Cyclingworld Europe 2024: das waren die Höhepunkte

Cycling Word 2024: Die spannendsten Produkte der Radmesse
Meine persönliche Top Ten der Cycling World

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.03.2024
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Cyclingworld,Lenyard
Foto: Thomas Terbeck

Dieses Wochenende gaben sich zahlreiche Aussteller ein Stelldichein auf der Cyclingworld Europe 2024 in Düsseldorf. In beeindruckender Kulisse der alten Industriehallen des Areal Böhler zeigten bunt durcheinandergewürfelt zahlreiche Marken ihr Portfolio dem interessierten Publikum. Dazu konnten unzählige Fahrräder, ob mit oder ohne Motor, auf dem Außengelände in der sogenannten "Demo World" auf Herz und Nieren getestet werden. Außerdem gab es ein großes Rahmenprogramm mit diversen Ausfahrten und Rennveranstaltungen wie dem Cyclocross-Rennen oder dem Fixed Gear Crit. 25000 Besucher nahmen das Angebot an, über 10000 Testfahrten wurden absolviert. Beeindruckende Zahlen.

BikeX war vor Ort und wir haben uns ein Bild von außergewöhnlichen und spannenden Produkten machen können. Diese stellen wir dir hier vor.

Orbea Diem

Erstmalig fanden quasi zwei Weltpremieren gleichzeitig statt. Zum einen wurde zum ersten Mal auf der Cyclingworld eine Fahrrad-Weltneuheit gezeigt. Und zum anderen war es die baskische Firma Orbea, die eigens einen separaten Raum gebucht hat, um das neue Urban E-Bike Diem vorzustellen.

Minimalismus in einem modernen Kleid, so könnte das Bike beschrieben werden. Auffällig ist der Trapezrahmen, der mit einem ungewöhnlichen Detail aufwartet und als "Diamond-Glide-Rahmen" patentiert wurde. Das Sitzrohr verläuft nicht in einer Linie nach unten, sondern knickt kurz vor Erreichen des Motors etwas ab und verbindet sich weiter vorn oberhalb des Motors mit dem Unterrohr. Sehr weit unten sind die Sitzstreben angesetzt, die am Knotenpunkt von Sitz- und Oberrohr aufeinandertreffen. Ja, ungewöhnlich, in der Ausführung jedoch äußerst modern aussehend. Sinn und Zweck ist es, den Komfort zu verbessern und Schläge deutlich zu reduzieren.

Dazu kommt ein Licht, welches an der Stelle der Spacer sitzt und dadurch seitlich sehr gut zu sehen ist. Im Lenker selbst sitzt eine Supernova Starstream-Lampe, ebenso schön integriert ist ein LED im hinteren Schutzblech. Die ist sogar mit Bremslichtfunktion versehen. Alle LED-Lampen sind STVZO-konform.

Als Antrieb kommen bei den drei Modellen des Diem ein Shimano Steps EP-Motor zum Einsatz, der mit drei Unterstützungsmodi aufwartet. Als Schaltungen kann aus der Enviolo-Schaltung mit Gates-Zahnriemen, Shimanos Nexus Inter 5 mit Riemenantrieb und Nabenschaltung und dem klassischen Kettenantrieb Shimano Cues gewählt werden.

Das Modell DIEM 30 kostet mit Shimano EP-6-Motor sowie 540 WH-Akku 3799 Euro, das DIEM 20 mit Shimano EP-6-Motor und 630 Wh-Akku 4599 Euro und das DIEM 10 mit Shimanos EP8-Motor, 630 Wh-Akku und u. a. Frontgepäckträgerruft einen Preis von 5599 Euro auf.

Mehr Informationen bei Orbea.

Lovens

Lovens,Lastenrad,Explorer
Thomas Terbeck

Wie auf der Cyclingworld zu erkennen war, ist ein großes Thema das Lastenrad. Die unterschiedlichsten Konzepte gab es zum Testen und Ausprobieren auf der Demo-World. So auch die Modelle der niederländischen Marke Lovens. Der dortige Markt für solche Transportlösungen ist groß, jetzt zeigte der Hersteller sein Know-How anhand des Modells Explorer auch auf der Cyclingworld in Deutschland.

