Waren es nun 1,5 Meter – oder doch weniger? Für viele Autofahrende ist der vorgeschriebene Überholabstand zu Radfahrenden oft schwer einzuschätzen. Genau hier setzt ein neues Fahrassistenzsystem an, das künftig für mehr Klarheit und Sicherheit sorgen soll.
Hintergrund sind weiterhin hohe Unfallzahlen: Allein in Niedersachsen kamen im vergangenen Jahr fast 50 Menschen bei Fahrradunfällen ums Leben. In Hamburg werden laut Stichprobenmessungen des ADFC nur rund die Hälfte aller Überholvorgänge mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Abstand durchgeführt.
BikeDetect wird in Osnabrück entwickelt

Das neue Assistenzsystem wird Bundesverkehrsministerium mit 200.000 Euro gefördert.
Der Mindestabstands-Assistent wird derzeit unter dem Projektnamen BikeDetect an der Universität Oldenburg entwickelt. Das System kombiniert verschiedene Sensortechnologien – darunter 3D-Kameras, Wärmesensoren und Radar – um die Position eines Radfahrer zu erkennen.
Aktuell sind die Sensoren an einer Halterung außerhalb des Fahrzeugs angebracht und erfassen beim Überholen das Umfeld. Eine KI wertet die Daten in Echtzeit aus, unterscheidet zwischen Radfahrenden und anderen Objekten wie parkenden Autos oder Straßenschildern und misst den seitlichen Abstand. Wird der Mindestabstand unterschritten, soll das System Autofahrende frühzeitig warnen.
Das BikeDetect-Projekt lässt sich gut in den wachsenden Bereich der V2X-Technologie (Vehicle-to-Everything) einordnen. Dabei kommunizieren Fahrzeuge nicht nur miteinander, sondern auch mit ihrer Umgebung, etwa Straßeninfrastruktur oder Verkehrsteilnehmern wie Radfahrenden.
Unterstützung statt Sanktionierung
Ziel des Projekts ist es nicht, Autofahrende zu sanktionieren, sondern sie aktiv bei der Einhaltung der Regeln zu unterstützen. "Wir wollen ein Assistenzsystem entwickeln, das hilft, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, welche Überholabstände ausreichend sind – und welche nicht", erklärt Projektleiter Johannes Schering von der Universität Oldenburg dem NDR. Langfristig soll so die Verkehrssicherheit für Radfahrende erhöht werden.
Das Projekt wird für 18 Monate vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit rund 200.000 Euro gefördert. Auch die Stadt Osnabrück ist eingebunden und nutzt die gewonnenen Daten, um besonders problematische Streckenabschnitte zu identifizieren und planerisch zu verbessern.
Markteinführung in rund zwei Jahren geplant
Nach Abschluss der aktuellen Testphase sollen im nächsten Schritt kommunale Fahrzeuge wie Busse oder Müllwagen mit dem System ausgestattet werden. Dadurch erhoffen sich die Entwickler weitere praxisnahe Daten. Verbände wie der ADFC Niedersachsen bewerten das Projekt als wichtigen Baustein für mehr Sicherheit im Radverkehr.
Perspektivisch soll das Assistenzsystem in Zusammenarbeit mit der Autoindustrie weiterentwickelt und innerhalb der kommenden zwei Jahre marktreif gemacht werden. Ziel bleibt dabei klar: mehr Abstand, weniger Konflikte und ein sichereres Miteinander von Auto- und Radverkehr.
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