Gravelbikes stehen für Freiheit, Abenteuer und sportliches Fahren abseits befestigter Straßen. Doch was passiert, wenn man diesen Allroundern einen elektrischen Rückenwind verpasst? Genau das möchten wir herausfinden – und fahren das Rondo Ioon durch unseren Alltags-Härtetest. Die elektrische Unterstützung eröffnet neue Möglichkeiten: Steile Anstiege im Gelände lassen sich kraftsparender bewältigen, längere Touren werden entspannter, und auch weniger trainierte Fahrer können anspruchsvolle Strecken genießen. Ob der E-Antrieb das Gravel-Erlebnis wirklich bereichert oder zu sehr eingreift, klären wir in unserem Test. Zu teuer? Noch günstigere E-Bikes haben wir hier in der Test-Zusammenfassung.
Kurz & knapp: Rondo Ioon CF1
- E-Gravelbike mit Fazua Ride 60-Motor
- 60 Nm Drehmoment, 450 Watt Spitzenleistung
- 430-Wh-Akku, Range-Extender mit 240 Wh
- Gewicht: 14,7 kg
- Preis: ab 4666 Euro bis 9999 Euro (Testrad)
Fazua-Power!
Rondo nutzt für das Ioon den leichten Fazua Ride 60-Motor, der sich durch seine kompakte Bauweise und ein natürliches Fahrgefühl auszeichnen soll. Das System-Gewicht beträgt dabei laut Hersteller nur 1,96 Kilogramm, die Drive Unit (bestehend aus Motor, Getriebe und Sensorik) ist jetzt aber fest im Unterrohr integriert, frühere Modelle konnte man noch ausbauen – das geht mit dem Ride 60 so nicht mehr. Namensgebende 60 Nm Drehmoment und eine kurzzeitige Maximalleistung von 450 W im Boost-Modus stehen an, damit ist der Fazua-Antrieb auf einem Niveau mit Boschs Light-Motor SX. Der zugehörige Akku bietet 430 Wattstunden Kapazität, wiegt rund 2,4 Kilogramm und ist entnehmbar.
Infotainment à la Boschs Kiox sucht man vergebens. Stattdessen informiert ein LED-Band im Oberrohr mit fünf Farben über den Ladezustand und den gewählten Fahrmodus. Cool dabei: Hebt man den "Hub" an, präsentiert sich eine USB-C-Ladebuchse für GPS-Navi oder Smartphone. Bedient wird der Ride 60 mit der "Road Control", zwei kleinen Tasten, die individuell am Lenker unter dem Lenkerband platziert werden können. Wie üblich hat das System auch eine Schnittstelle für ANT+- und Bluetooth-Verbindungen für die Kommunikation mit der hauseigenen App.
Nobelhobel? Die weitere Ausstattung:
Die aus Polen stammenden Schotter-Spezialisten von Rondo haben mit dem Ioon ihr erstes E-Gravelbike ins Programm genommen. Drei Ausstattungsvarianten ab 4666 Euro bieten sie an, wir haben das Top-Modell CF1 zu äußerst exklusiven 9999 Euro testen können. Der Carbon-Rahmen basiert auf dem abgefahrenen Design des Modells Ruut samt dessen auffälligen Twin-Tip-Gabel (mehr dazu später) und dem brachial breiten Steuerrohr. Dennoch sieht man dem Ioon seine Elektrifizierung kaum an, was am neu geformten Unterrohr samt dem formschön integrierten Antrieb liegt. Unser Testrad kommt mit der elektronischen Sram-Force-AXS-Schaltgruppe, 45 mm breiten Pirelli Centurato Gravel M-Reifen und DT Swiss GRC 1400-Laufrädern. Vergleichsweise leichte 14,7 kg brachte das Test-Bike auf unsere Waage.

Trotz des kurzen Vorbaus lässt sich das Rondo Ioon sicher handlen und ist angenehm agil. Dafür sorgt auch der breite Lenker.
