Duell: Aerycs Aero CS vs. Aero WT S - braucht man wirklich Carbonspeichen im Rennradlaufrad?

Duell: Aerycs Aero CS 40 vs. Aerycs Aero WT S 40
Braucht man Carbonspeichen in Rennradlaufrädern?

Inhalt von
ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.03.2026
Als Favorit speichern
Aerycs Aero WT S und Aerycs Aero CS
Foto: Moritz Schwertner

Immer mehr Hersteller bringen Laufräder mit Carbonspeichen auf den Markt. Selbst traditionell-konservative Marken wie DT Swiss, deren Wurzeln in der Produktion von Stahlspeichen liegen, sahen sich gezwungen, auf den Zug aufzuspringen. Der naheliegendste Vorteil von Carbonspeichen: Diese ermöglichen noch leichtere Set-Gewichte. Im Gegenzug treiben sie den Preis nach oben. Aber lohnt sich die Investition auch?

Fragestellung des Vergleichstests

Wir wollten wissen: Was passiert, wenn man nahezu identisch aufgebaute Laufräder gegeneinander testet – die einen mit, die anderen ohne Carbonspeichen? Was sagen die nackten Zahlen? Und spürt man einen Unterschied in der Fahrpraxis? Wir haben es ausprobiert – mit Aero-Laufrädern von Aerycs: zum einen die im letzten Jahr vorgestellten Aero WT S mit klassischen Stahlmesserspeichen für 1399 Euro, zum anderen die brandneuen Aero CS mit Carbonspeichen für 1799 Euro.

Aerycs Aero WT S und Aerycs Aero CS setzen auf die gleiche Carbonfelge
Moritz Schwertner

Bei beiden Laufradsätzen setzt Aerycs auf die identischen Felgen aus Toray T1000-Carbonfasern. Erhältlich sind diese in den Felgenhöhen 38, 50 und 60 Millimeter, die Maulweite beträgt überall 23 Millimeter, und die Felgen kommen klassisch mit Haken (also kein hookless). Hinweis: Auch wenn die niedrigste Ausführung 38 Millimeter hoch ist, trägt diese Ausführung die Zahl 40 im Namen. Und genau diese 40er-Varianten haben wir gegeneinander getestet: die Aerycs Aero WT S 40 gegen die Aerycs Aero CS 40.

Aero WT S – Aufbau und Messwerte im Detail

Bei den Aero WT S setzt Aerycs auf bewährte Komponenten aus der Schweiz: Aufgebaut ist der Satz mit DT Swiss 240-Naben und DT Swiss Aerolite-Messerspeichen. Je 24 dieser Straightpull-Speichen sind an Vorder- und Hinterrad verbaut, beidseitig je 2-fach gekreuzt.

Beim Aufbau der Räder macht Aerycs niemand was vor: Der Aero WT S 40-Testlaufradsatz kam perfekt zentriert aus der Hand von Laufradbauer Robert Letzsch und Team in die Redaktion – kein Seiten- oder Höhenschlag außerhalb der (engen) ROADBIKE-Toleranzen war feststellbar, Vorder- und Hinterrad standen zudem genau mittig.

Aerycs Aero WT S mit DT Swiss 240-Nabe
Moritz Schwertner

Auf der Waage verblüfft, was man mit diesen vergleichsweise klassischen Zutaten erreichen kann: Das Vorderrad wiegt 565 Gramm, das Hinterrad 663 Gramm, was ein Set-Gewicht von 1228 Gramm ergibt.

Aero CS – Aufbau und Messwerte im Detail

Bei den Aero CS – aufgebaut wie gesagt mit der identischen Carbonfelge – setzt Aerycs auf Messerspeichen aus Toray T800-Carbonfasern. Jeweils 18 dieser ohne nähere Markennennung als CarbonSpokes bezeichneten Speichen finden sich an Vorder- und Hinterrad – vorne wie hinten 1-fach gekreuzt.

