Radsport: UCI-Regeländerungen 2026 im Überblick

Verändern die neuen Regeln den Radsport?
UCI-Regeln 2026: Technik unter Druck

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.01.2026
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Foto: Velo

Der Weltradsportverband UCI (Union Cycliste Internationale) hat für die Saison 2026 ein umfangreiches Paket an Regeländerungen beschlossen, das tief in die Technik moderner Rennräder und die Ausrüstung der Profis eingreift. Die neuen Vorgaben betreffen unter anderem Lenkergeometrien, Felgenhöhen, Rahmenmaße und Helme. Was auf den ersten Blick nach Detailarbeit klingt, hat weitreichende Folgen: für Teams, Fahrerinnen und Fahrer, aber auch für Hersteller, deren Serienmodelle sich oft an der UCI-Konformität orientieren. Die UCI begründet die Maßnahmen vor allem mit Sicherheitsaspekten und dem Ziel, extreme technische Auswüchse einzudämmen. Dennoch stoßen die Regeländerungen zu Technik und Equipment in der Branche und im Peloton auf teils deutliche Kritik.

Vorgaben der UCI zur Technik

Eine der zentralen Änderungen betrifft die Lenkerbreite. Ab dem 1. Januar 2026 müssen Lenker im Straßen- und Cyclocross-Rennbetrieb mindestens 400 Millimeter breit sein, gemessen von Außenseite zu Außenseite. Zusätzlich schreibt das Reglement einen maximalen Flare von 65 Millimetern sowie einen Mindestabstand von 280 Millimetern zwischen den Innenkanten der Bremshebel vor. Diese Vorgaben sind das Ergebnis längerer Diskussionen innerhalb der UCI, nachdem frühere Entwürfe noch strengere Messmethoden vorsahen. Mit den neuen Regeln sollen extrem schmale, stark auf Aerodynamik ausgelegte Positionen verhindert werden, die aus Sicht des Verbands sowohl Sicherheits- als auch Fairnessfragen aufwerfen.

Für viele Fahrer bedeutet das eine spürbare Umstellung. In den vergangenen Jahren hatten sich immer schmalere Lenker und stark ausgeprägte Flare-Formen durchgesetzt, weil sie aerodynamische Vorteile versprachen. Kritiker der neuen Regel argumentieren, dass insbesondere kleinere Fahrerinnen und Fahrer benachteiligt werden könnten, da für sie ergonomisch passende, schmalere Lenker künftig nicht mehr zulässig sind. Auch Hersteller stehen vor Anpassungen, denn UCI-konforme Geometrien gelten im Markt häufig als Maßstab – selbst für Räder, die nie ein Profirennen sehen werden.

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Velo

Nicht weniger kontrovers ist die neue Begrenzung der Felgenhöhe. Für Massenstart-Rennen legt die UCI eine maximale Felgenhöhe von 65 Millimetern fest. Hohe Carbonfelgen sind seit Jahren ein fester Bestandteil des Profiradsports, weil sie aerodynamische Vorteile bieten. Gleichzeitig können sie bei starkem Seitenwind schwieriger zu kontrollieren sein. Die UCI sieht in der Begrenzung einen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit. Aus der Industrie kommt jedoch Widerspruch: Hersteller verweisen darauf, dass auch moderne, hohe Felgenkonstruktionen stabil und berechenbar sein können, und fordern differenziertere, datenbasierte Sicherheitskriterien.

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Velo

Auch am Rahmen selbst setzt die UCI neue Grenzen. Ab 2026 wird der maximale Abstand zwischen den Innenkanten der Gabelbeine auf 115 Millimeter begrenzt, bei den Sitzstreben sind es höchstens 145 Millimeter. Diese Maße sollen verhindern, dass extrem breite Formen eingesetzt werden, die vor allem aerodynamische Vorteile bringen. Ziel ist es, die Entwicklung sehr spezieller, nur auf den Profibereich zugeschnittener Rahmen einzudämmen und das Material wieder näher an allgemein nutzbare Geometrien heranzuführen.

Agron Beqiri

Eine ursprünglich geplante Einschränkung der Übersetzungsverhältnisse wurde hingegen vorerst zurückgestellt. Die UCI hatte erwogen, das maximale Übersetzungsverhältnis auf 54×11 Zähne zu begrenzen. Diese Regel hätte insbesondere Teams betroffen, die mit sehr kleinen Ritzeln, etwa 10-Zahn-Kassetten, fahren. Nach Einsprüchen sowohl von Sram, die hauptsächlich von der Neuregulierung betroffen wären, als auch von diversen Teams, wurde der Punkt zunächst aus dem Regelwerk genommen. Ob er zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen wird, ist offen.

