Wer im Winter an der Form fürs nächste Frühjahr arbeiten möchte, kommt ums Rollentraining kaum herum. Dank zahlreicher Trainingsplattformen von Rouvy über MyWoosh, Wahoo SYSTEM und Trainerroad bis hin zu Zwift sollte auch jeder seine passende App finden (hier unsere aktuelle Übersicht) und auch die Rollentrainer kosten kein riesiges Vermögen mehr, sondern sind bereits ab ca. 500 Euro zu haben. Bleibt die Frage: Welches Rad soll für die zahllosen Stunden im Winter genutzt werden?
Immerhin geben immer mehr Hersteller ihre Räder für das Einspannen auf der Rolle frei, im Zweifel sollte man beim jeweiligen Hersteller nachfragen, ob das Rollentraining irgendwelche Eisnchränkungen für die Garantie bedeutet. Und ganz abgesehen davon möchte auch nicht jeder seinen teuren Carbonrenner durch den Winter quälen. Wer dann kein nicht ganz so hochwertiges "Rollen-Rad" zur Hand, für den hat Zwift mit dem Ride ein interessantes Angebot: Für 1199,99 Euro gibt es das neue Ride V2 Indoor-Bike inkl. Kickr Core-Rollentrainer. Ein Komplett-Paket, das kaum Wünsche offenlässt.
Wer schon einen Rollentrainer mit Direktantrieb besitzt, für den bietet Zwift auch nur den Ride V2 ohne Trainer für 799,99 Euro an. Dieser kommt dann inkl. Zwift Cog-Kassette, die für den Ride V2 zwingend notwendig ist.
Zwift Ride V2 – das ist neu
Kurz zu den Verbesserungen, die Zwift beim neuen Ride V2 im Vergleich zur ersten Version vorgenommen hat. Zum einen ist der Rahmen insgesamt etwas kleiner geworden, sodass er mehr Spielraum bietet, ihn für sehr kleine Fahrer anzupassen, laut Zwift passen nun Fahrer und Fahrerinnen von 146 cm bis 198 cm auf den Ride V2. Die Sattelhöhe lässt sich von 57,1 cm bis 86,5 cm einstellen.
Außerdem bietet die Kurbel nun mehr Möglichkeiten die Kurbellänge anzupassen. Möglich sind 160, 165, 170, 172,5 und 175 – perfekt für alle, die über den Winter ein bisschen mit kürzeren Kurbellängen experimentieren und das Fahrgefühl testen wollen, ehe sie sich wirklich eine kürzere Kurbel ans Rad montieren.
Außerdem ist der Lenker etwas dicker geworden und soll mehr Griffkomfort bieten.

Der neue Supersonic Aerobar von Profile Design für den Zwift Ride V2.
PS: Ganz aktuell gibt es als weiteres Update von Profile Design den Supersonic Aerobar-Auflieger für den Zwift Ride, um auch in seiner Zeitfahrposition trainieren zu können. Profile Design wird die neue Cockpit-Konfiguration bei den Ironman-Weltmeisterschaften in Kailua-Kona vorstellen und der Zwift Ride Supersonic Aerobar soll für 245 Euro im Handel erhältlich sein.
Aufbau und Einrichtung
Der Zwift Ride V2 kommt mit zwei Paketen, einmal der Lenker und einmal der Rahmen. Grundsätzlich sollte der Ride V2 dank der guten Anleitungen sowie der Video-Tutorials schnell aufzubauen und einzurichten sein. Er kommt auch weitgehend vormontiert, nur Sattelstütze sowie Lenker müssen angebracht sein. Praktisch: Alle Schrauben sind ein 5er Inbus, der passende Schlüssel liegt bei und kann per Magnethalterung unterm Oberrohr verstaut werden.
Wichtig: Vor der Montage muss der Rollentrainer für Steckachsen eingestellt werden (ich hatte ihn noch wegen meines alten Rollenrads mit Schnellspanner-Adaptern ausgerüstet). Außerdem muss der Zwift Cog auf dem Freilauf montiert werden – aber auch das ist dank des beiliegenden Werkzeugs schnell erledigt.
Ein erster Nachteil des Ride V2 zeigt sich allerdings beim Hantieren: Der Rahmen ist recht schwer – und nicht vergleichbar mit einem leichten Rennrad. Außerdem ist er aufgebaut etwas sperrig und nicht einfach wegzuräumen, sollte er mal nicht gebraucht werden. So eignet er sich vor allem für ein – zumindest über den Winter – permanent aufgebautes Rollentrainingssetup.
