fahrverhalten und jede Menge Grip

 hohe Front bietet Sicherheit im Steilen

 viel Support im mittleren Federwegsbereich

 gelungene Geometrie

Das mochten die Tester weniger

 Fahrwerk etwas leblos auf flachen Trail-Passagen

 Gabel gibt viele Vibrationen an Fahrer*in weiter

Fazit