Como – beliebt ist die norditalienische Stadt bei Fahrrad-Touristen für Touren um den Comer See oder in die Voralpen. Diese Beliebtheit bekommt aber gerade einen Dämpfer: Die Stadt plant, Fahrräder und E-Bikes aus Teilen des Zentrums zu verbannen. Ab September 2026 sollen Radfahrer dort absteigen und ihr Fahrrad schieben müssen.
Auslöser für die Entscheidung ist ausgerechnet ein persönlicher Unfall des Bürgermeisters.
Bürgermeister von Como wird von E-Bike erfasst

Idyllische Kulisse am Comer See: In der historischen Innenstadt von Como soll Radfahren künftig teilweise verboten sein.
Mitte Juli sei Alessandro Rapinese nach eigenen Angaben aus dem Rathaus gekommen und von einem E-Bike angefahren worden. Gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa erklärte er Mitte August, das Erlebnis habe seine Sicht auf die Situation verändert.
Dabei hatte die Stadtverwaltung bereits zuvor über strengere Regeln für Lieferdienste in der verkehrsberuhigten Innenstadt diskutiert. Nach dem Unfall sei für ihn jedoch klar gewesen, dass auch Fahrräder stärker reguliert werden müssten.
"Menschen handeln auf Basis ihrer Erlebnisse", erklärte Rapinese und verwies auf seine eigenen Erfahrungen mit den "Ungetümen", von denen er angefahren worden sei.
Ein Unfall – und plötzlich müssen alle schieben
Genau hier setzt die Kritik an der Entscheidung an. Denn aus einem individuellen Unfall leitet die Stadt eine Regelung für alle Radfahrer ab. Vincenzo Falanga, Präsident des Vereins Nova Como, wirft der Stadtverwaltung deshalb vor, aus persönlichen Problemen kollektive zu machen.
Rapinese argumentiert unter anderem mit der italienischen Straßenverkehrsordnung. Diese unterscheide nach seinen Angaben nicht zwischen klassischen Fahrrädern und E-Bikes. Deshalb soll das Verbot für beide gelten.
Für Radfahrer bedeutet das: Fahrradfahren ist in den betroffenen Bereichen künftig nicht mehr erlaubt – Schieben dagegen schon.
Protestfahrt gegen das Fahrrad-Verbot geplant
Der Widerstand formiert sich bereits. Für Mitte September ist laut Ansa eine gemeinsame Fahrrad-Protestfahrt angekündigt. Der Verein Nova Como will damit gegen die geplanten Einschränkungen demonstrieren.
Rapinese hält dagegen und verweist auf seine bisherige Verkehrspolitik. Bereits 2022 habe Como den Verleih von E-Scootern verboten. Auch damals habe die Stadt nach seiner Darstellung früh auf mögliche Probleme reagiert.
Sein aktuelles Argument: Es sei widersinnig, für E-Scooter strengere Vorschriften wie Versicherung und Kennzeichen zu fordern, Fahrräder und E-Bikes aber anders zu behandeln. E-Bikes könnten seiner Einschätzung nach sogar gefährlicher sein.
Mehr Sicherheit durch weniger Fahrräder?
Dass enge historische Innenstädte Konflikte zwischen Fußgängern, Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern verursachen können, ist unbestritten. Die Frage ist allerdings, ob ein einzelner Unfall ein ausreichender Grund für ein pauschales Fahrradverbot ist.
Denn Fahrräder sind in der Innenstadt nicht nur ein Verkehrsmittel für Touristen. Sie ermöglichen es Einheimischen, sich platzsparend und emissionsarm fortzubewegen – gerade dort, wo Autos ohnehin wenig Platz haben.
Ob ein Verbot tatsächlich für mehr Sicherheit sorgt oder lediglich ein Verkehrsmittel aus dem ohnehin knappen Straßenraum verdrängt, dürfte deshalb noch für Diskussionen sorgen.
Fest steht: Ab September soll in Teilen von Como Schluss mit dem Radfahren sein. Wer dort mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss dann zumindest absteigen und schieben.





