Wer baut das beste Mountainbike der Saison? Diese Frage haben wir uns mit Blick auf die Mountainbike-Weltmeisterschaften 2026 gestellt. Die Antwort soll ein direkter Vergleich liefern: Sechs Racebikes aus den Kategorien Downhill, Enduro und E-MTB treten in insgesamt drei Duellen gegeneinander an. Hier geht's zu Teil 1 unseres Tests, dem Downhill-Duell.
WM-Bikes im Test Teil 2: Kategorie Enduro
Lose Felsen, ruppige Naturtrails, schnelle Kurven: Bei der Enduro-WM (16. bis 18. Oktober 2026) in Finale Ligure müssen Mensch und Material ans Limit. Doch welches Bike bringt auf anspruchsvollen Abfahrten die nötigen Reserven mit, ohne auf den Transfers zur Last zu werden?
Wir haben zwei völlig unterschiedliche Enduros getestet: das Cannondale Bad Habit, mit dem Ella Conolly den Weltcup gewann, und das deutlich günstigere Radon Jab aus dem deutschen Enduro-Team. Beide versprechen Fahrspaß auf dem Trail – doch welches Konzept überzeugt mehr?
Das komplette Duell gibt's im Video
Im Video zeigen wir die beiden Bikes im Detail, erklären die technischen Unterschiede und nehmen euch mit auf die Teststrecke.
Radon Jab 9.0: preiswert, potent, überraschend verspielt

Für ruppige Trails: Das Jab vermittelt viel Kontrolle und bleibt auch bei hohem Tempo berechenbar. Die Team-Version bietet mit ihrer 170-Millimeter-Gabel zusätzliche Reserven.
Kaum eine Disziplin kämpft derzeit so um ihre Zukunft wie der Enduro-Weltcup. Zahlreiche Topfahrer beendeten nach der vergangenen Saison ihre Karriere, viele Hersteller zogen ihr Werksengagement zurück. Umso erfreulicher ist es, dass der Bonner Versender Radon weiterhin mit einem rein deutschen Team auf höchstem Niveau antritt. Rund um Teamleader Max Pfeil sowie Silja Geck, Chris Löffler und Maurice Wilder geht das Team bei ausgewählten Weltcup-Stopps und der Weltmeisterschaft in Finale Ligure an den Start.
Als Arbeitsgerät dient ein eigens lackiertes Radon Jab, das je nach Strecke als Mullet oder Full-29er eingesetzt wird. Die Parts stammen von Sponsoren wie SR Suntour, Magura, Schwalbe und Newmen. Besonders interessant: Während das Serienbike mit einer 160-mm-Gabel ausgestattet ist, setzt das Team auf die längerhubige 170-mm-Durolux von SR Suntour.
Serienmodell startet schon ab 3499 Euro

Die auffällige Teamlackierung bleibt den Profis vorbehalten. Das Serienmodell rollt in einer schlichteren Farbvariante zum Kunden.
Das Jab ist zwar nicht exakt in Teamkonfiguration erhältlich, der Carbonrahmen bildet jedoch die Basis aller Modelle, die bereits ab 3499 Euro starten. Auch technisch hat das Jab einiges zu bieten. Besonders auffällig ist das ungewöhnliche Staufach im Unterrohr, dessen Klappe per Drehrad abgesenkt wird.Ebenso überzeugen die zahlreichen Gummiprotektoren, die Rahmen und Kettenstreben zuverlässig vor Steinschlägen, Kettenschlagen und Aufsetzern schützen.
Ausgewogene Geometrie fällt auf