Der auffällige, sternförmige Carbonflansch der Naben am Aerycs Aero CS in Seitenansicht
Moritz Schwertner

Optisch auffällig ist der weit hochgezogene Nabenflansch aus Carbon, der pro Seite an vier Stellen spitz zuläuft. Diese sternförmige Struktur ergibt sich durch die Richtungen der Messerspeichen. An seiner stärksten Ausprägung ragen die "Zacken" immerhin vier Zentimeter Richtung Felge – eine gänzlich andere, "lautere" Optik als bei den vergleichsweise flachen DT Swiss 240-Naben der Aero WT S. Übrigens: Der Nabenkörper abseits des Flanschs besteht aus Aluminium, im Inneren findet sich die identische DT Swiss 240-Nabentechnologie wie bei den Aero WT S. Positiv: Auch der Aero CS-Laufradsatz ist vorbildlich aufgebaut, steht mittig und läuft rund ohne Seiten- oder Seitenschlägen außerhalb der Toleranz.

Aufnahme der Carbonspeichen am Aerycs Aero CS
Moritz Schwertner

Auf der Waage zeigt sich der Vorteil der Carbonspeichen: Das Vorderrad wiegt 526 Gramm, das Hinterrad 657 Gramm. Das Set-Gewicht beträgt somit 1183 Gramm.

Vergleich und Praxistest

Vergleicht man die Set-Gewichte fällt auf: Der Stahlspeichen-Laufradsatz ist gerade mal 42 Gramm schwerer. Lohnt das einen Aufpreis von immerhin 400 Euro, also fast zehn Euro pro gespartem Gramm? Wichtiger Hinweis für athletische Fahrerinnen und Fahrer: Das geringere Set-Gewicht der Aero CS bedeutet keine geringere Stabilität. Aerycs nennt für die leichteren Aero CS mit Carbonspeichen ein maximal zulässiges Systemgewicht aus Fahrer, Rad und Ausrüstung von 120 Kilogramm – bei den Aero WT S mit Stahlspeichen sind es 10 Kilogramm weniger ( ! ), das maximal zulässige Systemgewicht beträgt hier 110 Kilogramm.

Der direkte Praxisvergleich zeigt zudem, das nicht nur das Gewicht entscheidend ist. Wir sind beide Laufradsätze direkt hintereinander auf einer festgelegten Testrunde gefahren, bei identischen äußeren Bedingungen sowie mit identischen Reifenmodellen, Schläuchen und Luftdruck sowie identischem Bremsscheiben-Modell sowie derselben Kassette, die samt DT Swiss-Freilauf einfach umgesteckt wurde. Darüber hinaus sind wir beide Laufradsätze auch bei ausgedehnten Touren gefahren, um Praxiseindrücke zu sammeln.

DT Swiss 240-Nabe mit EXP-Zahnscheibenfreilauf
Moritz Schwertner

Dabei zeigen sich deutlich erfahrbare Unterschiede: Die Aero CS mit Carbonspeichen beschleunigen noch einmal flinker als die Aero WT S mit Stahlspeichen. Das liegt nicht nur an den erwähnten 42 Gramm Gewichtsersparnis – vielmehr an einem Plus an Seitensteifigkeit, das man auch beim Lenken, im Wiegetritt und im Sprint spürt.

Optisch unterscheiden sich die Aerycs-Laufräder vor allem durch die Naben
Moritz Pfeiffer

Kehrseite der Medaille: Die Aero CS fahren sich subjektiv etwas härter – die vielen Vibrationen der Straße werden ungefilterter an den Fahrer weitergegeben als bei den Aero WT S, die sich insgesamt deutlich geschmeidiger anfühlen.

Deutlich spürbar unterscheidet sich aber auch das Handling bei Seitenwind: Während die Aero WT S stoisch die Spur halten, reagieren die Aero CS deutlich sensibler, ja fast schon nervös. Verantwortlich dafür dürften die größere seitlich Stirnfläche aufgrund des hohen, sternförmigen Nabenflanschs sowie die breiten Carbon-Messerspeichen sein.

Der auffällige, sternförmige Carbonflansch der Naben am Aerycs Aero CS
Moritz Schwertner

Ein weiterer Unterschied ergab sich abseits des Sattels: Beim Ein- und Ausbau der Laufräder fielen die Aero CS einmal zur Seite, eine Carbonspeiche prallte genau auf das Pedal eines zweiten im Keller stehenden Rennrads. Während vergleichbare Unfälle, die immer vorkommen können, mit einem Stahlspeichen-Laufrad wohl nur ein kurzes Schulterzucken nach sich ziehen, hält man bei Carbonspeichen instinktiv die Luft an – und atmet erleichtert aus, wenn – wie in diesem Fall – keine Schäden aufgetreten sind.

Fazit

Moritz Pfeiffer
Moritz Pfeiffer
Redaktionsleiter