Seit einigen Jahren erleben Lenkungsdämpfer im Mountainbike-Sport eine Art Comeback. Sie sollen die Kontrolle verbessern und Schläge am Lenker reduzieren. Mittlerweile ist das Thema zwar nicht mehr so präsent wie zu Beginn, dennoch findet sich das von Syntace-Mastermind Jo Klieber entwickelte K.I.S.-System an ausgewählten Trail-, Enduro- und DH-Modellen von Canyon. Parallel dazu setzen Weltcup-Profis auf hydraulische Lenkungsdämpfer der australischen Tuning-Schmiede Pademelon. Wir haben uns angeschaut, wie die Systeme funktionieren und welche Vorteile sie auf dem Trail bieten.

K.I.S setzt auf zwei Federn im Oberrohr, die mit dem Gabelschaft verbunden sind. So ziehen sie den Lenker in eine gerade Ausgangsposition.
K.I.S.: Keep It Stable
Das von Jo Klieber entwickelte Keep-it-Stable-System wurde gemeinsam mit Canyon weiterentwickelt und 2022 erstmals in ausgewählte Serienbikes integriert. Federn und ein Kunststoffband im Oberrohr ziehen den Lenker zurück in die Geradeausstellung. Über einen kleinen Schieber lässt sich die Vorspannung individuell anpassen. So wird der Lenker mit mehr oder weniger Nachdruck in die Mittelposition zurückgezogen. Im eigentlichen Sinne ist K.I.S. also kein Lenkungsdämpfer: Das System dämpft die Lenkbewegung nicht, sondern zieht den Lenker zurück in die Geradeausstellung. Laut Canyon soll das Handling dadurch vorhersehbarer und kontrollierter werden.

Pademelon ist eine kleine Bike-Tuningschmiede aus Tasmanien. Der Steering Damper CS.1 schafft es sogar auf die große Weltcup-Bühne und an einige Bikes der Profis in Downhill und Enduro.
Pademelon CS.1 Steering Damper
Hinter dem Pademelon CS.1 steckt Jeremiah Boobar, ehemaliger Produktmanager bei Rock Shox und langjähriger Leiter des Black-Box-Renn- und Entwicklungsprogramms der Amerikaner. Die Konstruktion des CS.1 ist konsequent hydraulisch. Der Dämpfer sitzt fest montiert im Gabelschaft, ersetzt die Gabelkralle und wird über spezielle Lagerschalen mit dem Rahmen verbunden – die Montage ist aufwendig, gelingt aber dank Anleitung und Videos auf der Website mit etwas Know-how problemlos. Die Dämpfung greift nur bis zu einem Lenkeinschlag von jeweils 37,5 Grad. Darüber hinaus bleibt die Lenkung frei, sodass sich auch enge Kurven ungehindert fahren lassen. Die Dämpfungsstärke lässt sich außen am Dämpfer feinjustieren, während die Rückstellbewegung ungedämpft erfolgt.

Zwei Systeme, unterschiedliche Technik und verschiedene Funktionen. Wie schlagen sich die Lenk-Helferchen im Vergleich?
Vergleich: K.I.S. vs. Pademelon CS.1
Im Geradeauslauf bieten beide Systeme mehr Komfort und Kontrolle. K.I.S. wirkt in Kurven verspielter: Gezielte Lenkimpulse ziehen das Hinterrad in die Kurve und erleichtern kontrollierte Drifts. Auch auf Off-Camber-Passagen hilft es, die Linie zu halten. Das Pademelon beruhigt das Bike stärker und führt das Heck präziser, macht Drifts aber weniger leicht. An seine Wirkung gewöhnt man sich etwas schneller, während K.I.S. bei Sprüngen weniger stört. Sprich: Beide Systeme sorgen für ein eigenständiges Fahrgefühl und verbessern die Verbindung zwischen Front und Heck, sprechen jedoch unterschiedliche Fahrertypen an. Der große Vorteil des Pademelon ist seine vergleichsweise unkomplizierte Nachrüstbarkeit. Das CS.1 kostet 499 Euro plus rund 100 Euro für das passende Montage-Kit samt Lagerschale. Das System bringt etwa 200 g auf die Waage. Auch Jo Klieber bietet ein K.I.S.-Nachrüstkit an, für viele Bike-Modelle müssen jedoch zunächst passende Halteplatten konstruiert und im 3D-Druck gefertigt werden. Dafür ist das System mit rund 110 Gramm leichter und ab 259 Euro deutlich günstiger. Übrigens setzen im Profisport bislang nur vereinzelt Fahrerinnen und Fahrer auf eines der beiden Systeme.
K.I.S. im Überblick
- Preis: serienmäßig bei ausgewählten Canyon Bikes; Nachrüstkit ab 259 Euro
- Gewicht: ca. 110 g (Herstellerangabe)
- Einsatzbereich: abfahrtsorientierte Trail- und Endurobikes
- Einstellung: Vorspannung der Feder, stufenlos per Schieber
- Montage: werkseitig verbaut, Nachrüstoption über Jo Klieber
- Besonderheiten: keine klassische Dämpfung, sondern Rückstellfeder für die Lenkachse
Pademelon CS.1 im Überblick
- Preis: 499 € zzgl. 100 € für Mounting-Kit und Lagerschalen
- Gewicht: ca. 200 Gramm Zusatzgewicht
- Einsatzbereich: kompatibel für Einfach- und Doppelbrücken-Gabeln
- Einstellung: stufenlos über Drehregler am Dämpfer
- Montage: als Nachrüstlösung über spezielle Steuersatzschalen (Rahmen-Kompatibilität beachten!)
- Besonderheiten: hydraulische, progressiv wirkende Dämpfung; 35° Lenkwinkel je Seite
Fazit: Steering Damper für alle?
Sind Lenkungsdämpfer also das nächste große Ding? Wie so oft lautet die Antwort: Jein. Experimentierfreudige Fahrer, die das technische Optimum suchen, können an beiden Lösungen Gefallen finden – sofern das System zu ihrem Fahrstil passt. K.I.S. ist bislang nur an wenigen Bikes serienmäßig verbaut und verlangt etwas Eingewöhnung. Dafür verbessert es die Spurtreue auf Off-Camber-Passagen, lässt das Bike in Kurven verspielt wirken und stört bei Sprüngen weniger. Das ungewohnte Fahrgefühl und die eingeschränkte Nachrüstbarkeit dürften allerdings nicht jedem zusagen. Der Pademelon Steering Damper lässt sich an deutlich mehr Bikes nachrüsten. Er beruhigt das Vorderrad auf rauem Untergrund, steigert Komfort und Lenkpräzision und lässt sich schnell an Strecke und Fahrstil anpassen. Dafür ist er schwerer und teurer; zudem kann die Dämpfung bei schnellen Richtungswechseln oder in Flugphasen stören. Eine Revolution für alle sind beide Systeme nicht – wohl aber spannende Tuning-Lösungen mit einem spürbaren Plus an Kontrolle.





