Helmpflicht, Akku, Tempolimit: Diese Dinge wissen die meisten E-Biker nicht. Du auch nicht?

E-Bike-Studie 2026 von Diamant
Wie wenig E-Bike-Fahrer über ihr eigenes Rad wissen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.06.2026
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Mann pendelt mit seinem E-Bike zur Arbeit
Foto: Westend61 / Westend61 via Getty Images

Der E-Bike-Markt boomt, das Wissen vieler Nutzer:innen hinkt hinterher. Eine europaweite Studie im Auftrag des Radherstellers Diamant zeigt: Selbst in der fahrradverrückten DACH-Region gibt es erstaunliche Wissenslücken – beim Regelwerk, beim Versicherungsschutz und vor allem beim Umgang mit dem Akku. Wir haben uns die Ergebnisse angeschaut.

Kurz & knapp: Die Studie zusammengefasst

  • 4.041 Befragte in neun europäischen Ländern, erhoben zwischen Februar und April 2026
  • 70 Prozent in der DACH-Region halten 25 km/h für ein festes Tempolimit – tatsächlich regelt das Gesetz nur die Motorunterstützung
  • 44 Prozent der DACH-Befragten fühlen sich beim Akku-Handling unsicher
  • Jede:r Vierte glaubt fälschlicherweise an eine Helmpflicht für Pedelecs
  • Infrastruktur allein reicht nicht: 64 Prozent der Nennungen entfallen auf bessere Infos, Beschilderung, Wartung oder Fahrtrainings
  • Herstellerwebsites (58 %) und Fachhandel (54 %) sind die wichtigsten Informationsquellen vor dem Kauf – Social Media spielt mit 7,4 % kaum eine Rolle
Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur und E-Bike-Experte

E-Bike-Boom trifft Wissenslücken

Man könnte meinen, wer sich ein E-Bike kauft, weiß auch, was er damit darf. Die Realität sieht anders aus. Die Diamant-Studie zeichnet ein Bild, das man so zusammenfassen kann: Der Markt wächst deutlich schneller als das Alltagswissen derjenigen, die darauf unterwegs sind.

Besonders bezeichnend ist das Thema Tempolimit. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind 70 Prozent der Befragten überzeugt, dass für E-Bikes ein Tempolimit von 25 km/h gilt. Klingt erstmal vernünftig – ist aber streng genommen falsch. Gesetzlich geregelt ist die Grenze der Motorunterstützung, nicht die Geschwindigkeit an sich. Wer schneller tritt, darf auch schneller fahren. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied, den offenbar die wenigsten auf dem Schirm haben.

Interessant dabei: In den Niederlanden, wo das Fahrrad quasi zum Kulturerbe gehört, kennen immerhin 62 Prozent dieses vermeintliche Limit. In Dänemark sind es nur noch 43 Prozent, in Großbritannien magere 20 – wobei E-Bikes auf der Insel auch weit weniger verbreitet sind. Die Botschaft ist klar: Selbst dort, wo viel geradelt wird, heißt das nicht automatisch, dass das Regelwissen mitfährt.

Wieso der Akku eine zentrale Unsicherheitszone ist

Stefan Eigner - eignerframes

Wenn es einen Punkt gibt, der in der Studie besonders heraussticht, dann ist es das Thema Akku. 44 Prozent der Befragten in der DACH-Region geben an, sich beim Laden, Lagern und Transportieren ihres E-Bike-Akkus nicht ausreichend sicher zu fühlen. Fast jede:r Zweite also.

Das ist insofern bemerkenswert, als die meisten Menschen zwar grundsätzlich wissen, dass ein Akku nicht in den Hausmüll gehört. Aber bei den Alltagsfragen wird es dann dünn: Darf ich den Akku über Nacht am Ladegerät lassen? Wo lagere ich ihn im Winter? Was muss ich beachten, wenn ich ihn im Auto transportiere? Genau diese Fragen bleiben für viele offenbar unbeantwortet.

