KTM Gravelator SX10 im Test: So gut ist das E-Gravelbike im Wald!

KTM Gravelator SX10 im Test
Mit Komfort über Stock und Stein

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.03.2026
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Sportgerät, Tourenrad oder doch Pendler-Kutsche? Das KTM E-Gravelbike Gravelator SX10 bringt mit Bosch-SX-Motor, DT Swiss GR 1600-Laufrädern und geländefähigen Conti Terra Adventure‑Reifen sowie einer komfortorientierten Geometrie die besten Voraussetzungen für ein waschechtes Allroundtalent mit. Wir haben das österreichische Multitalent getestet und ordnen es für dich ein.

Kurz & knapp: KTM Macina Gravelator SX10

  • Rahmenmaterial: Aluminium
  • Motor: Bosch Performance SX, 55 NM
  • Akku: Bosch CompactTube 400Wh
  • Display: Bosch System Controller/ Bosch Mini Remote Dropbar
  • Schaltwerk: Shimano GRX RX822, 10-51T
  • Kurbelgarnitur: KTM E-Race Isis 170 mm, 42T
  • Laufräder: DT Swiss GR1600 Spline DB CL 100
  • Reifen: Continental Terra Adventure TL 45-622
  • Gewicht (ohne Pedale, gewogen): 16,35 kg
  • Preis: 3999 Euro

Mit dem Gravelator durch Feld, Wald und Flur

Auf den ersten Blick gefällt beim KTM Macina Gravelator SX10 sein modernes Erscheinungsbild. Der Alu-Rahmen samt Carbon-Gabel ist hochwertig verarbeitet und wirkt angenehm schlank für ein E-Gravelbike. Der Rahmen wurde dazu extra für das hauseigene Power Tube Top Loader-Akku-Design entwickelt, wodurch der Bosch CompactTube 400-Wh-Akku leicht entnommen werden kann. Leicht zu erreichen und zudem gut geschützt: der Ladeanschluss im Tretlagerbereich. Dafür gibt's ein Manko beim Systemgewicht: 116 kg sind für die Klasse wirklich mau. Zieht man das Gewicht von Bike und Fahrer ab, kann die zulässige Zuladung schnell erreicht werden.

Doch wir möchten uns nicht von Äußerlichkeiten blenden lassen. Wichtig ist, was unter der Haube steckt, heißt es so schön. Und da werkelt vor allem der bärenstarke, mittlerweile per Update auf 60 Nm angewachsene Bosch Performance Line SX Mittelmotor. Bei Testfahrten im hügeligen Umland von Stuttgart knickte der Motor selbst auf verwurzelten Trampelpfaden mit über 11 Prozent Steigung nicht ein. Im Gegenteil: Da ist noch ordentlich Puffer nach oben spürbar. Wer gerne nach der Arbeit eine sportliche Schotterrunde dreht, ist mit dem Motor bestens aufgestellt, der sich zudem dezent an dem Fahrstil anpasst. Das gefiel besonders an Anstiegen. Aber Obacht: Der Motor fordert – unter 70 Kurbelumdrehungen ist der Vortrieb eher gemächlich, besonders im Vergleich mit dem großen Bruder CX. Sobald man entsprechend schnell tritt, ist die Leistungsentfaltung für die Motorklasse aber richtig explosiv.

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Moritz Schwertner // www.moritzschwertner.de

Das Schalten zwischen den einzelnen Modi über die Mini-Remote-Bar funktioniert tadellos, durch die Anbringung am Lenker nah am Vorbau muss jedoch die Hand aus den Hoods oder unter Umständen auch von der gewöhnlichen Haltung am Oberlenker genommen werden, um durchzuschalten. Die Position der Remote-Bar lässt sich nur geringfügig ändern, was nicht ideal für ein Gravelbike samt Dropbar-Lenker ist. Bei geraden Lenkern wie am Mountainbike oder Tourenfahrrad ist je nach Lenkerbreite meist mehr Spielraum vorhanden, um die Position näher an den eigentlichen Griff zu bekommen.

Gut zu wissen ist jedoch: Ständiges Schalten ist gar nicht nötig, denn hat man etwa den Modus Tour+ eingelegt, schaltet der Motor bei Bedarf selbst einen Modi höher und passt sich an den Fahrstil an. Bei Straßenfahrten und Champagner-Schotter spielt der Griff an die Remote Bar überwiegend ohnehin keine große Rolle.

Über KTMDie Geschichte der KTM-Fahrräder beginnt 1964 in Mattighofen, Österreich, mit dem Modell "Fleetwing". Seit der Aufteilung des Konzerns 1992 agiert die KTM Fahrrad GmbH eigenständig und hat sich mit dem Siegel "Made in Austria" als Premium-Hersteller etabliert. Das charakteristische Orange der Marke prägt bis heute viele Modelle und das Unternehmen gilt als wichtiger Pionier bei der Entwicklung von E-Bikes in Europa, forschte es doch schon in den 1990er Jahren an eigenen Elektroantrieben. 2010/11 arbeitete KTM mit Bosch zusammen und war ein wichtiger Partner, als das deutsche Unternehmen erstmals seinen revolutionären Mittelmotor auf den Markt brachte. Wichtig: KTM Fahrrad hat nichts mit KTM Motorrad gemein.

