Das Clayton O2 Active hat das Zeug zum modernen Klassiker. Schicker Alu-Rahmen, viel Chrom, Riemenantrieb – und trotzdem kräftig elektrifiziert und ab 2449 Euro erfreulich günstig. Wir haben das gar nicht so klassischen Klassiker auf eine Espresso-Runde entführt. Du suchst noch andere günstige E-Bikes? Hier haben wir weitere E-Bikes ab fairen 900 Euro in der Test-Zusammenfassung.

Als BikeX-Redakteur nehme ich quasi wöchentlich neue E-Bikes unter die Lupe: vom stylischen City-Flitzer bis zum SUV auf zwei Rädern. Alle getesteten Räder findest du hier in der Übersicht! Dabei frage ich mich oft nicht nur, wie viel Drehmoment wirklich nötig ist, sondern auch, warum ausgerechnet bei Regen der Bordcomputer wie ein Weihnachtsbaum blinkt. Ich teste mit Neugier, einer Portion Skepsis – und daher meist mit matschigen Schuhen.
In unseren Tests prüfe ich nicht nur Zahlen und Daten, sondern vor allen Dingen, ob ein Bike im Alltag wirklich funktioniert: Wie fährt es sich im Feierabendverkehr, mit Einkaufstasche am Gepäckträger oder auf matschigen Waldwegen? Ich höre aufs Motorgeräusch, spüre, was der Rahmen macht – und freue mich natürlich, wenn mich ein Bike einfach grinsend vom Hof rollen lässt.
Meine Meinung: Gute E-Bikes erkennt man daran, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, ob man gerade mit oder ohne Unterstützung fährt.
Kurz & knapp: Clayton O2 Active
- schicker Stadtflitzer im Fixie-Look
- angetrieben von einem Bafang-Nabenmotor mit 50 Nm ...
- ... mit integrierter Zwei-Gang-Schaltung und Riemen
- 360 Wattstunden Akku, seitlich entnehmbar
- 19 Kilo leicht
- zwei Rahmengrößen (Medium oder Large)
- auch mit Trapezrahmen erhältlich (+50 Euro)
- Preis: ab 2449 Euro
Clayton O2 Active: Sieht nur aus wie ein Fixie

Mit 50 Nm ist der Bafang-Antrieb im üblichen Nabenmotor-Leistungsspektrum angesiedelt.
Herzstück des Clayton O2 Active ist der schön geschweißte und glänzend lackierte Alu-Rahmen mit vielen Chrom-Details. Das E-Bike-Dasein ist dank Nabenmotor im Hinterrad gut versteckt, allenfalls das etwas dickere Unterrohr dürfte Kennern direkt auffallen. Denn hier steckt seitlich entnehmbar ein 360-Wattstunden-Akku mit einer in Rahmenfarbe lackierten Blende. Die fügt sich zwar nahtlos ins Rad ein, birgt aber im Alltag Risiken hinsichtlich Kratzern, wenn man sie samt Akku mal unbedarft zum Laden ablegt. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt den Akku stecken und lädt das O2 direkt über den Rahmen. Übrigens: Welcher Akku zu dir passt, und welche Reichweiten realistisch sind, sagen wir dir hier.
Wie schon erwähnt steckt der Antrieb beim Clayton O2 Active nicht wie gewohnt im Tretlager, sondern im Hinterrad. Bafang liefert den Hamburgern seinen "Dual Speed"-Nabenantrieb mit guten 50 Newtonmetern zu, in dem auch noch eine automatisch schaltende Zwei-Gang-Automatik werkelt, welche du per App feinjustieren kannst. Das ist ein guter Kompromiss, denn der Gates-Carbon-Riemen läuft ansonsten nur auf einem Ritzel. Kurzum: Das O2 sieht zwar aus wie ein Fixie, ist es aber (zum Glück!) nicht.
Dazu passt das minimalistische Bedienkonzept: Ein Display sucht man hier vergebens, nur ein kleiner Taster auf dem Oberrohr steuert und informiert per Farbcode über Akku-Stand und Motormodi. Firlefanz? Fehlanzeige! Als zu gering würden wir das maximale Fahrergewicht ansehen: Die Hamburger geben für ihr erst zweites Rad überhaupt maximal 110 Kilo Fahrergewicht frei – für groß gewachsene Espresso-Piloten ist das klar zu wenig.
Ausstattung: einfache, aber gute Markenware
Trotz seines gelebten Minimalismus ist das Clayton hart kalkuliert – und dennoch erfreulich wertig ausgestattet. Der fesche Ledersattel samt Griffen? Stammt von der britischen Edelschmiede Brooks und sieht entsprechend toll aus. Licht integrieren die Hamburger raffiniert mit einer Lösung von Lightskin in Lenker und Sattelstütze. Die verbaute Zweikolben-Shimano-Bremse, die "gruppenlose" MT200, ist ein alter Bekannter für eifrige E-Bike-Test-Leser: ein im Einkauf wie Unterhalt extrem preisgünstiges Bauteil, das sich vor größeren Ankern aus gleichem Hause höchstens optisch, aber keinesfalls funktional gesehen verstecken muss. Für den vorgesehenen, vorrangig urbanen Einsatzzweck, reicht das dicke.
Etwas zwiegespalten sind wir bei den Billig-Reifen der Marke CST, zu der auch der MTB-Gummigigant Maxxis gehört. An sich waren die Reifen im Alltag im besten Sinne unauffällig, wir hätten aber lieber hochwertigere Pneus von Schwalbe gesehen. Ansonsten komplementiert viel Chrom an Lenker, Vorbau und Felgen, das ansonsten nachtschwarze Rad. Zudem laufen die Kabel formschön durch den Steuersatz, Kabelsalat gibt es keinen. Gepäckträger für Front und Heck sowie Spritzschützer gibt es auch – die kosten jedoch extra.
Kurzum: Für den eher günstigen Preis ist das Clayton in puncto Ausstattung ein faires Angebot.
Im Alltag gefahren: Clayton O2 Active

