Der Mountainbike-Markt bleibt in Bewegung – technisch, wirtschaftlich und kulturell. Nach Boomjahren, Lieferkettenkrisen und Preisverfall steht 2026 ganz im Zeichen der Neuordnung. Welche Trends sich abzeichnen, welche Kategorien unter Druck geraten und wo echte Innovation zu erwarten ist, zeigt ein Blick in die Glaskugel.
Kurz & knapp: Trends 2026
Im Jahr 2026 stehen Mountainbikes vor spannenden Neuerungen. Neben leistungsstärkeren E-MTBs, die immer mehr zum Standard in der Branche werden, erwarten uns auch eine Weiterentwicklung im Bereich Laufradgrößen und Geometrie. Besonders interessant wird die 32-Zoll-Laufradgröße, die voraussichtlich im Cross-Country (XC) Bereich verstärkt Einzug hält. Hier geht es um besseres Überrollverhalten und mehr Stabilität, was vor allem für größere Fahrer auf schnellen Strecken von Vorteil ist. Gleichzeitig wird der Trend zu leichteren, vielseitigen Bikes stärker – XC-Bikes werden immer mehr zu Downcountry-Bikes, die sowohl bergauf effizient als auch bergab souverän sind. Auch die Integration von Motoren und smarter Software im Bereich der E-MTBs wird weiter voranschreiten.
Das 32-Zoll-Laufrad hat sich lange als Gerücht gehalten, aber 2026 könnte es endlich ernst werden. Vor allem im XC-Rennsport könnte das größere Laufradformat eine Schlüsselrolle spielen, um die Leistung und das Überrollverhalten zu verbessern. Größere Laufräder bieten mehr Stabilität und eine bessere Fahrgeschwindigkeit auf schnellen, laufruhigen Strecken. Besonders große Fahrer oder solche, die bei langen Rennen ein flüssigeres Fahrgefühl suchen, könnten von diesem Format profitieren. Allerdings gibt es auch Herausforderungen, insbesondere das zusätzliche Gewicht und die komplexere Rahmenkonstruktion. Ein massenhafter Durchbruch des 32-Zoll-Formats ist derzeit noch nicht zu erwarten, aber erste selektive Einsätze in XC-Rennen könnten die Entwicklung anstoßen.
Klassische Trailbikes ohne Motor verlieren zunehmend an Popularität, besonders im Segment von 140 mm Federweg. Diese Bikes haben mit der wachsenden Dominanz von E-MTBs und der Weiterentwicklung von XC-Fullys zu kämpfen. Moderne E-MTBs decken viele der Einsatzgebiete von Trailbikes ab, bieten aber zusätzlich den Vorteil eines Motors, der anstrengende Anstiege erleichtert. Zudem gibt es immer mehr XC-Fullys mit bergab-tauglicher Geometrie, die die Lücke zu den Trailbikes schließen. Die Zukunft von klassischen Trailbikes sieht daher eher düster aus, es sei denn, sie bieten außergewöhnliche Leichtbau-Konzepte oder besondere Fahrdynamik für eine Nischenzielgruppe.
2026 wird der E-MTB-Markt von immer leistungsfähigeren und effizienteren Antriebssystemen dominiert. Besonders wichtig werden die Weiterentwicklungen der Bosch Performance Line CX und DJI-Motoren sein, die den Markt mit innovativen Technologien und wettbewerbsfähigen Preisen aufmischen. Ein gutes E-MTB wird nicht nur einen starken Motor und langfristige Akkulaufzeiten bieten, sondern auch eine smarte Integration von Software und kompatiblen Displays, um die Fahrdynamik zu verbessern. Neben der Motorleistung spielt auch die Geometrie eine wichtige Rolle, da sich moderne E-MTBs durch eine größere Vielseitigkeit und trailtauglichere Eigenschaften auszeichnen. Ein gutes E-MTB für 2026 wird auch auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit setzen.
Der Trend zu E-Enduros und Parkbikes wird 2026 weiter wachsen. Diese Bikes bieten nicht nur eine überlegene Abfahrtsperformance, sondern eignen sich auch hervorragend für den Einsatz in Bikeparks, die weiterhin an Beliebtheit gewinnen. E-Enduros bieten die Möglichkeit, sich ohne lange Anstiege einfach und schnell in den Bikepark zu bringen, was mehr Zeit für den Fahrspaß auf den Abfahrten bedeutet. Modelle wie das Transition Bottlerocket oder das Propain Spindrift sind robuste, langhubige E-Bikes, die speziell für den harten Einsatz in Bikeparks entwickelt wurden. Der Vorteil von E-Parkbikes ist, dass sie eine starke Abfahrtsperformance bieten und gleichzeitig den Vorteil eines Motors haben, um den Fahrspaß zu maximieren, ohne in langen Aufstiegen viel Energie zu verlieren.
Trend 2026/27: Kommt 32‑Zoll ins XC‑Racing?

