Für Fahrradschuhe lässt sich eine Menge Geld ausgeben. 300 Euro und mehr sind keine Seltenheit. Für den Preis gibt es stylishe Produkte, die mit geringem Gewicht aufwarten, sich durch die Art des Verschlusses leicht an den Fuß anpassen lassen und praktische Details bieten. Kann da ein Gravelschuh unter 100 Euro überhaupt mithalten?
Decathlon bietet mit dem Rockrider MTB/ Gravel Race 900 ein Modell für Klickpedal-Systeme an, das mit einer Nylon-Sohle und einem fein einstellbaren HABU-Drehverschluss kommt, der den Schuh an den Fuß einfach anpassen lassen soll. Für sichere Schritte neben dem Gravelbike ist ein griffiges Profil an der Sohle zuständig.

Dass ein preislich günstiger Gravel-Schuh unter 100 Euro, wie der Rockrider MTB/ Gravel Race 900, sich vor High-End-Modellen nicht verstecken muss, beweist er in unserem Test.
Kurz & knapp: Decathlon Rockrider MTB/ Gravel Race 900
- Geeignet für Klickpedalsysteme (SPD,Look,Time,Exustar usw.)
- Nylonsohle
- Farbe: rauchschwarz mit ockergelb
- Größen: 41 – 47
- Gewicht Größe 44 inkl. SPD-Cleats: 800 g/ Paar
- Preis: 94,99 Euro
Den Decathlon Rockrider MTB/ Gravel Race 900 in unserem Partnershop kaufen.
Auf die harte Tour
In "Sie fürchten weder Wind noch Wetter" könnte man den Titel des Films Top Gun ("Sie fürchten weder Tod noch Teufel") für unseren Test abändern. Denn geschenkt haben wir dem Fahrradschuh im Einsatz nichts. Im Gegenteil. Wechselhaftes, kühles Wetter war Standard, aufgeweichter Untergrund an der Tagesordnung. Beste Voraussetzung, einen Gravelschuh in seinem angestammten Terrain zu testen.

Zwar ist eine minimale Verklebung an den Übergängen der Materialien im Fersenbereich zu erkennen, die Verarbeitung ist dennoch top.
Wir haben den Schottertreter in Größe 44 bestellt. Optisch ist kaum ein Unterschied zu hochpreisigen Gravelschuhen zu finden. Im Fersenbereich erkennt man eine Art Verklebung an den Übergängen der abriebfesten Gummi-Verstärkung zum Oberflächenmaterial. Die fällt nicht ins Gewicht. Eine Gummi-Verstärkung befindet sich ebenso am Vorderfuß. Im Test zeigte sich diese als robust, um den Schuh bspw. auf Hike-Passagen vor Beschädigungen zu schützen. Das in der Preisklasse übliche, leicht erhöhte Gewicht spielte auf den Touren keinerlei Rolle.
Dünne, dezente und ockergelbe Linien verzieren den Schuh im hinteren Bereich, der Vorderfuß ist schwarz. Das Material weist eine gute Festigkeit auf, die weiche Zunge ist auf der Oberfläche mit einer netzartigen Struktur versehen. Kurzzeitiger Nieselregen waren kein Problem für den Rockrider Gravel Race 900, generell ist der Schuh nicht wasserfest, wie Decathlon selbst angibt. Bei Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad blieben die Füße überraschenderweise wärmer als vermutet. Prima: Die Reinigung nach der Ausfahrt mit einem feuchten Lappen geht leicht von der Hand.
Am oberen Ende der Zunge befindet sich ein sehr dünner Stoffabschluss, der sich eng an den Fuß schmiegt. Der ist so dünn, dass er durch die Bewegungen im Fußgelenk bereits nach kurzer Zeit Gebrauchsspuren aufweist.

Es muss nicht unbedingt Carbon sein, auch die verwendete Nylon-Sohle bietet große Steifigkeit. Das Stollenprofil ist jedoch etwas zu schmal geraten und kann auf glattem Untergrund, wie Hausflurfliesen, rutschig wirken. Prima: der abriebfeste Gummi-Schutz sowie die weiche Zunge und das leicht zu pflegende Obermaterial.
Habu-Fit-System
Habu-Fit-System? Nie gehört? Unbekannt ist dieser Drehverschluss nicht, ist er doch eine Entwicklung von BOA und bringt somit eine hohe Kompetenz in Sachen Technik mit. In der Praxis zeigte sich der Verschluss als hervorragend an den Spann anpassbar. Auch, wenn nur ein Drehverschluss vorhanden ist, ist ein fester Sitz gewährleistet. Bei hoher Intensität beim Fahren kann der ein oder andere Fahrer jedoch einen zweiten Drehverschluss am Spann zur optimierten Anpassung vermissen.

Einwandfrei: Der Habu-Drehverschluss lässt sich fein einstellen, die optimale Anpassung an den Fuß gefällt.
Der Gravelschuh entpuppte sich von Anfang an trotz des äußerlich schmalen Aussehens besonders im Zehenbereich als sehr bequemes Produkt seiner Zunft. Kein Drücken, kein Zwacken, auch nicht am angenehm dick gepolsterten Fersenbereich mit angerautem Innenfutter.
Die herausnehmbare Innensohle ist sehr dünn und weich und bietet keinerlei Verstärkung oder Unterstützung für den Fuß. Wer darauf angewiesen ist, kann die Einlegesohle schnell austauschen. Im Zehenbereich ist sie zur besseren Atmungsaktivität perforiert.

Die Einlegesohle ist sehr dünn, eine Unterstützung für den Fuß fehlt gänzlich.
Die Nylon-Sohle zeigt erfreulicherweise eine hohe Steifigkeit und braucht sich gegenüber höherpreisigen Artgenossen nicht zu verstecken. Das erhöhte Stollenprofil ist im Gelände gut griffig. Schade: Durch das schmale Design der einzelnen Stollen bietet der Schuh wenig Aufstandsfläche, zum Beispiel beim Heruntertragen des Bikes in den Fahrradkeller. Trotz der feinen Rillen im Profil kann es auf Fliesen im Hausflur oder auf nassen, glatten Untergründen durchaus rutschig werden. Unser Tester ertappte sich dabei, zur Vorsicht eher wie auf rohen Eiern im Hausflur zu laufen.
Fazit
Es muss nicht der superteure Fahrradschuh sein. Decathlon zeigt mit dem Rockrider MTB/ Gravel Race 900 beeindruckend, wie es zu einem günstigen Preis ein modernes Design und Top-Komfort im Gelände geben kann. Überzeugend sind der Drehverschluss, die steife Nylon-Sohle sowie der hohe Tragekomfort. Kleine Mankos sind vorhanden, ja, aber diese Kompromisse kann man ohne Bedenken eingehen. Unser Preis-Leistungs-Tipp.
hoher Tragekomfort
hochwertiger Drehverschluss
steife Nylon-Sohle
Oberfläche leicht zu reinigen
Verarbeitung
hält kurzen Nieselregen stand
sehr fairer Preis
zweiter Drehverschluss fehlt unter Umständen
Innensohle weich und ohne Fußunterstürtzung
rutschiges, schmales Sohlenprofil