Im Alltag gefahren: Rondo Ioon CF1
Sommer, Sonne und sich den Staub der Schotterpisten um die Nase wehen lassen: Dank der dezenten Motorunterstützung fährt sich das Ioon sehr leichtfüßig. Kein Motor-Genörgel, das in der Ebene ans Ohr dringt, nur ein kaum wahrnehmbares Surren bei höherer Beanspruchung am Anstieg. Zwischendurch mussten wir uns auf der LED-Anzeige im Oberrohr erst einmal davon überzeugen, ob der Motor wirklich eingeschaltet ist. Das Gewicht? Spielt kaum eine Rolle und merkt man nur dann wirklich, wenn das Gravelbike in den Keller getragen wird – oder man im direkten Vergleich ein klassisches Gravelbike ohne Motor fährt.
Wenn an Anstiegen mehr Kraft benötigt wird, schiebt der Fazua mit kraftvollen, aber angenehmen homogenen Fahrverhalten zuverlässig an. Kein Rabauke, der hektisch anfahren möchte, sondern ein feiner, sauberer Schub erwartet den Gravelfahrer. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Unterstützungsstufen (genannt "Breeze", "River" und "Rocket") gefallen, die Haptik der Tasten der Fazua Road Control, die unter dem Lenkerband versteckt sind, könnte jedoch besser sein.
Leicht zu erreichen: die Ladebuchse für den Akku. Nachteil: durch das eckige Design des Sitzrohrs und der dort unten angebrachten Ladebuchse steht effektiv nur eine Trinkflaschenhalterung zur Verfügung. Zwei weitere Montageösen befinden sich unterhalb des Oberrohrs. Für Trinkflaschen eher ungeeignet. Benutzerfreundlich lassen sich in der Fazua-App alle relevanten Fahrdaten, wie aktuell abgerufene Motorleistung, Batteriestand, Geschwindigkeit, Fahrdistanz oder Kadenz anzeigen. Außerdem beeinflussen persönliche, freiwillige Angaben unter dem Menü "Customizer" das Fahrverhalten der Unterstützungsstufen. Ein nettes Gimmick, das sich zu der ohnehin schon guten Grundeinstellung gesellt.

Ungewöhnlich: die Rahmen-Formen kennt man so nur von Rondo. Die Montageösen unterhalb des Oberrohrs sind nicht ideal und für Trinkflaschenhalterungen eher ungeeignet.
Das Handling durch den 44 cm breiten Lenker ist weniger agil, als es der kurze Vorbau vermuten lässt, vermittelt aber eine stets sichere Kontrolle über das Bike. Die Sram Force AXS mit 13, breit gestaffelten Gängen und großem 42-Zähne-Kettenblatt lässt sich souverän schalten, die Bandbreite der Übersetzung passt zum Bike. Einen weiteren Pluspunkt bietet der Komfort. Der Selle Italia Novus Evo-Sattel ist in unseren Augen ein bequemer Sessel, die 45 mm breiten Pirelli Cinturato-Reifen schlucken Unebenheiten gut und überzeugten auf unseren Testrunden mit ordentlichem Grip im Gelände.
Gut gewählt sind ebenso die DT Swiss HGC 1400-Laufräder mit 24 mm Maulweite, die mit einem Gewicht von rund 1538 g nicht nur leicht sind, sondern auch ein hohes Systemgewicht von 140 kg verpacken. Spurtreue und hohe Seitensteifigkeit bei Kurvenfahrten wissen zu gefallen. Für Feintuning lässt sich die Geometrie dank der Twin-Tip-Gabel ändern. Die integrierten Flip-Chips in den Gabelenden lassen sich auf beiden Seiten in kürzester Zeit um 180 Grad drehen und somit das Ioon entweder aggressiver oder komfortabler fahren.
Test-Fazit: Rondo Ioon CF1
👍 Das gefällt
- außergewöhnlich natürliches Fahrverhalten
- Komfortable, dennoch sportliche Sitzposition
- Effizienter und leiser Motor
- Akku entnehmbar
- stimmige Komponenten
- hoher Fahrkomfort
- Twin-Tip-Gabel zur Veränderung der Geometrie
- aufgeräumte Optik
👎 Das weniger
- Haptik der Fazua Road Control-Tasten unter dem Lenkerband könnte besser sein
- Wenig Montagemöglichkeiten am Rahmen
- extrem hoher Anschaffungspreis (Testrad)
💗 Das perfekte Rad für ...
... Gravelbiker, die sich etwas Motorunterstützung im Gelände wünschen, aber nicht auf ein natürliches Fahrverhalten verzichten möchten.





