Das Focus Jam² NEXT - Ein nachhaltiges Konzept

Das neue Focus Jam² NEXT
Ein Konzeptbike für eine nachhaltige Bike-Industrie

Inhalt von
ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.03.2026
Als Favorit speichern

Das nächste Zeitalter an Carbon-Rahmen ist angebrochen. Zumindest behauptete das Focus beim Präsentationsevent des Jam² NEXTs. Doch zunächst ein Blick in die Vergangenheit. In den späten 80ern entstanden erste Fahrradrahmen aus dem schwarzen Werkstoff. Da waren sie allerdings zunächst unseren Kollegen mit Drop-Bar, Aerolaufrädern und hautenger Kleidung vorbehalten. An Mountainbikes gab es erste wirkliche Modelle ca. ein Jahrzehnt später. Mittlerweile werden vor allem teurere Modelle aus Kohlefaser hergestellt und finden ihre Abnehmer. Doch was, wenn das Bike aufgrund von Defekten ausgemustert wird oder sich nicht mehr verkaufen lässt?

Das Focus Jam² Next im Wald
Manuel Sulzer

Kurz & knapp: Focus Jam² NEXT

  • E-Trailbike mit 160-/150-mm-Federweg
  • Carbon-Rahmen, Aluminium-Hinterbau
  • Hauptrahmen aus thermoplastischem Carbon, recyclebar
  • Bosch Performance Line CX-Motor der fünften Generation mit maximal 100 Nm und 750 Watt
  • schnell entnehmbarer 600-Wh-Akku
  • 29-Zoll-Laufräder
Finn Sandmann
Finn Sandmann
MOUNTAINBIKE-Trainee
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Icon youtube

Der NEXT-Rahmen

Ein unlackierter Rahmen des Focus Jam² Next
Manuel Sulzer

Herkömmliches Carbon aus dem Rahmenbau besteht aus verklebten Kohlefasern. Diese Verklebung lässt sich nicht mehr trennen und der Rahmen sich deshalb nicht mehr recyclen. Es entsteht also Müll. Hier setzt Focus an, mit dem Ziel, die Radbranche nachhaltig grüner zu machen. Mit dem Jam² NEXT beweist Focus, dass Performance nicht im Widerspruch zur Nachhaltigkeit steht. Sie nutzen thermoplastisches Carbon-Material, das nur durch Hitze verbunden werden kann und dabei ähnliche Steifigkeits- und Robustheitswerte erreichen soll, wie das herkömmliche Carbon.

Landet der Rahmen im Müll, lässt er sich wieder einschmelzen und wiederverwenden. Dabei leidet zwar die Qualität der Fasern etwas, allerdings können sie für weniger Performance-orientierte Bikes verwendet werden, beispielsweise für City- oder Tourenräder. Entwickelt wurde das Projekt von Focus, umgesetzt zusammen mit der belgischen Firma REIN4CED. Noch vor dem Launch des Jam² NEXT erklärte REIN4CED jedoch Bankrott.

Dadurch bleibt das Bike ein Konzept und findet den Weg nicht in die Shops.

Eine Explosionszeichnung des Jam²-Next-Rahmens.
Manuel Sulzer

Neben dem nachhaltigen Material setzte Focus am Jam² NEXT auch weitere Statements: Der Rahmen würde ausschließlich in Europa produziert, kürzere Wege und damit ein geringerer CO₂-Ausstoß sind die Folge. Die Arbeit in Europa ist oft mit höheren Herstellungskosten verbunden, dem begegnete Focus mit einer möglichst automatisierten Produktionslinie, die meisten Handgriffe übernehmen Maschinen. Dadurch hätte das Komplettbike mit 8999 Euro ähnlich viel, wie die – oftmals in Asien gefertigten – Produkte vieler anderer Hersteller gekostet.
Bei der Rahmenentwicklung wurde viel Wert darauf ausgelegt, ein gutes Recycling möglich zu machen. Dafür wurden die Materialien möglichst wenig vermischt, es wurden beispielsweise kaum verklebte Einsätze für Gewinde verwendet. Dadurch soll der Einschmelzprozess erleichtert und das Ergebnis der Recyclingprodukte verbessert werden.