Equipment ebenfalls betroffen

Neben der Fahrradtechnik selbst rücken auch Helme stärker in den Fokus. Die UCI definiert ab 2026 klarere Anforderungen für Straßen- und Cyclocross-Helme. Diese müssen mindestens drei Belüftungsöffnungen besitzen, dürfen keine Ohrabdeckungen und keine integrierten Visiere haben. Damit soll eine klare Trennung zu Zeitfahr-Helmen geschaffen werden. Hintergrund ist die zunehmende Vermischung von Aero- und Straßenhelmen, die zwar aerodynamische Vorteile bringt, aus Sicht des Verbands aber nicht immer den gewünschten Sicherheitsstandards entspricht.

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AFP

Für die Helmhersteller bedeuten diese Vorgaben eine klare Weichenstellung. In den vergangenen Jahren waren viele Modelle darauf ausgelegt, möglichst aerodynamisch zu sein, selbst im klassischen Straßenrennsport. Die neuen Regeln könnten dazu führen, dass stärker belüftete, klassischere Designs wieder an Bedeutung gewinnen. Auch hier zeigt sich der Zielkonflikt zwischen Aerodynamik, Komfort und Sicherheit, den die UCI nun klar zugunsten definierter Standards auflöst.

Neues Punktesystem der UCI

Über die Technik hinaus plant die UCI zudem strukturelle Änderungen. Ab 2027 soll ein neues Punktesystem eingeführt werden, bei dem Leistungen in anderen Disziplinen wie Cyclocross, Bahn oder Mountainbike stärker in die Teamwertung einfließen. Damit will der Verband multidisziplinäre Athleten aufwerten und Teams belohnen, die über den reinen Straßenradsport hinaus erfolgreich sind. Auch wenn diese Änderung nicht direkt die Technik betrifft, zeigt sie die breitere strategische Ausrichtung der UCI.

Die Reaktionen auf das Regelpaket fallen entsprechend gemischt aus. Während einige Beobachter die stärkere Fokussierung auf Sicherheit begrüßen, warnen andere vor einer Überregulierung. Besonders die pauschalen Maße für Lenker und Felgen stehen in der Kritik, weil sie individuelle Ergonomie und innovative Lösungen einschränken könnten. Branchenvertreter sprechen teils von diskriminierenden Effekten, vor allem für kleinere Athletinnen und Athleten.

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Universal Images Group Editorial

Die UCI selbst verweist darauf, dass viele Entscheidungen auf Empfehlungen unabhängiger Sicherheitsgremien wie SafeR beruhen. Angesichts steigender Durchschnittsgeschwindigkeiten und immer leistungsfähigerer Technik sieht der Verband Handlungsbedarf, um das Risiko schwerer Unfälle zu begrenzen. Die neuen Regeln sollen dabei einen Rahmen setzen, der Sicherheit und Chancengleichheit gewährleistet.

Was ist SafeR?SafeR ist eine Initiative der UCI, Rennveranstalter, Teams und Fahrerverbände, die die Sicherheit im Profiradsport systematisch verbessert. Das Programm analysiert Rennrisiken, wertet Vorfälle aus und gibt Empfehlungen zu Strecken, Trainings und Renntechnik. Mit GPS-Tracking, Datenanalysen und gezielten Sicherheitschecks unterstützt SafeR Fahrer:innen und Teams dabei, gefährliche Situationen früh zu erkennen und Unfälle zu verhindern. Die UCI ist in die Governance von SafeR eingebunden und sorgt dafür, dass die gewonnenen Erkenntnisse direkt in Regelwerke und Rennorganisation einfließen. SafeR gilt damit als zentraler Baustein moderner Sicherheitsstrategien im Profiradsport.

Ob dieses Ziel erreicht wird, wird sich erst im Rennalltag zeigen. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Regeländerungen für 2026 greifen tief in den modernen Radsport ein und werden die Entwicklung von Rädern und Komponenten nachhaltig beeinflussen. Für Profis, Hersteller und ambitionierte Amateure beginnt damit eine Phase der Anpassung – mit offenem Ausgang, aber klaren Vorgaben.