Die sogenannte EPP-Box, die aus einer Käfigkonstruktion mit umlaufendem Aluminiumrohr besteht, nimmt sämtliches Gepäck auf. Sie soll den wertvollen Inhalt sicher schützen. Dazu gehören natürlich auch Kinder, die per Sicherheitsgurt angeschnallt und bequem zum Kindergarten und zur Schule gebracht werden können. In den Niederlanden ist das gang und gäbe. Hydraulische Scheibenbremsen sollen für eine maximale Kontrolle des Lastenrads sorgen. Zum Komfort soll eine gefederte Vorderradgabel beitragen.

Angetrieben werden die Explorer-Modelle von Bosch-Motoren. Im kleinsten Modell, dem Explorer 50, kommt der Active Line Plus zum Zuge, des Weiteren der Performance Line beim Explorer S75 bis hin zum Cargo Line beim Explorer S85. Drei Modell-Versionen mit unterschiedlichen Schaltsystemen sind erhältlich. Unter anderem Shimanos Nexus 5 und die Enviolo Heavy Duty, mit und ohne Automatik. Die Preise liegen zwischen 5699 Euro und 6899 Euro.

Mehr Informationen beim Hersteller Lovens.

Red Rebane

Taschen für die schwierigen Transporte zeigte der Hersteller Red Rebane. Wer am Fahrrad etwa einen kleinen Kasten Wasser, den Schulranzen oder den großen Werkzeugkoffer transportieren möchte, der findet hier eine coole Lösung für sein Problem. Mithilfe der Easy Exo kann dein Fahrrad zum Lastenesel werden. Sie wird wie eine normale Gepäckträgertasche mit Klick-Fix-System angebracht und ist unbefüllt sehr flach, an zwei Seiten "offen". Jedoch lässt sie sich weit öffnen und große Gegenstände – bis 10 kg dürfen sie wiegen – finden ihren Platz. Mit Gurten an den offenen Seiten kann das Transportmaterial festgezurrt werden. Für den kleinen Einkauf gibt es eine Extra-Tasche, die Flex-Bag, die in die Easy Exo hinein passt. Für die Unterbringung eines Regencapes ist eine Innentasche vorhanden. Einen Regenschutz zum Überstülpen ist als Option erhältlich. Der Preis mit Flexbag und Regencape beträgt 149 Euro, kann aber je nach Bedarf im Konfigurator zusammengestellt werden. Die reine Easy Exo kostet 99 Euro.

Repete

Aus der tschechischen Hauptstadt Prag stammt die Fahrradmanufaktur Repete. Der fast unscheinbare Stand des Herstellers offenbarte bei näherer Betrachtung einen sehr interessanten Renner. Das Modell R3 Reason lässt sich ganz nach Kundenwunsch zusammenstellen und zeigt höchste Stahlrahmenbaukunst. Wir mussten zweimal hinschauen, um den Stahlrahmen aus Columbus Spirit HSS-Stahl zu erkennen. So fein verarbeitet ist er. Integrierte Kabelführung inklusive. Feine Details, wie die Sattelklemmung ohne Sattelklemme oder der in gleichen Farbton wie vom Rahmen gehaltene Vorbau machen dieses Bike außergewöhnlich. Dass High End und dementsprechende Verarbeitung teuer sind, zeigt sich am Topmodell mit Dura-Ace Di2 und Enve SES 4.5-Laufrädern: 15700 Euro sind ein stolzer Preis. Nähere Infos zu diesem Edel-Flitzer folgen in Kürze.

Mehr Informationen bei Repete.