Sind 32"-Laufräder der nächste große Wurf?
Vorolympische Saisons gelten traditionell als Innovationsbeschleuniger im Cross-Country-Segment – und auch 2026 dürfte dieses Muster greifen. Viele Hersteller nutzen das Jahr vor den Spielen, um ihre sportlichen Flaggschiffe zu erneuern oder zumindest gezielt weiterzuentwickeln. Modelle wie das Scott Spark oder das Santa Cruz Blur wären turnusgemäß reif für ein Update – sei es bei der Kinematik, beim Gewicht oder bei der Integration. Mindestens ebenso spannend wie klassische Modellpflege ist jedoch die Frage nach dem nächsten Technologiesprung: Erlebt das 32-Zoll-Laufrad 2026 seinen ersten ernsthaften Auftritt im XC-Weltcup?
Nach Jahren der Gerüchte, vereinzelter Prototypen und Testfahrten im Hintergrund könnte das größere Laufradmaß erstmals selektiv im Rennbetrieb auftauchen – vermutlich bei sehr großen Fahrern und auf schnellen, laufruhigen Strecken. Die Vorteile liegen auf der Hand: besseres Überrollverhalten, mehr Stabilität, höhere Geschwindigkeit. Dem stehen jedoch weiterhin Gewicht, Trägheit und die anspruchsvolle Rahmenkonstruktion gegenüber.
Ein flächendeckender Durchbruch ist kurzfristig nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist ein vorsichtiges Herantasten – mit viel Entwicklungsarbeit hinter den Kulissen. Parallel dazu setzt sich ein anderer Trend fort: XC-Bikes werden vielseitiger. Flachere Lenkwinkel, längere Reach-Werte und mehr Reserven bergab machen moderne XC-Fullys immer trailtauglicher, ohne ihre Effizienz einzubüßen. Downcountry bleibt kein Marketingbegriff, sondern wird gelebte Realität.
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Welche E‑MTB‑Motoren prägen 2026?

E-MTBs sind und bleiben marktdominierend.
Kaum ein Segment ist derzeit so dynamisch wie der E-MTB-Antriebsmarkt. Bosch spürt den Druck wie selten zuvor. Der Markteintritt von DJI hat gezeigt, dass neue Player nicht nur leistungsfähig auftreten, sondern auch preislich neue Maßstäbe setzen können. Branchenintern wird seit Monaten über einen neuen Performance-Line-CX-Motor spekuliert. Leichter, kompakter, effizienter – und möglicherweise mit neuen Features wie erweiterten Softwarefunktionen, überarbeiteten Displays oder gar einer Schnelllade-Option. Bosch wird nachlegen müssen, nicht aus Prestigegründen, sondern um seine dominante Marktposition zu verteidigen.
Gleichzeitig deutet vieles auf eine Marktbereinigung hin. Antriebe wie Brose spielen im OEM-Geschäft nur noch eine Nebenrolle und erreichen vielfach nicht mehr die nötigen Stückzahlen, um wirtschaftlich attraktiv zu bleiben. Dass selbst Schwergewicht Porsche sein eigenes E-Bike-Projekt eingestellt hat, unterstreicht, wie margenkritisch und hart umkämpft dieser Markt inzwischen ist. Auch Shimano steht unter Beobachtung: Ein größerer Technologiesprung im EP-Segment wäre dringend nötig, um nicht zwischen Bosch und DJI an Relevanz zu verlieren.
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Warum Trailbikes ohne Motor aus dem Markt fallen

Trailbikes gelten mittlerweile als Ladenhüter.
Die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nur noch rund drei Prozent der in Deutschland verkauften Mountainbikes kommen ohne Motor. Besonders hart trifft es klassische Trailbikes mit etwa 140 mm Federweg vorne. Im Handel gelten sie zunehmend als Ladenhüter. Modelle wie das Santa Cruz Tallboy, das Canyon Neuron oder vergleichbare Konzepte stehen sinnbildlich für eine Kategorie, deren Zukunft wirtschaftlich immer fragwürdiger wird. Für viele Hersteller lohnt sich eine Neuentwicklung schlicht nicht mehr.
Der Druck kommt von zwei Seiten. Einerseits von immer leichteren und leistungsfähigeren E-MTBs, die den klassischen Trailbike-Einsatzbereich nahezu vollständig abdecken. Andererseits von hochpotenten XC-Fullys, die längst im Trail-Segment wildern. Bikes wie das Lux Trail, das Specialized Epic EVO oder das Rocky Mountain Element sind bergab so souverän wie Trailbikes früherer Generationen – und bergauf ohnehin effizienter.
Das Mehrgewicht eines klassischen Trailbikes ohne Motor wirkt vor diesem Hintergrund kaum noch attraktiv. Das neue Credo vieler Marken lautet daher: eine Plattform, zwei Welten. Leichte XC-Bikes mit Trail-DNA statt schwerer Allrounder ohne klaren Einsatzzweck. Eine Überlebenschance bleibt dieser Kategorie dennoch: stark gewichtsoptimierte Konzepte unter 12 Kilogramm, sehr verspielte Geometrien oder eine bewusste Nischenpositionierung jenseits des Mainstreams.
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Sind günstige DJI‑E‑MTBs der neue Markttrend?

