Syntace-Insolvenz: Syntace gerettet durch SL International

Zukunft für Syntace dank SL International
Syntace gerettet: SL International übernimmt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.01.2026
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Syntace GmbH Tacherting Zentrale Gebäude
Foto: Syntace GmbH

Die insolvente Syntace GmbH bekommt eine neue Zukunft: Zum Jahreswechsel hat die SL International GmbH den Geschäftsbetrieb des traditionsreichen Komponenten- und Bikeherstellers übernommen. Ein Großteil der Arbeitsplätze bleibt erhalten, Firmengründer Jochen "Jo" Klieber unterstützt das Unternehmen weiterhin in technischer Funktion.

Damit endet eine Phase der Unsicherheit für eine der prägendsten Marken der deutschen Bike-Geschichte. Syntace, 1990 von Jo Klieber gegründet, galt über Jahrzehnte als Innovationsmotor der Branche. Produkte wie der legendäre Vector-Lenker, die X-12-Steckachse oder die konsequent auf Steifigkeit und Sicherheit ausgelegten Vorbauten und Stützen setzten Maßstäbe. Später folgte mit der Marke Liteville der Einstieg in den Rahmen- und Bikebau – ebenfalls mit starkem Fokus auf Technik, Haltbarkeit und Ingenieursdenken "Made in Germany".

Insolvenz nach schwierigen Jahren

Wie viele andere Unternehmen der Fahrradbranche geriet auch Syntace in den vergangenen Jahren unter Druck. Nach dem Boom während der Corona-Jahre kühlte der Markt spürbar ab: volle Lager, zurückhaltende Konsumenten, steigende Kosten. Die Insolvenz kam für Branchenkenner nicht völlig überraschend, traf die Szene aber dennoch – schließlich steht Syntace wie kaum eine andere Marke für technische Seriosität und kompromisslose Qualität.

Mit der Übernahme durch SL International ist nun zumindest der Fortbestand gesichert. Der operative Geschäftsbetrieb wird weitergeführt, viele Mitarbeiter können bleiben. Für Kunden und Händler bedeutet das vor allem: Service, Ersatzteile und technisches Know-how bleiben verfügbar.

Klieber bleibt an Bord

Besonders wichtig für die Identität der Marke: Gründer Jo Klieber bleibt dem Unternehmen in technischer Funktion verbunden. Damit bleibt auch der konstruktive Geist erhalten, der Syntace über Jahrzehnte geprägt hat – vom penibel getesteten Bauteil bis zur oft eigenwilligen, aber stets durchdachten Lösung.

Wie stark sich Syntace unter dem neuen Dach strategisch neu ausrichten wird, ist aktuell noch offen. Klar ist jedoch: Name, technisches Erbe und Entwicklungskompetenz bleiben – und damit die Chance, dass Syntace auch künftig eine relevante Rolle im Premiumsegment spielt.

Ein Hoffnungssignal für die Branche

Die Rettung von Syntace ist auch ein positives Signal in einer Zeit, in der viele Traditionsmarken unter Druck stehen oder ganz vom Markt verschwinden. Sie zeigt: Ingenieursleistung und eine starke Marke können auch in schwierigen Zeiten überzeugen.

Für Fans der Marke ist dies das Signal, dass sich Syntace und Klieber nun wieder auf das Wesentliche konzentrieren können: technisch eigenständige, kompromisslose Produkte für anspruchsvolle Bikerinnen und Biker zu entwickeln.

Was davor geschah: Insolvenz von Syntace

2022 hatte Gründer und Technik-Visionär Jo Klieber 70 Prozent der Syntace GmbH an den Pierer-Konzern verkauft – in der Hoffnung auf Entwicklungspower für die neue E-Antriebssparte und eine langfristige finanzielle Stabilität. Er blieb zwar Gesellschafter, konnte jedoch weitgehend nicht mehr ins operative Geschäft eingreifen.

Der Pierer Konzern hatte damals mehrere Radmarken gekauft, darunter Felt, Husqvarna, Gas Gas und R-Raymon. Aber die gedämpfte Konsumstimmung nach den Corona-Boomjahren machte dem Konzern zu schaffen. Entscheidend war offenbar auch, dass die Sportmotorradmarke KTM in Schieflage geriet und im November 2024 Insolvenz anmelden musste.

Bereits seit Anfang 2025 liefen Restrukturierungsmaßnahmen für die Syntace GmbH, die nach Unternehmensangaben spürbare Fortschritte zeigten. Gleichzeitig befanden sich die Gespräche mit einem Investor in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Ziel war es, beide Marken zu erhalten. Der Geschäftsbetrieb blieb dabei vollständig bestehen. Bestellungen über den Online-Shop wurden weiterhin regulär abgewickelt.

In unserem exklusiven Interview vom November 2025 spricht Gründer Jo Klieber darüber, wie es zu der Krise kam.

Das komplette Interview mit Jo Klieber liest du hier.