Scope

Scope stellte jüngst erst seine neuen Artech-Laufräder vor (wir berichteten), jetzt konnten sie bereits auf der Cyclingworld in Augenschein genommen werden. Die in vier Modellen erschienenen Laufräder – sie sind sowohl für Straße, Allroad, Gravel und Triathlon erhältlich, zeichnen sich durch das auffällige geschuppte Design aus. Dies soll absolute Bestleistungen gegenüber Mitkonkurrenten erlauben. Reduzierter Luftwiderstand, unterschiedliche Geschwindigkeiten der Luftströme und eine verbesserte Stabilisierung sollen die Vorteile sein. Kommuniziert wurde im Gespräch eine Ersparnis von 4 Watt. Unter welchen Bedingungen wurde leider nicht erzählt. Aber: Das Design wurde sogar patentiert. Dazu kommen erstmals Carbonspeichen bei den Artech-Modellen zum Einsatz. Eine weitere Besonderheit: 3D-gedruckte Nabenkörper. Diese sahen live und in Farbe sehr hochwertig aus, in der Praxis sollen sie sehr stabil sein. Ein Test sollte genaueres herausfinden. Zum Schluss der Preis: satte 3998 Euro kostet ein Laufradsatz, mit CeramicSpeed-Lager 4498 Euro.

Mehr Informationen zu den Laufrädern bei Scope.

Race Around Rwanda

Ein dreckiges, staubverkrustetes Gravelbike und ein Typ namens Fabian Wurm. Dies war kein neues Bike, welches vorgestellt werden sollte. Nein, dahinter steht eine Geschichte, die genau mit diesem "Dirt Bike" erzählt werden sollte. Fabian hat nämlich auf seinem Bockstein-Gravelbike beim Race Around Rwanda 2024 auf dem afrikanischen Kontinent teilgenommen. Bei diesem anstrengenden Gravelbike-Event belegte er mal eben den 4. Platz als Solo-Starter. Ganz bescheiden erzählte der sympathische Fabian von seinen Erlebnissen. Die waren durchweg positiv, das Interesse der Menschen in den Dörfern groß, denn solche Veranstaltungen passieren dort leider nicht allzu oft.

Bei dem Offroad-Abenteuer, das in Kigali startet und endet, werden rund 1000 km zurückgelegt. Dabei müssen 4 Checkpoints angefahren werden. Bei den Höhenmetern sagt der Veranstalter auf seiner Homepage nur: "A lot". Fabians Augen leuchteten, als er uns von seiner Tour erzählte. Das Bike sprach die gleiche Sprache. Auch solche Geschichten gibt es auf der Cyclingworld zu entdecken. Wir finden: Cool.

Lust bekommen selber dieses Event zu fahren? Das Race Around Rwanda findet auch 2025 wieder statt, die Anmeldung beginnt bereits in Kürze.

Arthur Kopf

Upcycling vom Feinsten gab es bei Arthur Kopf zu sehen. Der für seine pfiffigen Ideen der Verarbeitung von alten Schläuchen, Ketten und Speichen bekannte Designer aus Gladbeck präsentierte unter anderem neue Satteltaschen, die sich dank Fidlock-Magneten ebenso als Umhängetasche nutzen lassen. Dazu gab es passenderweise eine neue Lenkertasche für alle wichtigen Utensilien für unterwegs zu bestaunen. Und: ungewöhnliche Lampen aus alten Schläuchen und Speichen, die dadurch eine neue Verwendung finden. Ein echter Hingucker für jedes Wohnzimmer.

Mehr Information und viele weitere Upcycling-Ideen bei Arthur Kopf.