DJI macht Branchenprimus Bosch weiter Druck.
Mit Marken wie Crussis oder Steppenwolf sind bereits erste vergleichsweise günstige Carbon-E-MTBs rund um die 5.000-Euro-Marke auf dem Markt. Für 2026 ist davon auszugehen, dass diese Preisgrenze weiter nach unten verschoben wird – vor allem durch Aluminium-Modelle. Möglich macht das der aggressive Kampfpreis, den DJI für sein Motorensystem aufruft. Während DJI laut Branchenkreisen zu den günstigsten Motorenlieferanten zählt, gilt Bosch als teuerster Zulieferer unter den großen Playern. Für viele Hersteller ist das ein entscheidender Hebel, um wieder wettbewerbsfähige Einstiegspreise anbieten zu können.
Offen bleibt, wie schnell Handel und Endkunden Vertrauen zur neuen Marke aufbauen. Themen wie Service-Netz, Ersatzteilverfügbarkeit und Langzeiterfahrung werden darüber entscheiden, ob DJI mehr als nur ein kurzfristiger Preistreiber wird.
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Neue Federelemente: Evolution im Jahresrhythmus

Go for gold: Das Entwicklungstempo bleibt auf Wettkampf-Niveau.
Stillstand ist bei Fahrwerksherstellern weiterhin kein Thema. Fox und RockShox halten das Entwicklungstempo hoch und präsentieren beinahe im Jahresrhythmus neue Kartuschen, überarbeitete Castings oder Detailverbesserungen. Zuletzt sorgte eine mutmaßlich neue RockShox Boxxer für Aufsehen, die auf Online-Marktplätzen gesichtet wurde und ein neuartiges Luftkammer-Design vermuten lässt. Parallel dazu tauchten im Enduro-Weltcup Hinweise auf eine überarbeitete Fox 38 auf. Spannend bleibt auch die Zukunft der spektakulären Fox-Podium-Upside-Down-Gabel. Denkbar sind sowohl ein kurzhubigeres Modell als auch eine preislich zugänglichere Variante, die den Sprung aus dem High-End-Nischenprodukt schafft.
Der übergeordnete Trend: mehr Einstellbarkeit, sensibleres Ansprechverhalten – und gleichzeitig ein einfacheres Grundsetup für Fahrer, die nicht jedes Wochenende mit Dämpferpumpe und Shim-Stacks experimentieren wollen.
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Warum E‑Enduros & Parkbikes 2026 beliebter werden

Ballerbuben mit viel Federweg mischen den Markt auf.
Mit leistungsfähigeren Federelementen wächst auch der Mut zu immer langhubigeren Konzepten. E-Enduros und Parkbikes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, nicht zuletzt, weil sie den Fokus klar auf Abfahrtsperformance und Fahrspaß legen. Modelle wie das Transition Bottlerocket oder das Propain Spindrift stehen exemplarisch für diesen Trend: robust, kompromisslos, park- und shuttle-tauglich. Der Bikepark gewinnt für viele Fahrer an Bedeutung, während der klassische Tourengedanke in den Hintergrund rückt.
Gerade E-Parkbikes könnten 2026 stärker in den Fokus rücken – als Ersatz für Zweitbikes und als Antwort auf volle Liftanlagen, bei denen zusätzliche Abfahrten ohne Wartezeit plötzlich besonders attraktiv werden.
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Stirbt das Enduro-Racing?

Die EDR könnte ein Reglement-Facelift gebrauchen.
Ein Blick auf die Meldelisten wirft Fragen auf: Nur elf Profiteams wurden für den Enduro World Cup (EDR) gemeldet. Die einstige Königsdisziplin des Mountainbikens scheint an Strahlkraft zu verlieren. Gut möglich, dass das Schicksal der bereits eingestellten E-EDR auch der klassischen EDR droht. Sollte das passieren, verlöre der Enduro-Sport sein internationales Aushängeschild – mit unklaren Folgen für Nachwuchsarbeit, Sponsoreninteresse und mediale Sichtbarkeit.
Zuschauerfreundlichere Gravity-Formate mit kürzeren, klarer strukturierten Rennen könnten langfristig attraktiver sein als ganztägige Enduro-Wettkämpfe mit komplexem Reglement.
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Negativtrend 2026: Markensterben und Konsolidierung?

Die Lage vieler Hersteller bleibt angespannt.
Die wirtschaftliche Lage der Fahrradbranche bleibt angespannt. Übervolle Lager, aggressive Rabattschlachten und anhaltende Konsumzurückhaltung setzen selbst große Player unter Druck. Konzerne wie die Accell Group oder auch Canyon sind bereits von Einsparmaßnahmen und Entlassungen betroffen. Für kleinere Hersteller wird die Luft zunehmend dünn. 2026 könnte das Jahr werden, in dem erste Marken vom Markt verschwinden oder in größere Strukturen integriert werden. Konsolidierung statt Expansion lautet die neue Realität.
Die besten Überlebenschancen haben Marken mit klarer Positionierung, direktem Kundenkontakt, schlanken Strukturen – und dem Mut, nicht jedem Trend hinterherzulaufen.





