Der E-Bike-Akku von morgen: Wie sieht Porsche die Zukunft?

Der E-Bike-Akku der Zukunft
Wohin geht die Reise, Porsche?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.01.2026
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Wohin geht die Reise, Porsche?
Foto: Porsche

Wie sehen die E-Bike-Akkus der Zukunft aus? Wird die Reichweite weiter steigen oder geht der Trend in eine andere Richtung? Wir haben mit Herstellern über die neuesten Entwicklungen gesprochen und spannende Einblicke in die Technologien von morgen erhalten. Welche Antworten hat Porsche E-Bike Performance auf die großen Fragen zur Akku-Zukunft? Lest selbst!

Domagoj Topliöanec
Head of Battery Porsche e-Bike Performance GmbH
Wie seht ihr diese Entwicklungen als Systemhersteller generell?

Wir verfolgen die aktuellen Fortschritte in der Batterie- und Kondensatortechnologie mit großem Interesse. Neue Lösungen wie die beschriebene Kondensatorbatterie oder die Festkörperzellen zeigen eindrucksvoll, wie dynamisch sich der Markt entwickelt. Für den E-Bike-Sektor können Verbesserungen bei Zellsicherheit, Energiedichte und Ladezeit einen direkten und spürbaren Einfluss auf das Fahrerlebnis und die Systemarchitektur haben.

Würdet ihr solche Akku-Chemien auch einsetzen?

Festkörperbatterien sind für E-Bikes grundsätzlich besonders interessant, da sie eine höhere Energiedichte, ein geringeres Risiko thermischer Durchgehvorgänge und kompaktere Bauformen versprechen. Sobald eine Technologie industrielle Reife erreicht hat und in hoher Qualität sowie in ausreichenden Stückzahlen verfügbar ist, wird sie auch für unsere Kunden interessant. Letztendlich wird die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Technologie durch den Nutzen für die Anwender getroffen.

Forscht ihr selbst auch an neuen Batterietechnologien?

Wir entwickeln keine eigenen Zellchemien, beschäftigen uns jedoch intensiv mit Batterie-Management, thermischer Regelung und der Integration in das E-Bike-System. Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zielen darauf ab, die Lebensdauer zu verlängern, Ladeprozesse zu optimieren und das Zusammenspiel von Motor, Akku und Display weiter zu verbessern.

Seid ihr mit entsprechenden Partnern im Austausch?

Ja. Wir arbeiten eng mit Zellherstellern, Forschungseinrichtungen und Technologiepartnern zusammen. Diese Kooperationen sind entscheidend, um Fortschritte in Zellchemie, mechanischem Design und Softwareintegration aufeinander abzustimmen, damit neue Technologien sicher und effizient in E-Bikes implementiert werden können.

Generell: Rechnet ihr in den kommenden fünf bis zehn Jahren mit Durchbrüchen bei der Akku-/Zellentechnik?

Wir rechnen mit schrittweisen, aber bedeutenden Fortschritten. Festkörperzellen, Silizium-Anoden-Technologie und Hybridsysteme mit Kondensatoreigenschaften sind vielversprechend. Einen plötzlichen "Quantensprung" erwarten wir jedoch nicht, sondern eine kontinuierliche Optimierung in Kapazität, Gewicht und Sicherheit.

In welche Richtung wird das eurer Meinung nach gehen?

Die Energiedichte wird weiter steigen, gleichzeitig wird es Fortschritte bei Ladegeschwindigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit geben. Wir erwarten eine stärkere Fokussierung auf recyclingfähige Materialien und längere Zelllebensdauern, wodurch sich der CO₂-Fußabdruck der Batterieproduktion und -nutzung insgesamt verringern wird.

Welche Hoffnungen habt ihr in Richtung der Forschung? Womit rechnet ihr?

Wir hoffen, dass die Forschung den Schwerpunkt stärker auf Nachhaltigkeit und Rohstoffunabhängigkeit legt. Etwa durch die Reduzierung des Kobalt- und Nickelanteils bei gleichbleibender oder sogar verbesserter Leistungsfähigkeit.

Wie seht ihr die Kapazitätsentwicklung generell – seht ihr ein Ende des Reichweitenbooms?

Bis zu einem gewissen Grad, ja. Viele Fahrer verfügen heute bereits über mehr Reichweite, als sie im Alltag benötigen. Die nächsten großen Fortschritte werden wahrscheinlich aus schnellerem Laden, höherer Energieeffizienz und leichteren, kompakteren Designs resultieren, nicht aus immer größeren Akkus.

Werden Akkus dann günstiger?

Wir erwarten eine weitere Reduktion der Kosten pro Wattstunde durch Skaleneffekte und effizientere Produktionsprozesse. Allerdings können Schwankungen bei Rohstoffpreisen einen Teil dieser Effekte wieder ausgleichen.

Welche Rolle spielt bei euch ein gemeinsamer Ladestandard, zum Beispiel USB-C?

Standardisierte Schnittstellen vereinfachen die Logistik und erhöhen den Bedienkomfort. Auch wenn USB-C derzeit noch keine speziellen E-Bike-Ladegeräte ersetzen kann, sind einheitliche Steckverbinder und Kommunikationsprotokolle ein wichtiger Schritt zu größerer Kompatibilität und weniger Elektronikmüll.

Können – wie beispielsweise bei DJI – zukünftig mehr Akkus mit höheren Ladeströmen geladen werden?

Ja, das ist realistisch. Fortschritte im Zell-Design, in der BMS-Technologie (Battery Management System] und im Thermomanagement ermöglichen höhere Ladeströme, ohne die Sicherheit oder Lebensdauer der Zellen zu beeinträchtigen.

Hat das in euren Augen überhaupt einen Nutzen?

Die meisten Ladevorgänge finden über Nacht zu Hause statt, hier bringt Schnellladen keinen Vorteil. Anders ist es unterwegs oder wenn das Laden einmal vergessen wurde: Dann kann eine verkürzte Ladezeit Komfort und logistische Vorteile bieten. Da hohe Ladeleistungen jedoch noch die Batterielebensdauer beeinträchtigen können, bleibt das richtige Gleichgewicht zwischen Ladegeschwindigkeit und Lebensdauer entscheidend.