Der Akku ist damit nicht nur die teuerste Komponente am E-Bike, sondern auch die am wenigsten verstandene. Und das in einer Zeit, in der Akku-Brände – ob real oder medial aufgebauscht – regelmäßig für Schlagzeilen sorgen. Hier klafft eine Lücke, die weder Hersteller noch Handel bislang ausreichend geschlossen haben.

Unsicherheiten bei Helm, Radwegen und Versicherung

Mann mit weißem Mountainbike-Helm im Seitenprofil.
www.abus.de pd-f

Neben dem Akku offenbart die Studie auch beim klassischen Regelwissen erstaunliche Lücken – und zwar quer durch Europa:

  • Helmpflicht: Ein Viertel aller Befragten geht davon aus, dass für normale Pedelecs (also bis 25 km/h Motorunterstützung) eine gesetzliche Helmpflicht besteht. Das ist in keinem der befragten Länder der Fall. Ob man einen Helm tragen sollte, steht auf einem anderen Blatt – Pflicht ist es jedenfalls nicht.
  • Radwegnutzung: Ausgerechnet in den Niederlanden, dem Fahrradland schlechthin, nennen 55 Prozent der Befragten die Straße nicht als erlaubten Bereich für E-Bikes. In der DACH-Region sind es vergleichsweise moderate 15 Prozent. Die Unsicherheit, wo man mit dem E-Bike eigentlich fahren darf, ist also gerade dort groß, wo man es am wenigsten erwarten würde.
  • Versicherung: Wer sein E-Bike wie versichert hat – oder ob überhaupt – das wissen viele schlicht nicht. In der DACH-Region sind 30 Prozent unsicher über ihren Versicherungsstatus. In Dänemark liegt dieser Wert bei satten 76 Prozent. Drei von vier Befragten wissen dort also nicht sicher, ob und wie ihr E-Bike abgesichert ist.

Was sich aus der Studie ableiten lässt

Die naheliegende Forderung nach mehr Radwegen ist auch hier präsent: 36 Prozent der Befragten sehen den Ausbau der Infrastruktur als wichtigste Maßnahme für mehr Sicherheit im E-Bike-Alltag. Aber – und das ist die eigentliche Erkenntnis – entfällt die Mehrheit der Nennungen, nämlich 64 Prozent, auf Dinge, die sich deutlich schneller umsetzen ließen: klarere Sicherheitsinformationen, bessere Beschilderung, Wartungsangebote, Fahrtrainings.

Oder wie es Diamant-Marketingchef Thomas Eichentopf formuliert: "Aufklärung schlägt keine Infrastruktur, sie macht sie wirksamer." Das ist ein Satz, den sich die gesamte Branche unter den Helm klemmen darf. Denn die Studie zeigt auch: Vor dem Kauf suchen Nutzer:innen vor allem auf Herstellerwebsites (58 Prozent) und im Fachhandel (54 Prozent) nach Orientierung. Social Media? Spielt mit 7,4 Prozent praktisch keine Rolle.

Die Leute wollen also keine hübschen Instagram-Reels, sondern belastbare Informationen. Wer E-Bikes verkauft – ob als Hersteller oder Händler – steht damit in der Pflicht, nicht nur Produkte zu präsentieren, sondern auch Wissen zu vermitteln. Beim Kauf, nach dem Kauf, und idealerweise auch noch Jahre später, wenn der Akku in die Jahre kommt.

Die Methodik der Studie

Die Erhebung wurde zwischen Februar und April 2026 durchgeführt, befragt wurden insgesamt 4.041 Personen in neun europäischen Märkten: Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden, Großbritannien, Italien, Dänemark, Frankreich und Niederlande.

Die Befragung in Schweden, Großbritannien, Italien, Dänemark, Frankreich und den Niederlanden lief über das Marktforschungsinstitut Norstat und ist für die jeweilige Grundgesamtheit repräsentativ. Die Stichproben umfassten dort jeweils rund 305–308 Personen. Im DACH-Raum wurden 2.204 Radfahrende über einen Online-Fragebogen erfasst – eine deutlich größere Stichprobe, was die regionalen Ergebnisse entsprechend belastbarer macht.

Hinweis: Die Studie wurde im Auftrag des Fahrradherstellers Diamant durchgeführt.

Fazit