Cicli Barco

Hohe Handwerkskunst gab es am Stand der kleinen italienischen Fahrradmanufaktur Cicli Barco zu sehen. Filigran verarbeitete Stahlrahmen-Räder, die dem Liebhaber solchen Materials direkt ins Auge fällt. Der kleine Familienbetrieb stellte unter anderem sein Modell Quinta Strada vor. Der blank polierte, glänzende Rahmen und die dezenten roten Farbtupfer am Vorbau, Gabel und der Sattelstütze gaben dem Rad das besondere Etwas. Detailverliebt zeigte es sich zum Beispiel an den Ausfallenden, auf denen das geschwungene B, das Logo der Firma, eingearbeitet wurde. Oder noch etwas versteckter die italienischen Farben in einem kleinen Wappen am Sitzrohr. Hochmodern dagegen ist die Campagnolo-Schaltungen Super Record am Rad, inklusive der passenden Laufräder. Dennoch kann das Stahlrennrad an die meisten Kundenwünsche angepasst werden. Gut zu wissen: der Düsseldorfer Kult-Radladen Schicke Mütze hat diese schicken Räder in seinem Sortiment aufgenommen, die Rahmen werden nach Maß angefertigt. Preise auf Anfrage.

Mehr Informationen zu den Modellen und der Marke bei Cicli Barco.

Leichtlast

Leichtlast,Cargobike,Lastenrad
Thomas Terbeck

Bunt und damit direkt ins Auge stach ein weiteres Cargobike von LeichtLast aus Leipzig. Von deren Lastenrad gibt es zwei Modelle, die mit einer cleveren Lösung auftraten. Zum einen gibt es das Modell "Libelle", welches auf den Kindertransport abzielt. Das ähnliche Modell "Hummel" dagegen zielt auf innerstädtische Kuriere ab. Der Clou ist die Möglichkeit, die Option "teilbar" zu wählen. So wird aus dem Vorderteil des Libelle ein geräumiger Kinderwagen, welcher sich samt Kids mit in den Supermarkt nehmen lässt. Diese Option gibt es ebenfalls für das Modell Hummel, wodurch sich das Cargobike auch platzsparend unterbringen lässt. Und: die Bikes sind natürlich auch mit einem E-Antrieb erhältlich. Das Gewicht des Libelle mit der Option Teilbar und dem E-Antrieb soll 28,5 kg wiegen, ansonsten im nichtteilbaren Zustand nur runde 20 kg. Das Modell Hummel in beiden varianten nur jeweils ein kg mehr. Wir finden: ein spannendes Konzept mit Potenzial.

Mehr Informationen bei LeichtLast.

Cyclingworld New York

Cyclingworld Europe

Die Cyclingworld geht nach New York! Die Ankündigung der beiden Projektleiter Stefan Maly und Torsten Abels erregte Aufsehen! Vom 1. bis zum 4. Mai 2025 wird die Cyclingworld sich mit der größten Urban City Bike Tour der USA zusammentun, der TD Five Boro Bike Tour. Dadurch soll der europäische Radmarkt den Amerikanern näher gebracht werden, zahlreiche Aussteller werden diesen Weg mitgehen und vor Ort in Big Apple sein. Es wird also äußerst spannend!

Keine Angst, die Cyclingworld Europe wird auch weiterhin in Düsseldorf bestehen bleiben, die langfristige Planung in Zusammenarbeit mit dem Areal Böhler dazu wurde ebenfalls bekannt gegeben. Die nächste Ausgabe findet vom 28. – 30. März 2025 statt.

Alle Infos auf der Homepage der Cyclingworld.

Fazit

Die Cyclingworld entwickelt sich weiter als anerkannter Gradmesser der Branche zum Auftakt der Radsaison. Mit 25000 Besuchern wurde ein neuer Besucherrekord erzielt. Unser Eindruck: das Interesse am Fahrrad mit all seinen Facetten ist riesengroß. Dazu bietet die Messe, die den Beinamen "Fahrradmesse für feinste Radkultur" besitzt, alle Voraussetzungen, um dieses Publikum anzusprechen. Die entspannte Atmosphäre, in der zahlreiche bekannte und unbekannte Aussteller ihre interessanten, gut akquirierten Produkte präsentieren, ist einzigartig. Und: es macht einfach Spaß durch die alten Hallen des Areal Böhler zu schlendern und zu entdecken, anzufassen, zu testen oder sogar auf den Side-Events mitzufahren.