Das Staufach öffnet Radon über einen BOA-ähnlichen Drehverschluss – praktisch gelöst.
Wir konnten sowohl das Team-Bike als auch das serienmäßige Jab 9.0 auf den anspruchsvollen Enduro-Strecken im Bikepark Leogang fahren. Schon nach wenigen Metern fällt die ausgewogene Geometrie auf. Mit 445 mm langen Kettenstreben, moderat langem Reach von 480 mm und hohem Stack von 657 mm steht man leicht hecklastig im Rad und dirigiert das Jab präzise über das Hinterrad. Gleichzeitig bleibt die Front angenehm leicht und lässt sich spielerisch auf die "Highline" umsetzen.
Bei hohem Tempo vermittelt das Team-Bike mit seiner steiferen und längerhubigen Durolux-Gabel spürbar mehr Reserven und Laufruhe. Die serienmäßige Lyrik Select+ arbeitet komfortabel und spricht sensibel an, erreicht in schnellen, ruppigen Passagen aber nicht ganz das Niveau der aktuellen Lyrik Ultimate mit Linear-XL-Technologie oder der Teamgabel.
Viel Kontrolle und berechenbares Fahrverhalten

Serienmäßig verlaufen die Leitungen durch den Steuersatz. Alternativ ist auch eine wartungsfreundlichere Führung durchs Steuerrohr möglich.
Auch das Heck zeigt Unterschiede: Der Stahlfederdämpfer des Team-Bikes generiert noch etwas mehr Traktion, wirkt auf Sprüngen allerdings etwas weniger lebendig als der Luftdämpfer des Serienbikes. Erst in harten Bremswellen offenbart der Hinterbau leichte Verhärtungstendenzen. Ansonsten überzeugt das Jab mit viel Kontrolle und einem berechenbaren Fahrverhalten.
Die Ausstattung des Serienbikes fällt funktional aus: GX-Schaltung und Magura-MT5-Bremsen verrichten zuverlässig ihren Dienst, nur die Vario-Stütze hat mit 150 mm zu wenig Hub. Exklusivere Parts trägt das Team-Bike mit Sram X0 Transmission, Magura- MT7-Bremsen und hochwertigen Newmen-Laufrädern. Erfreulich: Das Jab bleibt auf den Transfers äußerst antriebsneutral und klettert überraschend effizient.
Fazit: Jab 9.0 überzeugendes Race-Enduro
Unterm Strich präsentiert sich das Radon als ehrliches Race-Enduro mit hoher Fahrstabilität, cleveren Detaillösungen und heckorientiertem Handling. Das Team-Setup setzt beim Fahrwerk zwar noch etwas mehr Reserven frei, doch bereits das Serienbike liefert eine überzeugende Basis für ambitionierte Enduro-Fahrer*innen.
ausbalanciertes Fahrwerk
Lebendiges Fahrgefühl ermöglicht schnelle Anpassungen der Linie
hohe Front bietet Sicherheit
Heck verhärtet im Anbremsen leicht
Rahmenstaufach ist im direkten Matsch-Beschuss platziert
kurze Sattelstütze
Testurteil: Sehr gut
Radon Jab 9.0 Specs
- Preis: 3499 Euro
- Gewicht: 15,2 kg
- Max. zulässiges Gesamtgewicht: 115 kg
- Rahmen: Carbon
- Größen: S, M, L, XL
- Federweg: 160/160mm
- Federgabel: Rock Shox Lyrik Select Plus
- Federbein: Rock Shox Vivid Select Plus
- Schaltung & Antrieb: 1 x 12 Gänge, 30 : 10–52 Zähne, Sram-GX-Schaltwerk, -Hebel,-Kassette und -Kurbel
- Bremsen: Magura MT5 (203/203 mm)
- Laufräder: DT Swiss E1900
- Reifen: Maxxis Assegai/Minion DHR2 Maxx Grip/Maxx Terra Exo+ 29 x 2,5"/2,4"
- Sattelstütze: Radon (150 mm)
- Cockpit: Raceface Aeffect R/Chester
Cannondale Bad Habit 1: Das Bike von Weltcup-Siegerin Ella Conolly

Erfolgsrezept mit weniger Federweg: Mit 155 Millimetern Federweg am Heck gewann Ella Conolly den Enduro-Gesamtweltcup.
Ein All-Mountain im Enduro-Weltcup? Was zunächst ungewöhnlich klingt, brachte Ella Conolly (GBR) in der vergangenen Saison den Gesamtweltcupsieg. Statt auf ein klassisches Race-Enduro vertraut die von Cannondale unterstützte Britin auf das Bad Habit mit "nur" 155 mm Federweg am Heck. Für den Renneinsatz rüstet sie ihr Bike allerdings auf: Anstelle der serienmäßigen 160-mm-Lyrik kommt eine 170-mm-Zeb zum Einsatz, hinten arbeitet ein Stahlfederdämpfer in Kombination mit einem Ochain-System. Zudem fährt Conolly ein elektronisches Rock-Shox-Fahrwerk.
Ungewöhnlich tiefe Front

