Thule Santu im Härtetest: Stauraum auf dem Fahrradträger?

Thule Santu Gepäckbox für Fahrradträger im Test
Kann der Extra-Stauraum im Alltag überzeugen?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 23.01.2026
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Thule Santu Transportbox
Foto: Thule

Familien kennen das Problem: Ist der Kinderwagen einmal samt Babywanne im Kofferraum verstaut, schrumpft selbst der größte Kombi plötzlich auf Kompaktwagen-Niveau. Wer keinen Nerv auf Gepäckstück-Tetris hat, kam lange um eine Dachbox mit all ihren Nachteilen kaum herum. Doch mit der Santu-Gepäckbox, die auf kompatiblen Thule-Fahrradträgern befestigt wird, will Thule eine pfiffige Alternative für uns Radfahrer im Programm haben. Kann sie auch im Alltag überzeugen?

Kurz & knapp: Thule Santu Gepäckbox

  • 260 Liter fassende Gepäckbox …
  • ... die auf kompatiblen Fahrradträgern ...
  • ... auf der Anhängerkupplung befestigt wird
  • passt auf Thule Epos, EasyFold XT, Easy Fold 3
  • je nach Modell trotzdem Platz für ein Fahrrad
  • komplett wasserdicht, abschließbar
  • max. 45 Kilo Zuladung, 14,2 Kilo Eigengewicht
  • Preis: 900 Euro

An sich ein geniales Konzept – oder?

Thule Santu im Test
Moritz Schwertner // www.moritzschwertner.de

Das Konzept an sich finde ich tatsächlich genial: Die Santu-Box findet auf kompatiblen Fahrradträgern festen Sitz. Laut Thule sind drei Modelle für die Heckbox geeignet: Epos, EasyFold XT und der neue Easy Fold 3. Wichtig hierbei: Modelle mit drei Schienen haben dann sogar noch Platz für ein Fahrrad; wie "viel" Rad ihr mitnehmen könnt, hängt dabei maßgeblich von eurer Ladung ab. Die Box an sich wiegt laut Herstellerangabe 14,2 Kilo, bis zu 45 Kilo dürfen zugeladen werden. Da Thule seine Träger immer nur bis 60 kg Zuladung freigibt – egal ob mit zwei oder drei Schienen – reicht es vermutlich rechnerisch in den meisten Fällen wohl nur für ein leichtes Rennrad oder Gravelbike. Wichtig hierbei: Diese Beladedynamik konnten wir bislang nicht testen, uns liegt derzeit nur ein Träger mit zwei Schienen vor.

Simple, sehr flotte Montage

Thule Santu im Test
Moritz Schwertner // www.moritzschwertner.de

Sehen wir uns mal die Montage näher an. Für meinen Alltagstest nutze ich meinen viel geschundenen Thule-Epos-Träger mit zwei Schienenden ausführlichen Dauertest samt Fazit zum High-End-Träger findet ihr hier. Hat man diesen ordentlich ausgerichtet, braucht man nichts weiter zu beachten, außer, dass in meinem Fall die beiden Teleskoparme untenbleiben müssen. Statt der Räder werden dann vier kleine Keile mit den Laufrad-Ratschen auf den zwei Schienen befestigt. Eine fehlerhafte Montage ist dabei quasi ausgeschlossen, die kleinen Plastikstücke passen dank Einkerbungen immer nur in eine Richtung. Habt ihr das erledigt, kommt auch schon die Box auf den Träger. Zum Ausrichten muss dabei der Deckel geöffnet werden; befestigt wird die Box dann über vier Schrauben direkt mit den Keilen im Träger. Wie bei Thule üblich liefern die Schweden dazu einen kleinen "Drehmoment"-Schlüssel mit. Löst dieser aus, hat die Schraube das korrekte Anzugsmoment.

Wichtig bei der Montage: Thule liefert kleine Sticker mit, mit denen die nicht genutzten Schraublöcher im Boden versiegelt werden sollen. Das ist eine etwas krude Kompromisslösung, denn schließlich passt die Santu-Box auf Trägern mit zwei oder drei Schienen, wobei die Lochabstände entsprechend variieren. Trocken war es innen bislang trotzdem; und das, obwohl die teils sehr winterlichen Wetterbedingungen und rund 2000 Kilometer Autobahnfahrten in meinen Augen schon sehr fordernd waren.

Zu kritteln gibt es an dieser Stelle in meinen Augen nichts. Für die Erstmontage benötigte ich am Ende keine 15 Minuten, spätere Versuche gingen in gut fünf Minuten von der Hand – aus meiner Erfahrung mit Dachboxen eine durchaus erhebliche Zeitersparnis. Vom Arbeiten in (je nach Pkw) eher luftigen Höhen ganz zu schweigen. Zudem lässt sich die Box gut vom Keller zum Auto manövrieren, seitlich sind nämlich zwei kleine Rollen eingelassen.

