Optisch fast identisch: Warum du den Fehler nicht machen darfst, das falsche Rad zu kaufen.

Stevens: Cyclocrosser gegen Gravel-Racer
Super Prestige Ult vs. Stevens Camino RS Pro Di2

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.10.2026
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Cyclocross war lange da, bevor Gravel zum großen Trend wurde: Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden breiter bereifte Rennräder durch Matsch, Sand und Wiesen gejagt, über Hindernisse getragen und durch enge Kurven gescheucht – maximal eine Stunde lang, auf zuschauerfreundlichen Rundkursen. Der Gravel-Boom etabliert seit gut zehn Jahren eine zweite Offroad-Kategorie, die das Einsatzgebiet deutlich erweitert: Hunderte Rennkilometer über Schotterpisten, mitunter über ganze Kontinente. Episch. Beinhart. Wild.

Die dazugehörigen Wettkampfgeräte Cyclocrosser und Gravel-Racebike sind technisch "brothers from different mothers": Auf den ersten Blick ähneln sie sich stark – leichte Carbon-Rahmen, Dropbar, Scheibenbremsen, breite Reifen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich sehr unterschiedliche Philosophien und Charaktere. Wo genau liegen die Unterschiede? Wie fahren sich die Bikes? Und kann man mit einem Gravel-Racer auch mal beim Cyclocross antreten? Die Fragen beantwortet der direkte Vergleich zweier aktueller Modelle von Stevens: das brandneue Super Prestige Ult als kompromissloser Cyclocross-Racer und das Camino RS Pro Di2 als sportliches Race-Gravelbike.

Stevens Super Prestige Ult

Geometrie und Sitzposition: Wo die Welten auseinanderdriften

Beide Carbon-Rahmen kommen mit sehr ähnlichen Rohrformen: die auf gute Aerodynamik ausgelegten Kammtails an der Front, das voluminöse Unterrohr samt Übergang von der Gabel, Sitz- und Kettenstreben, Gabelscheiden, der charakteristische Sitzknoten – alles scheint aus der identischen Form zu stammen. Allein das Oberrohr unterscheidet sich deutlich: Am Cyclocrosser Super Prestige zeigt es sich abgeflacht und leicht geschwungen, damit das Rad bei Tragepassagen angenehmer zu schultern ist. So sehr sich die beiden Rahmen-Sets optisch ähneln, so deutlich unterscheiden sich die Geometrien und Abmessungen: Der Cyclocrosser ist im Ober-, Steuer- und Sitzrohr sowie im Radstand zwei Zentimeter kürzer, der Sitzwinkel ist 0,5 Grad steiler. Der Vorbau des Gravel-Racers Camino RS Pro ist hingegen zwei Zentimeter kürzer, der Lenker zwei Zentimeter breiter.

So ergeben sich typische Cross- bzw. Gravel-Sitzpositionen: Auf dem Super Prestige sitzt man mit ordentlicher Überhöhung, auf Armen und Vorderrad lastet ein gewisser Druck, das Fahrgefühl, das deutlich geringere Gewicht und die zackige Lenkung erinnern an ein Straßenrennrad – perfekt für kurze, hochintensive Rennen. Die Haltung auf dem Camino RS Pro ist aufrechter, Arme, Nacken und Rumpfmuskulatur werden entlastet, der längere Radstand sorgt für Laufruhe – perfekt für lange Stunden auf Schotterpisten. Dennoch ist der Gravel-Racer kein Schlafwagen: Das Vorderrad reagiert willig auf Lenkbefehle, im Wiegetritt tänzelt das Camino RS Pro fast schon nervös. Die Agilität entsteht durch den kürzeren Vorbau auf hoher Front – für eingefleischte Asphaltjunkies durchaus gewöhnungsbedürftig.

Die Ausstattung unterstreicht die jeweilige Ausrichtung: Der Crosser setzt auf die Straßengruppe Ultegra Di2 mit crossspezifischer Rennübersetzung, einen schmalen Lenker und die obligatorischen 33-mm-Reifen (breitere sind beim Cyclocross nicht zugelassen). Der Gravel-Racer kommt mit der Gravel-Gruppe GRX Di2, die Übersetzung ist breiter abgestuft, um sowohl Meter zu machen als auch leichtfüßig klettern zu können. Der Lenker ist breiter und mit 16 Grad Flare nach außen ausgestellt, die Reifen messen 40 Millimeter. Bei den Laufrädern setzen beide Bikes auf Aero-Hochprofilfelgen.

Stevens Camino Pro RS

Welches Rad für welchen Typ? Das Fazit

Bleibt die Frage: Welches Rad für wen? Wer eher das Fahrgefühl eines Rennrads sucht und bei Wettkämpfen auf kurze, hochintensive, lenkintensive Formate setzt, ist mit einem Cyclocrosser wie Stevens’ Super Prestige gut beraten. Wer den progressiveren Ansatz mit eigenständigerem Handling für hohe Belastungen auf der Langstrecke sucht, sollte sich einen Gravel-Racer wie das Camino RS Pro genauer ansehen. Auch wer seinem eigentlichen Einsatzgebiet mal untreu werden möchte, tut sich mit dem Gravel-Racer leichter: Damit macht die Teilnahme an einem Hobby-Crossrennen durchaus Spaß, auch wenn man gegen die Spezialmaschinen im Nachteil ist. Mit dem Crosser bei einem Gravelrennen zu starten, ist dank der vergrößerten Reifenfreiheit zwar mittlerweile möglich, kann wegen Sitzposition und Rennübersetzung je nach Distanz und Topografie aber zäh werden.

Klar ist: Mit beiden Maschinen hat man abseits asphaltierter Wege sehr viel Spaß. Egal ob im Rennen oder einfach nur aus Freude am Fahren.