Die erste Anpassung auf die jeweiligen Fahrer gelingt dank der beiliegenden Karte einfach. Je nach Größe werden Sattelhöhe, Vorbaulänge und Lenkerhöhe auf jeweilige Buchstaben eingestellt. Allerdings zeigt sich, dass vor allem erfahrene Rennradfahrer anschließend noch etwas nachjustieren müssen, um sich wirklich auf dem Ride V2 wohlzufühlen.
Gleiches gilt für den mitglieferten Sattel: Dieser ist recht voluminös und mit weicher Polsterung – kein klassischer Rennradsattel. Wer viel auf der Rolle trainiert, sollte früher oder später an dieser Stelle nachrüsten. Gut: Die enthaltene Sattelklemmung ist einfach in der Anwendung, ein Tausch sollte mit wenigen Handgriffen erledigt sein.
Die ersten Testfahrten
Ist der Ride V2 eingerichtet, können die ersten Testfahrten starten – logischerweise auf Zwift. Die Kopplung mit Zwift gelingt auf dem Startbildschirm problemlos. Dank der Tasten am Lenker kann nun quasi ganz Zwift über den Lenker gesteuert werden. Also nicht nur während der Fahrt, sondern auch schon die Auswahl von Workouts, Strecken oder Challenges. Allerdings braucht man ein bissen, bis man die ganzen möglichen Befehle und Steuerungsoptionen im Griff hat. Die A, B, C, D und Pfeiltasten sind nicht ganz so intuitiv wie eine Computer-Maus oder ein Touchpad. Aber man kann alles direkt aus dem Sattel vornehmen.
Der Widerstand des Rollentrainers, das virtuelle Schalten, wird an jeweils zwei Tasten auf den Außenseiten eingestellt – der Zwift Cog und damit der Zwift Ride V2 bietet insgesamt 24 virtuelle Gänge. Die Schaltlogik selbst kann in Zwift unter Einstellungen angepasst werden, sodass sie der jeweils gewohnten Logik von Shimano oder Sram entspricht.
Viel Lob verdienst sich der neue Lenker, der im Oberlenker angenehm dick ist und gut in der Hand liegt. Mit 42 cm ist er auch von der Breite ok. Allerdings ist er nicht zu tauschen, da die Zwift Controller fest verbaut sind.
Als sehr praktisch erweist sich die Ablage fürs Smartphone. Dies ist auf einer rutschfesten Matte am Lenker immer im Blick, beispielsweise zum Musikhören oder natürlich für die Zwift Companion-App. Außerdem bietet Zwift optional für 49,99 Euro eine Tablet-Halterung an, die ebenfalls am Cockpit montiert wird.
Ein Detail, dass uns aufgefallen ist: Die Kurbel ist so breit dimensioniert, dass sich ein normaler Trittfrequenz-Sensor nur mit Improvisationskünsten anbringen lässt – und auch in der Ride-Kurbel ist kein solcher Sensor integriert. Die Trittfrequenz wird stattdessen über den Rollentrainer ermittelt, der aufgrund der Kraftverteilung beim Pedaltritt die Trittfrequenz berechnet. Das ist für normales Rollentraining in der Regel auch völlig ausreichend, reagiert aber etwas langsam und wird ungenau, wenn man gezielt hohe Trittfrequenzen jenseits der 120 rpm trainieren möchte.
Während des Trainings gefällt vor allem das direkte, schnelle virtuelle Schalten, die Kette läuft über den Zwift Cog zudem sehr leise. Dank der vielen Stellschrauben ist der Ride auch schnell ganz so eingestellt, wie man es möchte. Wenn mehrere Fahrer den Ride nutzen, sollte man sich aber auf jeden Fall die verschiedenen Parameter für Sattel- und Lenkerhöhe sowie Vorbau notieren.
Zwift Ride V2: Stärken und Schwächen
- einfacher Aufbau
- großer Anpassungsbereich für mehrere Nutzer
- viele Kurbellängen
- guter, angenehm in der Hand liegender Lenker
- praktische Handyablage
- Kontrollbuttons direkt am Lenker und konfigurierbar
- auf Zwift Cog abgestimmt
- Ride-Rahmen etwas schwer und unhandlich
- mitgeliefertert Sattel nicht rennrad-spezifisch
- kein integrierter Trittfrequenz-Sensor