Die Debüt-Bikes: 200 Jam² NEXT

Focus Jam² Next Detailfoto der limitierten Auflage
Manuel Sulzer

Das Jam² NEXT diente für Focus in erster Linie als ein "Proof of concept", also ein Konzeptbeweis, dass das neuartige Material grundsätzlich funktioniert. Für den Hinterbau verwendet Focus die bisherigen Alu-Streben des Jam² und nicht das neue NEXT-Carbon. Diese bestehen Focus zufolge allerdings aus "grünem Aluminium", hergestellt mit weniger und nachhaltiger Energie. Auch die Geometrie teilen sich die Modelle. Einzige Neuerung gegenüber den Serienmodellen wäre also das thermoplastische Carbon geworden.

Die Displayintegration am Focus Jam² Next
Manuel Sulzer

Das Jam² NEXT sollte sich als neues Topmodell zu den bisherigen Modellen des Trailfullys mit Bosch-CX-Motor gesellen und wurde uns dementsprechend mit Top-Komponenten vorgestellt.

Der Hinterbau desFocus Jam² Next
Manuel Sulzer

First Ride

Auf dem Trail fährt sich das NEXT, vor allem im Vergleich zu den Komplett-Alu-Modellen, sehr leichtfüßig und verspielt. Dennoch blieb es auf den steilen, steinigen und matschigen Trails im Elsass jederzeit berechenbar. Durch den kleineren Akku liegt der Schwerpunkt tiefer und das Bike bleibt leichter. Das bringt Sicherheit. Beim Pressecamp wurden die Akkus glücklicherweise ein paar Mal getauscht, wodurch wir die ausgedehnten Touren konstant mit höchster Unterstützung fahren konnten. Bei eigenen Runden eröffnet sich die Möglichkeit zum Akkutausch aber oft nicht. Daher würde sich, zumindest wenn man längere Touren fahren möchte, die Möglichkeit zum größeren 800-Wh-Akku anbieten. Die Ausstattung des Bikes ist bar jeder Kritik. Die neuen Shimano-Komponenten arbeiten zuverlässig, die Di2-Schaltung begeistert mit schnellen Gangwechseln und feiner Ergonomie. Schwalbes Radial-Reifen boten auch auf den sehr aufgeweichten Böden viel Traktion, obwohl bei den Bedingungen schon fast ein echter Matsch-Reifen die richtigere Wahl gewesen wäre. Unangenehmer Flex, oder ein schwammiges Fahrgefühl, welches man durch das neuartige Material erwarten könnte blieb auf unserem ersten Testride aus.

Was lernen wir aus Focus' NEXT-Projekt?

Trotz der Bankrotterklärung des Rahmenherstellers können wir einige Lehren aus dem Konzept des Jam² NEXT ziehen. Schließlich war es ein fertiggestelltes Bike, bereit für die Markteinführung. Auch als nun reines Konzept-Bike zeigt es, welche Fortschritte in der Radindustrie möglich und vielleicht sogar nötig sind. Und es hat gezeigt: Recyclefähige Carbonrahmen sind eine funktionierende Lösung für eine nachhaltigere Bikeindustrie. Und das sogar ohne Performance-Einbußen verkraften zu müssen. Wir hoffen daher, dass die Erfahrungen des NEXT-Projekts sowohl in zukünftige Fokus-Bikes einfließen können, als auch andere Hersteller dazu anregen, nachhaltige Lösungen für die Bike-Herstellung zu finden.

Bikecheck: Das Jam² NEXT von Wyn Masters

Zwei Fahrer auf dem Focus Jam² Next.
Manuel Sulzer

Beim Pressecamp im verregneten Elsass hatten wir die Möglichkeit, mit Downhill-Racer und Focus-Teamfahrer Wyn Masters zu sprechen. In diesem Reel stellt er uns die Komponenten seiner Wahl vor:

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Social Icon Instagram