Die am Oberrohr montierte One-Up-Pumpe beherbergt ein Multitool im Griffstück. Perfekt für die schnelle Reparatur nach der Stage.
Unser Testbike für 8999 Euro setzt auf die batterielose Kombination aus Lyrik Ultimate und Vivid Ultimate. Praktisch: Am Oberrohr sitzt eine One-Up-Pumpe mit integriertem Minitool – ideal für schnelle Reparaturen zwischen den Stages. Wer sich Ellas Racebike nachbauen möchte, bekommt alternativ ein Frameset für 3499 Euro. Schon beim Aufsteigen fällt die ungewöhnlich tiefe Front auf.
Obwohl der Stack auf dem Papier kaum von der Konkurrenz abweicht, sorgt der stark gekürzte Gabelschaft für eine sportlichere Frontpartie. Zusammen mit dem Mullet-Setup verleiht das dem Bad Habit ein verspieltes Handling. Richtungswechsel gelingen spielerisch, enge Kurven nimmt das Bike mit Leichtigkeit.
Größte Stärke des Cannondale ist das Fahrwerk

Wer mehr als Pumpe und Multitool auf den Trail mitnehmen möchte findet im gelungenen Unterrohr-Staufach Platz.
In sehr steilen und verblockten Passagen fehlt allerdings etwas die Ruhe, um kompromisslos geradeaus durchs gröbste Gelände zu pflügen. Seine größte Stärke spielt das Cannondale im Fahrwerk aus. Die Lyrik Ultimate spricht äußerst sensibel an und filtert Bremswellen sowie Schläge beeindruckend effektiv heraus.
Selbst nach langen Abfahrten bleiben Arme und Hände angenehm frisch – ein echter Vorteil auf Enduro-Stages. Gleichzeitig bietet das Fahrwerk viel Gegenhalt und Progression. Das Bad Habit lädt dazu ein, Wellen aktiv mitzunehmen. Auch auf den Transfers überzeugt das Cannondale. Es pedaliert nahezu antriebsneutral und bietet eine angenehm komfortable Sitzposition.
Fazit: Wendiges, verspieltes Bike mit starkem Fahrwerk
Das Bad Habit zeigt eindrucksvoll, warum Ella Conolly damit selbst gegen klassische Race-Enduros um Weltcupsiege kämpfen kann.
sehr wendig und verspielt
sehr feinfühliges, stark dämpfendes Fahrwerk
durchdachte Rahmenschützer
tiefe Front hemmt Sicherheitsgefühl im Groben
vorgekürzter Gabelschaft eher kurz
Testurteil: Sehr gut
Cannondale Bad Habit 1 Specs
- Preis: 8999 Euro
- Gewicht: 15,8 kg
- Rahmen: Carbon
- Größen: S, M, L, XL
- Federweg: 160/155 mm
- Federgabel: Rock Shox Lyrik Ultimate Charger 3.2
- Federbein: Rock Shox Vivid Ultimate
- Schaltung & Antrieb: 1 x 12 Gänge, 30 : 10–52 Zähne, Sram-X0-Transmission-AXS-Schaltwerk, -Pod,-GX-Kassette und -Eagle-90-Kurbel
- Bremsen: TRP Evo Pro (223/203 mm)
- Laufräder: Reserve 30 HD AL
- Reifen: Continental Kryptotal F/R Enduro Soft 29 x 2,4"/27,5 x 2,4"
- Sattelstütze: One Up Dropper V3 (210 mm)
- Cockpit: One Up Alloy
Im nächsten Duell treten zwei E-Enduro-Bikes aus dem WM-Umfeld gegeneinander an. Danach folgt der Vergleich der E-MTB-Racebikes. Abonniere am besten direkt unseren Newsletter und du verpasst die nächsten Teile garantiert nicht!





