Immer mehr Knochenbrüche: Soll dieser Airbag-Anzug die Lösung im Radsport sein?

Für mehr Sicherheit im Radsport
Aufgeblasen: Der neue Airbag-Anzug von Van Rysel

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.04.2026
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Foto: Van Rysel

Aufgeblasen statt gebrochen? Van Rysel will mit integriertem Airbag den Radsport revolutionieren

Leider gehören Stürze zum Radsport wie die Kette zum Ritzel, doch die Folgen werden immer gravierender. Angesichts steigender Geschwindigkeiten im Profi-Peloton und erschreckender Verletzungsstatistiken – laut Van Rysel erleiden rund 20 % der Profis pro Saison Knochenbrüche – scheint die Lücke zwischen Performance und Sicherheit größer denn je. Decathlons Performance-Marke Van Rysel will das nicht länger hinnehmen und hat mit dem "Projekt Airbag" einen voll-integrierten Airbag-Skinsuit vorgestellt, der den Spagat zwischen Schutz und Aerodynamik meistern soll.

Anders als klobige Westen oder zusätzliche Systeme, die man unter dem Trikot trägt, sei dieser Airbag von Grund auf in einen renntauglichen Skinsuit eingearbeitet. Die Vision sei klar: Der Fahrer solle sich mit oder ohne Airbag-System exakt gleich fühlen. Ein ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass hier zusätzliche Technik ins Spiel kommt.

Kurz & knapp: Van Rysel Projekt Airbag

  • Produkt: Vollintegrierter Airbag-Skinsuit für den Straßenradsport
  • Technologie-Partner: In&motion (Airbag), Swiss Side (Aerodynamik)
  • Auslösezeit: 60 Millisekunden
  • Schutzzonen: Brustkorb/Rippen, Hals (Stabilisierung), Wirbelsäule
  • Zielgewicht: ca. 700 g (Anzug gesamt), davon ca. 500 g für das Airbag-System
  • Status: Funktionsfähiger Prototyp in der finalen Testphase mit Profi-Teams
  • Verfügbarkeit für Endkunden: Geplant innerhalb der nächsten zwei Jahre

MotoGP-Technik für die Landstraße

Für die technische Umsetzung hat sich Van Rysel mit dem französischen Spezialisten In&motion zusammengetan, dessen Technologie bereits in der MotoGP etabliert und sogar vorgeschrieben ist. Das System im Radanzug solle in nur 60 Millisekunden auslösen und dabei die kritischen Zonen des Oberkörpers schützen: Brustkorb und Rippen, den Halsbereich zur Stabilisierung und die gesamte Wirbelsäulenlinie. Ein Algorithmus, der mit Daten aus über 450 Millionen Kilometern gefüttert worden sei, analysiere die Fahrdynamik bis zu 1000 Mal pro Sekunde. Er solle in der Lage sein, einen echten Sturz von einer normalen Rennsituation, wie dem Überfahren von Kopfsteinpflaster, zu unterscheiden.

Die große Herausforderung für die Ingenieure sei gewesen, das System an die spezifischen Bedürfnisse des Radsports anzupassen, erklärt Van Rysel. Während ein Airbag-System in der MotoGP gut und gerne ein Kilogramm wiegen kann, strebe Van Rysel für den kompletten Anzug ein Zielgewicht von rund 700 Gramm an, wovon das Airbag-System selbst etwa 500 Gramm ausmachen würde.

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Van Rysel

"Hinter jeder Startnummer steht ein Mensch, und leider ist es immer noch weit verbreitet, dass ein Fahrer oder eine Fahrerin durch einen Sturz in Sekundenbruchteilen alles verlieren kann. Bei VAN RYSEL wollen wir diese Tatsache nicht länger hinnehmen. Was vor 20 Jahren die Helme waren, kann unserer Meinung nach heute der AIRBAG sein, aber jetzt blicken wir über den Kopf hinaus – wir müssen so viel wie möglich vom Körper schützen." – Jocelyn Bar, Produktmanagerin Van Rysel

Keine Kompromisse bei Aero und Kühlung?

Ein zusätzliches System im Anzug wirft unweigerlich Fragen zur Aerodynamik und Thermoregulierung auf – zwei entscheidende Faktoren im Spitzensport. Hier habe man sich die Expertise der Aero-Spezialisten von Swiss Side geholt. Durch Windkanaltests und CFD-Simulationen wolle man sicherstellen, dass der Anzug die Performance eines traditionellen WorldTour-Skinsuits erreiche. Auch bei der Wärmeableitung verspricht der Hersteller, dass der Airbag-Anzug auf dem Niveau eines herkömmlichen Rennanzugs liegen solle. Ob diese Versprechen in der Hitze eines Sommerrennens halten, wird die Praxis zeigen müssen.

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Van Rysel

Der aktuelle Prototyp sei bereits voll funktionsfähig und befinde sich in der finalen Testphase mit den Profis der Teams Decathlon CMA CGM und Van Rysel Roubaix. Wenn diese Validierung erfolgreich verläuft, könnte der Anzug möglicherweise bald im Peloton zu sehen sein.

Verfügbarkeit

Van Rysel plant, die Airbag-Technologie innerhalb der nächsten zwei Jahre für Endkunden verfügbar zu machen. Die langfristige Vision der Marke sei es, den Airbag-Schutz im nächsten Jahrzehnt als neuen Sicherheitsstandard zu etablieren – ähnlich wie es der Helm vor Jahrzehnten geschafft hat. Ein hehres Ziel, das den Radsport fundamental sicherer machen könnte.