Wer regelmäßig mit dem Mountainbike durch den Wald fährt, kennt das: Auf trockenen Trails wirbelt der Staub in dichten Wolken auf, die Trinkflasche im Rahmenhalter wird mit Schlamm bespritzt, und nach einem Sturz landet auch mal das Mundstück im Dreck. Was die wenigsten dabei bedenken: Im Waldboden können Viren stecken, die von Nagetieren und Spitzmäusen stammen – darunter Hantaviren und das klassische Bornavirus. Beide werden über Ausscheidungen der Tiere übertragen und können beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen. Doch wie realistisch ist eine Ansteckung beim Sport im Wald? Ist aufgewirbelter Trail-Staub ein ernstes Gesundheitsrisiko? Und macht es einen Unterschied, ob man aus der Flasche oder dem Trinkschlauch trinkt? Wir haben einen Experten gefragt.

Vielen ist der Virologe Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit noch als eines der bekanntesten Gesichter aus der Zeit der Corona-Pandemie in Erinnerung. Doch seine Expertise ist bei globalen Krisen immer wieder gefragt. Spezialgebiete seiner Forschungsarbeit an der Universität Hamburg sind neben Viren wie Ebola, Zika und Usutu auch Hanta-Viren und das Borna-Virus die uns Mountainbiker*innen viel näher sind, als wir denken.
Bei Hantaviren erfolgt die Infektion typischerweise über Ausscheidungen infizierter Nagetiere, vor allem Urin, Kot und Speichel. Wenn diese eintrocknen und als Staub aufgewirbelt werden, können infektiöse Partikel eingeatmet werden. Beim klassischen Bornavirus, Borna disease virus 1, gilt die Feldspitzmaus als wichtiges Reservoir. Der genaue Übertragungsweg auf den Menschen ist noch nicht abschließend geklärt, aber diskutiert werden indirekter Kontakt mit Ausscheidungen, kontaminierter Staub, verunreinigte Lebensmittel oder Kontakt zu toten oder lebenden Spitzmäusen. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen spielen im Alltag nach derzeitigem Wissen keine Rolle.
Das theoretische Risiko besteht dann, wenn das Mundstück oder die Flasche mit infektiösem Material, etwa Nager- oder Spitzmaus-Ausscheidungen, kontaminiert wurde und anschließend in den Mund gelangt. Im normalen Mountainbike-Alltag halte ich dieses Risiko für sehr gering. Praktisch sinnvoll ist aber: Flaschen nicht offen auf Waldboden, in Schuppen, Garagen oder an Stellen lagern, wo Mäuse Zugang haben, und die Mundstücke sauber halten und sichtbar verschmutzte Flaschen nicht benutzen, sondern reinigen.
Bei Hantaviren ist das Einatmen kontaminierten Staubs ein relevanter Infektionsweg. Beim Radfahren im Freien wird der Staub jedoch stark verdünnt, sodass das Risiko im Vergleich zu typischen Risikosituationen, etwa dem Ausfegen lange geschlossener, mäusekontaminierter Schuppen, Holzlager oder Gartenhäuser, sehr niedrig ist. Kritischer sind also eher schlecht belüftete Innenräume oder geschützte Bereiche mit sichtbaren Nagerkotspuren als eine normale staubige Waldpassage.
Die wichtigsten Maßnahmen sind einfach: Trinkflaschen und Mundstücke sauber halten, Flaschen nach der Tour reinigen, nicht aus sichtbar verschmutzten Mundstücken trinken, keine toten Mäuse oder Spitzmäuse anfassen, Nagerkot oder Tierkadaver nicht trocken auffegen, sondern feucht reinigen, und bei stärkerer Kontamination Handschuhe und ggf. FFP2-Maske tragen. Lebensmittel und Trinksysteme sollten so gelagert werden, dass Nagetiere keinen Zugang haben.
Ein Trinkschlauch im Brustbereich kann sinnvoll sein, weil das Mundstück weniger direkt mit Schlamm, Staub oder Waldboden in Kontakt kommt. Auch Flaschen mit Schutzkappe über dem Mundstück sind aus hygienischer Sicht eine gute Option. Entscheidend ist aber nicht das System an sich, sondern dass das Mundstück sauber bleibt und nach der Tour gereinigt wird.
Theoretisch kann Kleidung Staub oder Erde tragen. Für Hanta- oder Bornavirusinfektionen ist das aber im normalen Sportkontext kein typischer Übertragungsweg. Sinnvoll ist dennoch: stark verschmutzte Kleidung nach der Tour wechseln und waschen, Hände reinigen und nicht mit schmutzigen Handschuhen an Mundstück, Essen oder Schleimhäute fassen.
Mir sind keine typischen oder gut dokumentierten Fallserien bekannt, bei denen Mountainbiken oder Wandern als eigenständige Hauptrisikoaktivität im Vordergrund stand. Bei Hantavirusinfektionen sind eher Tätigkeiten mit Kontakt zu Nagerhabitaten und kontaminiertem Staub bekannt, z. B. Reinigungsarbeiten in Schuppen, Gartenarbeit, Holzarbeiten oder Aufenthalt in stark nagerkontaminierten Bereichen. Bornavirusinfektionen beim Menschen sind extrem selten und treten vor allem sporadisch in bestimmten Endemiegebieten auf; die konkrete Infektionsquelle bleibt häufig unklar.