Jo Klieber Syntace GmbH
Jo Klieber
Gründer Syntace GmbH

MOUNTAINBIKE: Du bist Gründer von Syntace und Liteville. Inwieweit bist du aktuell im operativen Geschäft aktiv?

Ich halte 30 Prozent der Anteile und bin weiterhin Geschäftsführer – allerdings als Minderheitsgeschäftsführer. Zwei weitere Geschäftsführer wurden vom Pierer Konzern eingesetzt und vertreten hier die Mehrheitsanteile der Syntace GmbH.

Wie kam es zu den finanziellen Engpässen und letztlich zur Insolvenz?

Seit September 2022 hält der Pierer Konzern – also der bisherige Eigentümer von KTM – 70 Prozent der Anteile an der Syntace GmbH. Ich selbst bin, wie gesagt, weiterhin Geschäftsführer, allerdings mit nur einer Stimme, während die zwei Geschäftsführer entscheiden. Anfangs habe ich mich sehr gefreut, mit einem technisch so kompetenten und im Sport so engagierten Partner zusammenzuarbeiten, der zudem direkt vor unserer Haustür sitzt.
Leider ist aus meiner Sicht nicht alles so verlaufen, wie es geplant war. Ich bedauere sehr, dass Zusagen im weiteren Verlauf nicht eingehalten wurden. Schließ- lich wurde jetzt für die Syntace GmbH von den vom Pierer Konzern eingesetzten Geschäftsführern Insolvenz angemeldet.

Wie verlaufen die Gespräche mit neuen Investoren, kannst du dazu schon etwas sagen?

Ja, zumindest so viel: Es gibt Gespräche mit einem technisch äußerst kompetenten Investor. Ich bin zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres eine tolle Lösung gefunden wird.

Wie wichtig ist es, dass Gründer wieder selbst das Ruder übernehmen?

Wenn Gründer oder Besitzer wirklich fähig, fleißig, bescheiden handeln – und damit handfeste Werte für die Endkunden schaffen –, dann sind sie unverzichtbar. Wenn das nicht der Fall ist, sollten sie am besten gestern den Weg freimachen.

Die Bike-Branche steckt immer noch in der Krise. Wird sie bald überwunden sein?

Die aktuelle Situation ist nicht strukturell, sondern im Wesentlichen hausgemacht – durch Corona und durch Gier. Ich bin überzeugt, dass sich das in einem guten Jahr genauso schnell wieder in Luft auflösen wird, wie es vor zwei Jahren überraschend schnell eskaliert ist. Fahrradfahren macht – vor allem durch den E-Antrieb – mehr Menschen denn je Spaß! Abgesehen von Bereichen wie Microchips, Medizin/Pharma sowie Rüstung gehört die Fahrrad- und Leichtmobilitätsbranche für mich zu den vier klaren Gewinnerindustrien der Zukunft.

Wie wichtig sind Innovationen, um aus dieser Krise wieder herauszukommen?

Innovation ist entscheidend. Über Innovationen haben wir als Hersteller – und auch als Konsumenten – selbst in der Hand, wie viel Spaß Fahrradfahren macht. Und: Auch sehr vernünftige Menschen tun auf Dauer nur das, was ihnen wirklich Spaß macht.

Gibt es von deiner Seite schon neue Entwicklungen, die du in Arbeit hast?

Man lebt von dem, was man nach vorne macht – nicht von dem, was man nach hinten jammert.
Wir haben in der Entwicklung große Fortschritte gemacht: Mit K.I.S. 2.0 kommt eine teilintegrierte Lösung, die in Verbindung mit dem neuen Push 222 SpeedGravel das wohl beste Gravelbike-System der Welt bietet. Außerdem haben wir einen neuen Bike-Ständer namens Paxx entwickelt, der Arbeiten am Bike, Verstauen und Transportieren leicht macht wie noch nie. Und wir haben eine neuartige Drivetrain-Lösung, die sich gewaschen hat. All diese Patente halte ich mit der Jo Klieber GmbH – ebenso wie die von Syntace und Liteville verwendeten.

Was steckt hinter der Jo Klieber GmbH?

Die Jo Klieber GmbH ist eine eigenständige Firma, die relevante Patente hält und nun aktuelle Produkte wie das Push 222 Renn-Gravelbike anbietet. Mit K.I.S. 2.0 haben wir eine spannende Innovation, die auch für alle Liteville-Bikes nachrüstbar sein wird. Mir ist wichtig zu betonen, dass die Jo Klieber GmbH nicht in einer Insolvenz ist. Ein besonderes Anliegen als Syntace-Gründer und -Fahrer ist mir, dass wir mit der Jo Klieber GmbH – gemeinsam mit dem engagierten Team der Syntace GmbH – allen Liteville- und Syntace-Fahrern immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Bei uns in Tacherting wie auch im neuen Rotwild-Testzentrum in Torbole seid ihr weiterhin herzlich willkommen und kompetent versorgt.