Dieses Rad hat schon richtig viel erlebt. Und das erklärt auch seinen Namen. Denn auf den ersten Blick erschließt sich nicht, warum ein metallicblau in der Sonne schimmerndes Gravelbike "Red Menace" heißt. Doch ursprünglich war dieses Rad ein rot leuchtender Singlespeed-Cyclocrosser. Aber kaum fertiggestellt, wurde es seinem Erbauer Hahn Rossman im Jahr 2019 gestohlen. Völlig unverhofft fand es zwei Jahre später den Weg zurück – mit gebrochenem Sitzrohr. Also hat Hahn das Rad kurzerhand auseinandergesägt, als Gravelbike neu zusammengebaut und wieder lackieren lassen. "Das ist das Tolle an Stahl. Du kannst es immer wieder verwenden und anpassen", erklärt der international anerkannte Rahmenbauer aus Seattle, der mittlerweile im spanischen Girona wohnt.
Rahmenbauer Hahn Rossman
Normalerweise baut Hahn Fahrräder im Kundenauftrag. Seine Spezialität: sportliche Langstrecken-Rennräder mit Gepäckträger und Lichtanlage, sogenannte Randonneure. So fertigt Hahn regelmäßig wahre Kunstwerke für den Concours de Machines, einen unter Rahmenbauern besonders prestigeträchtigen Wettbewerb.

Der Strom wird vom Nabendynamo direkt an der Achse abgenommen und zu den Leuchten vorne und hinten am Rad transportiert.
Kurz & knapp: Rossman Red Menace
- Stahlrahmen: Rossman Cycles
- Schaltgruppe: Sram Force
- Felgen: Pacenti CL25 (Alu)
- Nabendynamo: SON 28
- Gesamtgewicht: 10,5 kg
- Preis: 7000 Euro
- Website: rossmancycles.com

Hahn Rossman ist über die Mitarbeit am "Bicycle Quarterly"-Magazin zum Rahmenbau gekommen.
Das Red Menace jedoch ist das ganz persönliche Gravelbike des US-Amerikaners. Und natürlich strotzt auch dieses Modell vor technischer Finesse. Vor allem, weil es sich dabei zwar nicht um ein Faltrad, aber doch um ein sehr kompakt zusammenlegbares Fahrrad handelt. "Rinko" nennt sich diese Technik, in die sich Hahn während einer Reise nach Japan verliebt hat. "Um ein Fahrrad in den japanischen Shinkansen-Zügen zu transportieren, muss es sehr klein zusammengelegt und in eine Tasche gepackt werden", erklärt er die Ursprünge dieser Technik. Ein wesentliches Merkmal ist dabei etwa, dass sich die Gabel schnell und einfach aus- und wieder einbauen lässt. Dabei sollte man sich jedoch nach Möglichkeit erstens die Hände nicht verschmutzen. Und zweitens die Stromkabel für die Beleuchtung nicht beschädigen. Entsprechend kommen bei Rinko-Rädern spezielle Lösungen für die Lager und die Kabelverbindungen zum Einsatz.

Der Schriftzug verrät es: Hahn Rossmans Wurzeln liegen im US-amerikanischen Seattle. Nach einem Umweg über Belgien lebt Hahn mittlerweile im spanischen Girona.
Im Gespräch kann Hahn stundenlang fesselnd über jedes noch so kleine Bauteil am Fahrrad referieren. Seine Liebe zum Detail ist beeindruckend. Genau wie Hahns Ansatz beim Bau eines Fahrrads. "Das Fahrgefühl und die Funktionalität sind mir wichtiger als die perfekte Lackierung", verrät er und landet schnell wieder in Japan. Dort diskutierte er einst mit seinem Rahmenbauer-Kollegen Ikuo Tsuchiya über Fahrräder und Philosophie: "Er sagte mir, dass ein Fahrrad für ihn die Manifestation seiner persönlichen Philosophie darstellt." So wurde auch die japanische Kaizen- Lehre wichtig für die Art, wie Hahn Fahrräder baut. Dabei geht es um kleine, fortlaufende Verbesserungen durch ständige Wiederholungen. "Es steht im Gegensatz dazu, etwas Neues zu machen, nur um etwas Neues zu machen", erklärt er.
Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass es Hahn auch auf dem Rad zurückhaltend angehen lässt. So war er etwa Teil der heute fast schon legendären Rapha Continental Rides. Vor allem aber absolvierte er mit seinem Gravelbike einen Teil der Great Divide Mountain Bike Route, also der Strecke der berühmten Tour Divide. Dabei war er mit 50-Millimeter-Reifen und absenkbarer Sattelstütze unterwegs. Denn Hahn ist überzeugt: "Wenn ein Gravelbike keine Dropper-Seatpost hat, ist es doch eigentlich auch nur ein Rennrad!"