Immer der Sonne entgegen: Das Clayton versteht sich als spaßig-schickes Sonntagsgefährt.
Es gibt schlechtere Tage, um E-Bikes zu testen: Ende Februar wird die Bodenseeregion von den ersten echten Sonnenstrahlen des Jahres liebevoll wachgeküsst. Blauer Himmel, nicht ganz 20 Grad und keine Wolken zu sehen – also Helm auf und E-Bike an! Ich möchte mir in Überlingen am Bodensee den ersten Rad-Espresso des Jahres gönnen. Die Tour führt dabei ausgehend vom Dörfchen Stockach über gut ausgebaute Radwege schnurstracks in gut 20 Kilometern direkt an die Schwäbische Riviera. Viele Höhenmeter sind auf dem Hinweg nicht zu absolvieren, mit 90 Höhenmetern ist diese kleine Sonntagsrunde gemütlich flach.
Schon auf den ersten Metern fällt mir dabei der Antrieb positiv auf. Der Bafang-Nabenantrieb geht manierlich, aber kräftig zu Werke und schiebt das Clayton mühelos an. Die 25-km/h-Grenze erreicht das Motörchen locker, bleibt dabei wie von Nabenmotoren gewohnt unhörbar. Den Gangwechsel spürt man zwar recht deutlich, den Fahrfluss stört sie aber interessanterweise kaum. Dafür schaltete sie mir in der Werksabstimmung viel zu früh, ließ sich per App aber entsprechend justieren.
Der Fahrkomfort geht in meinen Augen voll in Ordnung. Logisch: Mit vollgefederten Tourern kann und will es das Clayton O2 nicht aufnehmen. Doch der bequeme Ledersattel und die Reifen machen auf guten Radwegen eine manierliche Vorstellung. Auch die eher schmächtigen Shimano-Bremsen sind angesichts des Einsatzzwecks und Radgewichts kein Problem und verzögern nach etwas Einbremsen gut. Einziger Kritikpunkt ist das – fraglos schön integrierte – Licht. Das Rücklicht ist selbst bei Sonne gut sichtbar, die kleine LED-Kerze im Lenker allenfalls ein schickes Gimmick. Wer ganzjährig fahren will, kommt für sichere Fahrten im Alltag nicht um ein echtes Fahrradlicht herum.
Mit dem Espresso in der Hand und der Sonne im Gesicht spähe ich auf der Terrasse sitzend lächelnd auf das Clayton. Mein Fazit nach dieser genüsslich-sonnigen Ausfahrt fällt daher eindeutig aus: Das Clayton O2 ist kein technischer Überflieger für alle Lebenslagen, aber das will es auch gar nicht sein. Es ist vielmehr ein stilbewusster und unkomplizierter Begleiter für genau solche Tage: für die genussvolle Tour zum Café, den entspannten Ausflug ins Grüne oder den Weg zur Eisdiele. Die kleinen Schwächen, wie die vielleicht etwas gewöhnungsbedürftige "Schaltung" oder das eher symbolische Frontlicht, fallen angesichts des stimmigen Gesamtpakets kaum ins Gewicht – zumal sich erstere per App justieren lässt. Denn die Stärken wie der leise, aber kraftvolle Antrieb, der solide Komfort und vor allem die elegante Erscheinung überwiegen in meinen Augen deutlich. Und so erklärt sich auch der lange Blick von der Café-Terrasse: Das Clayton O2 ist ein E-Bike, das nicht nur von A nach B bringt, sondern dabei auch das Herz erfreut und Lust auf die nächste Sonntagsausfahrt macht. Kurzum: Das Clayton O2 ist ein gelungener Komplize für die schönen Momente im Sattel.
👍 Das gefällt
- klassisches Design, moderne Technik
- erfreulich starker Nabenmotor
- seitlich entnehmbarer Akku
- dank Zwei-Gang auch für kleine Anstiege geeignet
- App mit GPS-Tracking
- Licht formschön in Lenker und Sattelstütze integriert …
👎 Das weniger
- ... wirklich hell ist das Frontlicht aber nicht
- sehr minimalistisches Infotainment samt Akkuanzeige
- Spritzschutz & Gepäckträger möglich, kosten aber extra
- mit 110 Kilo Fahrergewicht eher geringe Zuladung
💗 Das perfekte Rad für ...
- … Flaneure mit Faible für klassisch aussehende, innerlich aber topmoderne Fahrräder





