4 Watt Unterschied: Darum hätte das neue Tarmac SL9 die Tour de France gewonnen.

Test: Specialized S-Works Tarmac SL 9
Ein Top-Kandidat für Podiumsplätze?

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.10.2026
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Specializeds Tarmac erhebt den Anspruch, der perfekte Allrounder zu sein, der Aerodynamik, Leichtgewicht, Komfort und Steifigkeit vereint – "one bike to rule them all", wie es gewohnt unbescheiden von den US-Amerikanern heißt. In der jüngsten Evolutionsstufe mit dem Kürzel SL9 wurde es behutsam weiterentwickelt – nicht radikal neuinterpretiert. Optisch sind kaum Änderungen zum Vorgänger SL8 feststellbar: Das Sitzrohr schmiegt sich enger um das Hinterrad, die Gabelscheiden sind geringfügig breiter. Für das Auge hingegen kaum wahrnehmbar: das um vier Millimeter schmalere Steuerrohr, die leicht nach außen ausgestellten Gabelscheiden, dass der Übergang von Gabel zu Unterrohr neu gestaltet ist und sich die Sattelstütze im oberen Teil verjüngt. Feintuning, das vier Watt weniger Luftwiderstand bringen soll. Und so über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.

Specialized verspricht für das SL9 immer die schnellste Zielzeit ("time to finish"). Konkret: Demi Vollering hätte damit die Tour de France Femmes 2024 mit zehn Sekunden Vorsprung gewinnen können – anstatt sie mit vier Sekunden Rückstand zu verlieren.#

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Benjamin Zoeller

Kann das neue Flaggschiff von Specialized aber auch abseits solcher Rechenspiele überzeugen? Kurz gesagt: Ja! Die Sitzposition ist ausgewogen-sportlich und nicht zu extrem – man sitzt kompakt und nicht zu überstreckt, auch lange Tage im Sattel sind ohne Rückenschmerzen möglich. Dank des Leichtgewichts exakt am UCI-Limit von 6,8 Kilogramm und dank der ebenso seitensteifen wie leichten Laufräder beschleunigt das S-Works Tarmac SL9 explosiv. Auch bergauf macht sich das geringe Gewicht positiv bemerkbar, das Rad tanzt im Wiegetritt feurig und veranlasst Fahrerin oder Fahrer stets, eine weitere Attacke zu reiten. Überhaupt: Eine sportliche Gangart ist angesagt – gemütlicher Sonntagsausflug passt nicht zur Ausrichtung und auch nicht zur Übersetzung mit der 50/37-Heldenkurbel.

Die Lenkung des neuen Tarmacs ist ebenso agil wie präzise – die sportliche Charakteristik lernt man schnell zu schätzen und feuert mit hohem Spaßfaktor durch Kurven oder den nächsten Kreisverkehr. Hohes Tempo hält das Rad auffallend leicht, Unruhe kommt selbst bei High-Speed-Passagen nicht auf. Zumindest nicht unter regulären Bedingungen, denn böiger Seitenwind kann schon mal spürbar in die vorn 51 Millimeter hohen Carbon-Felgen der Roval Rapide CLX III-Laufräder greifen. Das verlangt dann durchaus nach etwas Konzentration, stellte bei unseren Testfahrten in den Bergen, am Meer und im Stuttgarter Umland aber nie ein echtes Problem dar. So gut uns die Laufräder in der Fahrpraxis gefallen haben: Die Carbon-Speichen verlangen beim Transport Sorgfalt.

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Benjamin Zoeller

Kleine Wermutstropfen im Alltag: Wer sich an der roten Ampel in Stehübungen versucht, kann wegen des kurzen Radstands durchaus mit den Schuhspitzen am Vorderrad anstoßen. Und Fans breiterer Reifen wünschen sich womöglich mehr als maximal 32 Millimeter breite Pneus. Zum Vergleich: In den Leichtbau-Renner Aethos 2 von Specialized passen auch 35 Millimeter.

Streng genommen ist das aber Jammern auf hohem Niveau, denn auch die montierten 30-mm-Pneus mit Baumwollkarkasse schlucken so manche Vibration und der Rahmenkomfort am Heck ist ausgewogen und bewegt sich auf dem Niveau des Vorgängers. So trifft das S-Works Tarmac SL9 einen Sweet Spot aus Feedback von der Straße und Dämpfungskomfort. Der größte Störfaktor ist der Preis: Wie von Specialized gewohnt, muss man tief in die Tasche greifen, wenn der angesagte S-Works-Schriftzug auf dem Unterrohr prangen soll – 13 999 Euro werden für das Komplettrad, mindestens 5799 Euro für ein Rahmen-Set fällig: eine Menge Holz.

👍 Das gefällt

Das Fahrerlebnis als schneller Allrounder mit ausgewogener Sitzposition, geringem Gewicht und hohem Komfort.

👎 Das weniger

Die Reifenfreiheit von nur 32 mm, mögliche Berührung zwischen Schuh und Vorderrad, hoher Preis.

♥️ Das perfekte Rad für...

... alle, die ein sportliches Straßenrennrad mit dem Renommee eines Tour-de-France-Sieges suchen, sich technisch nur mit dem Besten zufrieden geben und den Preis nicht scheuen.

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Terbeck, Thomas

* Gesamtgewicht ohne Pedale

** Größe 56

Die AlternativenUnterhalb der hier getesteten S-Works-Version mit Fact12-Carbon – dem hochwertigsten Verbundwerkstoff von Specialized – gibt’s das Tarmac SL9 in verschiedenen Ausstattungsvarianten auch mit Fact10-Carbon, was den Rahmen in Größe 56 laut Hersteller 135 Gramm schwerer macht. Die neue S-Level-Produktlinie kombiniert den Fact10-Rahmen mit Shimano Dura-Ace Di2 oder Sram Red AXS – zwar mit One-Piece-Cockpit, aber mit Carbon-Laufrädern ohne Carbon-Speichen. Preis: 10 499 Euro. Das Tarmac Expert kommt ohne One-Piece-Cockpit mit einfacheren Carbon-Laufrädern und Shimano Ultegra Di2 oder Sram Force AXS für 6999 Euro. Das Tarmac Comp mit Alu-Laufrädern und Shimano 105 Di2 oder Sram Rival AXS gibt’s für 4499 Euro. Das S-Works-Fact12-Rahmen-Set kostet ab 5799 Euro.