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Thule Santu: Ein Familienvater packt ein

Thule Santu Transportbox
Thule

Entsprechend easy ist die Box zu beladen. Gute 260 Liter Volumen verspricht Thule, fette 45 Kilo dürfen maximal zugeladen werden. Das entspricht dem Kofferraumvolumen eines Suzuki Ignis, 45 Kilo sind grob drei Kästen Mineralwasser in PET-Flaschen. In der Realität machte das bei mir zwei voll beladene Rollkoffer im Kabinenformat (38 × 26 × 55 cm) aus – plus einer soften, kleineren Reisetasche. Ich hatte gehofft und erfolglos versucht, unseren Kinderwagen im Santu zu verstauen (ein ABC-Design Salsa 5 Air), scheiterte aber hauptsächlich am zu exponierten Vorderrad. Auch die entsprechende Salsa-Babywanne ist schlicht zu breit, um im Inneren Platz zu finden. Ob andere Kinderwagen-Modelle passen, kann ich nicht sagen; mir fehlt hier schlicht anderes Material. Ich kann mir aber vorstellen, dass leichte Buggys für größere Kids besser hineinpassen, als Modelle für Babys und Kleinkinder wie in meinem Fall.

Wer sich die Bilder der Box bereits angeschaut hat, wird es vermutlich schon gesehen haben: Die Box ist kein perfekter Quader, sondern hat im Deckel eine fette Einbuchtung. Die hat auch (leider!) einen Sinn, denn sonst würde bei gleichzeitiger Nutzung mit einem Fahrrad der Deckel nicht aufgehen. Rein vom Platzangebot sehe ich die Santu-Box daher als Kompromiss: Sie ist groß genug, um Reisegepäck (wie in meinem Fall in Form von Bekleidung) gut zu verstauen und gleichzeitig noch Platz für ein Fahrrad zu haben. Wer aber einen "Koffer" für den Kinderwagen sucht, wird sich vermutlich anderswo umschauen müssen.

Die Bedienung ist ein Kompromiss

Thule Santu Transportbox
Thule

Dazu kommt, dass die Box nur etwa im 45°-Winkel zu öffnen ist. Für Koffer wie in meinem Fall ist das kein Problem, bei sperrigeren Gegenständen wie Wasserkisten oder Ähnlichem kann das aber stören. Aber: Auch das ist dem Fakt geschuldet, dass die Box möglichst auch mit Fahrrädern harmonieren soll, und spätestens da wäre eine größere Öffnung konzeptbedingt hinderlich, da der Deckel am montierten Rad anstoßen könnte. Dennoch: Warum man nicht "einfach" die stabilen Scharniere selbst erweitern kann, erschließt sich mir nicht. Immerhin denken die Schweden an schwerere Lasten: Vier Zurrvorrichtungen sind stabil in den Boden eingelassen, immerhin zwei Spanngurte gibt's ab Werk mit. Im Innern ist zudem eine kleine Tasche, in der Anleitung, Spanngurte und kleineres Geraffel untergebracht werden können. Abseits davon ist die Box im Innern komplett blank und nachtschwarz. Übrigens: Da alle drei mit der Santu-Box kompatbile Fahrradträger auf der Kupplung selbst abklappbar sind, kommt man weiterhin ungestört an den Kofferraum des Pkw.

Thule Santu: Kritikwürdige Aufpreispolitik

Thule Santu im Test
Moritz Schwertner // www.moritzschwertner.de

Das bringt mich auch zum größten Kritikpunkt: die Aufpreispolitik. Passende Taschen? Kosten im Set satte 260 Euro zusätzlich. Selbst das praktische LED-Licht für die im Innern nachtschwarze Box schlägt mit 80 Euro zu Buche – und das alles bei einem Einstandspreis von ohnehin nicht günstigen 900 Euro. Dazu kommt, dass die Box von Werk aus nur auf die neuen Epos- und Easy-Fold-3-Modelle passt, der Adapter für den "alten" Easy-Fold-XT kostet 50 Euro. Da muss ich schon etwas schnaufen, während ich das schreibe; mindestens das LED-Licht hätte ich als "Serienausstattung" ausdrücklich begrüßt. Immerhin ist ein Schloss direkt ab Werk verbaut, den Schlüssel kann man erst abziehen, wenn die Box verschlossen ist.

Fahrerisch im besten Sinne unauffällig

Dieses Kapitel können wir kurz halten: Auch mit quasi Vollbeladung fährt sich die Box ähnlich unauffällig, wie der Fahrradträger, der ihn trägt. Wie im Dauertest gewohnt bleibt der Epos fest auf der Anhängerkupplung sitzen und bewegt sich keinen Millimeter – das gilt erst recht für die Box. Fairerweise fehlt mir hier aber (Gott sei Dank!) ein Extremtest, wie wir ihn jährlich mit den AMS-Kollegen durchführen. Vollbremsung? Abruptes Ausweichen? Ist mir bislang im Alltag noch nicht untergekommen. Was ich aber sagen kann: Einen spürbaren Mehrverbrauch konnte ich bislang nicht feststellen, ich fahre mit meinem Privat-Pkw auf langen Autobahnetappen mit den im Winter typischen 6 Litern im Schnitt. Wichtig hierbei: Ich bin ein eher defensiver Fahrer und achte auf meinen Spritverbrauch; deine Erfahrung muss sich hier also nicht mit decken.

Thule Santu: Vor- und Nachteile

 pfiffiger Extrastauraum für dein Auto

 je nach Träger trotzdem Platz für ein Fahrrad

 kein merklicher Mehrverbrauch

 perfekt verarbeitet ...

 ... was sich Thule aber sehr gut bezahlen lässt

 Platzangebot kompromissbehaftet

 Aufpreispolitik (Licht kostet 80 Euro extra)

Das Tester-Fazit zum Thule Santu

Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur & Familienvater

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Fazit