Du bist auf dem Radweg unterwegs, vor dir geht ein Fußgänger mitten auf dem Radweg. Du klingelst, aber nichts passiert. Du rufst, aber die Person dreht sich noch nicht einmal um. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Fußgänger nicht absichtlich gerne Radfahrern im Weg steht – sondern dass er Noise-Cancelling-Kopfhörer trägt und dein Klingeln schlicht nicht hört.
Kopfhörer mit ANC (Active Noise Cancelling) erfreuen sich großer Beliebtheit, unterdrücken sie doch störenden Verkehrslärm und erlauben den Trägern, ganz in ihrer Musik oder ihren Podcasts versinken zu können. So schön das für die Person mit den Kopfhören ist, so nervig – und gefährlich – kann das im Alltag auf der Straße sein.
Škoda entwickelt DuoBell
Mit der DuoBell stellt der tschechische Autohersteller Škoda nun eine neu entwickelte Fahrradklingel vor, die gezielt darauf ausgelegt ist, auch von Fußgängern mit Noise-Cancelling-Kopfhörern wahrgenommen zu werden.
Die Klingel entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Audiologen der University of Salford. Ziel war es, herauszufinden, warum herkömmliche Fahrradklingeln von moderner ANC-Technologie oft ausgeblendet werden – und wie sich dieses Problem umgehen lässt.
Klingel nutzt spezielle Frequenz

Die DuoBell erzeugt einen Ton in einer speziellen Frequenz, die von Noise-Cancelling-Kopfhörern nicht herausgefiltert wird.
Im Kern setzt die DuoBell auf einen rein mechanischen Ansatz. Statt digitale Signale zu verstärken, nutzt sie Frequenzen, die von den Algorithmen vieler ANC-Kopfhörer schlechter gefiltert werden können.
Die Forscher identifizierten dabei ein schmales Frequenzband zwischen 750 und 780 Hz, das als eine Art "Lücke" in der Geräuschunterdrückung fungieren kann. Genau in diesem Bereich sendet die DuoBell ihren Ton aus. Ein zusätzlicher Resonator sowie ein speziell entwickelter Hammermechanismus erzeugen schnelle, unregelmäßige Schläge, die für die Software schwerer zu unterdrücken sein sollen.
Hinzu kommt der klassische Fahrradklingel-Sound – daher der Name DuoBell – damit die Verkehrsteilnehmer das Geräusch als Fahrradklingel identifizieren können.
Kaufen kann man die Klingel noch nicht
Laut Škoda konnten Fußgänger das Signal in ersten Tests trotz ANC-Kopfhörern bis zu 22 Meter früher wahrnehmen als bei herkömmlichen Klingeln – das entspricht einem Zeitgewinn von bis zu fünf Sekunden. Dadurch hätten sie mehr Zeit, auf herannahende Fahrräder zu reagieren.
Schlechte Nachrichten für alle, die jetzt denken "Das brauche ich auch!": Erhältlich ist die Klingel bislang jedoch nicht. Aktuell handelt es sich noch um einen Prototyp. Aber: Škoda hat die Infos zur Technologie öffentlich zur Verfügung gestellt – das heißt, auch andere Hersteller könnten bald darauf zurückgreifen und entsprechende Produkte auf den Markt bringen.





