"Aber du bist heute nicht mit dem Fahrrad da, oder?" Diese Frage bekam ich in den letzten Wochen fast täglich von meinen erstaunten Kolleginnen und Kollegen zu hören. Denn es hat geschneit in Hamburg, es wurde vor Schneesturm gewarnt und die Temperaturen sanken auf bis zu -14 Grad. Für viele eigentlich eher ein Grund, die Brotregale im Supermarkt zu plündern und mehrere Tage das Haus nicht zu verlassen. Ich hingegen konnte stolz die Frage an den meisten Tagen mit Ja beantworten. Und genau diese Fahrten haben mir wieder gezeigt: Eigentlich ist Fahrradfahren im Winter schon echt toll!
Tipp: Der Spaß am Winterradeln steht und fällt natürlich nicht nur mit der richtigen Motivation, sondern auch mit passenden Ausrüstung. Wir haben z.B. die besten Winterjacken für Radfahrer getestet und stellen praktische Winter-Gadgets für Radler vor.
5 Gründe fürs Winterradeln

Die Deutschen sind Kälte-Muffel und legen im Winter nur 10,3 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück.
Keine Massen auf den Radwegen
Es ist das ewige Dilemma: Ja, ich möchte, dass möglichst viele Menschen aufs Rad steigen – aber gleichzeitig bin ich auch gestresst davon, wenn alle diese Menschen dann im dichten Innenstadtverkehr vor, neben und hinter mir unterwegs sind. Da sind die doch recht leeren Radwege bei kalten Temperaturen eine echte Wohltat.

Bestes Gefühl: Man sieht die Luft beim Ausatmen, in Winterjacke und Handschuhen ist’s aber perfekt temperiert.
Schöne Kälte statt Schweißausbrüche
Es ist ein unterschätzter Skill, der einiges an Erfahrung voraussetzt: Wie kleidet man sich bei Kälte so, dass man nicht friert auf dem Rad, aber auch nicht nach den ersten Kilometern in Schweiß ausbricht? Mein Motto: Meist muss es nicht so warm sein, wie man denkt. So lasse ich den gemütlichen Wollpulli unter der Winterjacke fürs Fahrradfahren weg und transportiere ihn im Rucksack. Statt dickem Schal reicht mir ein Halstuch und bei der Hose achte ich eher auf Winddichtigkeit statt auf dickes Innenfutter. Wo es hingegen nicht warm und dick genug sein kann sind die Handschuhe!

Für die Räumung von Radwegen sind grundsätzlich die Kommunen zuständig, sie müssen verkehrswichtige Radwege genauso wie Straßen für Autos räumen.
Bei nicht geräumten Radwegen entfällt die Benutzungspflicht
Als sportliche, schnelle Radlerin freue ich mich tatsächlich immer ein ganz kleines bisschen, wenn die kombinierten Fuß- und Radwege in der Hamburger City nicht geräumt sind. Denn dann kann ich ganz legal auf den bestens vom Schnee befreiten Straßen radeln – inklusive der durchdachteren Ampelschaltung und sicher vor uneinsehbaren Grundstücksauffahrten oder verirrten Fußgängern.
👉 Aber ich weiß, dass das nur im innerstädischen Verkehr gilt, wo die Autos nicht schneller als 50 fahren dürfen. Sobald ich die Stadtgrenze überfahre, ist’s ganz schnell vorbei mit der Freude, wenn der Radweg neben der Bundesstraße nicht geräumt ist.

Hach! Ein schöner, verschneiter Sonnenaufgang entschädigt doch für fiese Schneeregen-Fahrten.
Mehr Abenteuer pro Meter
Wer nur im Sommer bei guten Bedingungen radelt, verpasst die einmaligen Aussichten auf die frostigen Winterlandschaften. Bei mir zum Beispiel: Der Sonnenaufgang über der halbgefrorenen Alster, die Schneemann-Paraden auf den Brücken abends ganz für mich allein. Aber natürlich auch: Plötzliches Glatteis-Flächen, die jede Kure zur Balance-Challenge machen. Aber das sehe ich immer als extra Fahrtechnik-Training.

Schöner Nebeneffekt: Winterradeln macht quasi immun gegen Erkältungen.
Man fühlt sich einfach hardcore
Der Wind pustet frischen Schnee gegen den Helm, die Reifen pflügen sicher durch die dünne Schneedecke, in der Thermo-Bekleidung ist’s mollig warm: Das fühlt sich schon gut an, dann auf den Büro-Fahrradparkplatz einzubiegen. Und fit, aufgewärmt und unbehelligt von Bahnausfällen oder Staus in den Arbeitstag zu starten - natürlich mit den Worten: "Ja, ich bin heute wieder mit dem Fahrrad hier."
Fazit: Jetzt erst recht!
Klar, manchmal kann Radfahren bei Schnee und Eis wirklich ätzend sein und bei gefährlichen Straßenverhältnissen MUSS man sich manchmal eine Alternative suchen. Aber: Radfahren in der dunklen und kalten Jahreszeit kann auch bereichernd sein und bringt in jedem Fall einen echten Gesundheits-Booster!