Ein Wort noch zum eigentlichen Rennbügel: Der mit einem Flare von 16 Grad kommende KTM-Team-Gravel-Lenker liegt gut in der Hand, der Griff in den Unterlenker fällt nicht übertrieben sportlich aus und passt zur Sitzgeometrie. Ein flinker Antritt zwischendurch? Kein Problem, nur auf Dauer im Unterlenker zu fahren, ist nicht seins. Die Kabelführung verläuft zunächst unterhalb des Lenkers, dürfte unserer Meinung nach aber dezenter sein, und verschwindet erst dann aufgeräumt und clean in den Vorbau.

Das Schaltverhalten der Shimano GRX822 ist über jeden Verdacht erhaben, die Übersetzungsbandbreite mit 10–51 T hinten und 42T-Kettenblatt ist stimmig und für alle Fahrsituationen des Gravelator SX 10 geeignet. Die Bereifung durch die Continental Terra Adventure mit 45 mm zeigt selbst bei leicht matschigen Wegen genügend Traktion. Nur in Extremsituationen wie beispielsweise bei Schräglage auf losem Untergrund können die Reifen durch das Gesamtgewicht aus Bike und Fahrer ordentlich gefordert werden. Die DT Swiss-Aluminium-Laufräder mit 25 mm Felgenhöhe sind robust, bieten ordentlich Seitensteifigkeit, sind dafür aber etwas schwerer.

Das perfekte Alltags-Gravelbike?

Tendenziell zeigt das Gravelator SX10 seinen Einsatzzweck jedoch hauptsächlich in Richtung Alltags-Gravelbike und dann erst hin zum Sportgerät. Ein Grund: die komfortable, aufrechte Sitzposition (Stack to Reach 1,49, Größe M) und die Offenbarung einer angenehmen, hohen Laufruhe, zu der auch der breite Lenker beiträgt, der nervige Schläge von unten gut absorbiert. So bleibt das E-Gravelbike stets sehr sicher zu kontrollieren, dies geht aber zulasten von Spritzigkeit und Agilität.

Positiv ist uns der Fahrkomfort auf allen Untergründen aufgefallen und ist von unserem Testfahrer als "deutlich spürbar" notiert worden. Die Sattelstütze samt bequemen Selle-Royal-Sattel zeigt Nehmerqualitäten, die breiten Reifen tragen ebenso zur Dämpfung bei. Wer hierauf viel Wert legt, wird sich über das auffällige Komfort-Plus sehr freuen.

Quo vadis, Gravelator?

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Moritz Schwertner // www.moritzschwertner.de

Am Ende stellt sich die Frage: Für wen ist das KTM Gravelator geeignet? Das E-Gravelbike bietet zu einem vernünftigen Preis viel Licht, kaum Schatten und beweist in unserem Test ein hohes Allround-Potenzial. Ob die schnelle Feierabendrunde auf Waldautobahnen oder feinen Schotterwegen, sowie der Einsatz als Wochenend-Tourer oder als Pendlerfahrrad auch dank der Möglichkeit der Montage von Schutzblechen – die Einsatzzwecke sind vielfältig. Der Bosch-SX-Motor zeigt seine Stärke und bietet selbst in schwierigem Gelände ordentliche Kraftreserven. Ein reines Sportgerät ist das Gravelator SX10 E-Gravelbike dennoch nicht, dazu ist die Sitzposition zu aufrecht und es fehlt die entsprechende Spritzigkeit und Agilität. Für alle, die auf Komfort nicht verzichten wollen, gerne zwischendurch abseits der Straßen fahren und das Bike genauso im Alltag nutzen möchten, sollte das Bike in unseren Augen näher in den Fokus rücken.

Fizik Kudo,Expertenbox
Thomas Terbeck
Redakteur

👍 Das gefällt

  • modernes Design
  • bärenstarker Bosch-SX-Motor
  • sicheres Handling
  • taugt als Allrounder auch prima im Alltag
  • angemessener Preis
  • spürbares Komfort-Plus ...

👎 Das weniger

  • ... verhindert etwas die Spritzigkeit und Agilität
  • Reifen passen zum Konzept, nur bei sportlicher Fahrweise kommen sie schneller an ihre Grenzen
  • Kabelzüge am Cockpit könnten schöner versteckt werden
  • zulässiges Gesamtgewicht etwas gering

💗 Das perfekte Rad für ...

  • ...alle, die Wert auf hohen Komfort und einem vielseitigen Einsatzzweck eines E-Gravelbikes legen, sowie zu einem fairen Preis ein Bike im modern anmutenden Gewand suchen.

Wieso nur gut? Weil wir im 1000-Punkte-Test auch die Alltagsausstattung bewerten. Und da fehlen dem KTM Gravelator SX10 E-Gravelbike naturgemäß essenzielles wie Frontlicht, Gepäckträger und Co. Auf diese Deatils kannst du verzichten? Dann ist das KTM eigentlich ein sehr gutes E-Gravelbike zu einem fairen Preis.

Fazit