Bulls Grinder EVO SX im Test: E-Gravelbike für die Masse?

Bulls Grinder EVO SX im Test
Alu-E-Gravelbike mit SX-Power

ArtikeldatumVeröffentlicht am 31.08.2025
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Auch wenn wir das Thema zuletzt schon angerissen haben: Gravelbikes sind spätestens seit der Corona-Pandemie der Hit in der Fahrradlandschaft, alleine 2024 machten die Zwitter aus Mountainbike und Rennrad rund 6,5 Prozent Marktanteil im deutschen Radhandeln aus. Und die Tendenz? Dürfte weiter steigen, nicht zuletzt auch wegen immer besser werdenden E-Gravelbikes. Im August hatten wir uns bereits die im High-End angesiedelten Bikes von Ridley und Rondo angesehen. Mit dem nun getesteten Bulls Grinder EVO SX kommt nun jedoch ein mit auf derzeit 3799 Euro reduziertes, eher preisgünstiges Modell in den Test. Noch günstigere E-Bikes haben wir hier in der Test-Zusammenfassung.

Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur und E-Bike-Experte

Kurz & knapp: Bulls Grinder EVO SX

  • E-Gravelbike mit Bosch-SX-Motor
  • 55 Nm stark, bis zu 600 Watt Spitzenleistung
  • 400-Wh-Akku integriert, optional Range-Extender (250 Wh)
  • Alu-Rahmen mit Carbon-Gabel, eher aufrecht denn sportiv
  • drei Modelle (Trail, Vollausstattung, Sportiv)
  • ab 4199 Euro (Sportiv, Testrad)

Alu-Rahmen mit Bosch Light-Motor

Im Bulls steckt Boschs "Light"-Antrieb namens Performance Line SX. Größter Unterschied zum "großen Bruder" CX ist die Leistung: 55 Nm und 600 Watt leistet der kleine Mittelmotor in der Spitze, ab Herbst steigert sich das Drehmoment per kostenlosem Firmware-Update auf 60 Newtonmeter. 400 Wattstunden fasst der interne, per Klappe aus dem Unterrohr nach vorne entnehmbare Akku. Das klingt – verglichen mit "Full-Size"-E-Bikes nach wenig, ist es in der Klasse aber gar nicht. Denn: E-Gravelbikes verstehen sich als sportliche E-Bikes, volle Unterstützung gibt es höchstens im Turbo. Der Motor soll buchstäblich nur unterstützend wirken, ein kleiner Akku hält das Gewicht zudem gering. Welcher Akku zu dir passt, sagen wir dir hier. Dass das klappt, zeigt auch das Gewicht auf der Waage: rund 19 Kilo sind für ein Alu-E-Gravelbike durchaus respektabel, zumal für den Preis. Leichtere Modelle kosten oft ein vielfaches mehr.

Bereit fürs Bikepacking

Zwei Flaschenhalter, extra Schraubpunkte unter dem Oberrohr und an der Gabel – das Grinder EVO SX schmeichelt Bikepackern mit reichlich Platz für Accessoires. Dazu gesellt sich beim in drei Größen (M bis XL) erhältlichen Alu-Rahmen eine vergleichsweise "fettes" zulässiges Gesamtgewicht von 135 Kilo. Zieht man 19 Kilo Radgewicht davon ab, kann man also mit Fahrer und Gepäck immerhin 116 Kilo zuladen. Das sollte auch für XL-Piloten ausreichen. Ansonsten ist die Ausstattung guter Standard: geschaltet wird mit einem GRX-Mix von Shimano, die recht hochwertigen Reifen stammen von Schwalbe und sind gute Allrounder für trockene Bedingungen, ein integriertes Rücklicht gehört zum Standard. So weit, so gut.

Im Alltag gefahren: Bulls Grinder Evo SX

Und Abfahrt! Wie bereits das zuvor getestete Ridley E-Grifn ist auch das Bulls eher ein Tourer, denn eine Rennpfeile. Man sitzt nicht super-sportlich gestreckt, sondern eher touristisch-aufrecht. In unseren Augen passt das prima zum Konzept, da man so auch ohne Rückenschmerzen fröhlich Meter machen kann. Spritzig ist das Rad aber nicht, das Bulls fährt lieber stoisch geradeaus, als auf simplen Trails zu brillieren. In unseren Augen geht die Performance aber voll in Ordnung.

Dazu passt insgesamt auch der kleine Kraftmeier aus Stuttgart. Der SX ist kein Drehmoment-Wunder aus dem Keller heraus wie sein Konzernbruder CX, sondern verlangt spürbar mehr Eigeninitiative. Unter 70 Kurbelumdrehungen in der Minute passiert erstaunlich wenig, erst jenseits der 80 schiebt der SX mächtig nach vorn. Das beflügelt auch weniger sportliche Piloten zu ungeahnten Höhenflügen, zerrt aber mächtig am Akku und wirkt bisweilen etwas zu ambitioniert, denn richtig feinfühlig fährt er sich nicht. Gerade im Nassen ist die Kombi aus spitzem Motor-Leistungs-Profil und den eher für's Trockene gebauten, 45 mm breiten Schwalbe G-One Bite etwas überfordert. Mit dem Touren-Modus fährt man das Bulls spürbar stromsparender und nur wohltuend weniger spritzig, den Trail oder gar den Turbo-Modus würden wir nur in Ausnahmefällen nutzen.

Und die Peripherie? Infotainment-Freunde werden ein richtiges Display vermissen, Puristen sich hingegen über das dezente LED-Multifunktionsband auf dem Oberrohr freuen. Als grobe Info-Ebene reicht das, zur Not muss man mit der App den genauen Akkustand auslesen. Immerhin: Ein Rücklicht ist in den Kettenstreben eingelassen, per Monkey-Link-Schnittstelle kannst du ein Frontlicht mit dem internen Akku speisen. Warum das nicht in Serie dabei ist, weiß aber nur Bulls selbst – in unseren Augen ist das heutzutage ein unabdingbares Standard-Feature.

Schaltung und Bremse sind wie von Shimano gewohnt erste Sahne. Bulls setzt wie erwähnt auf Shimanos Gravelgruppe-GRX, setzt diese aus den günstigen RX600-Hebeln und einem 812er-Schaltwerk, was analog zu den Rennradgruppen 105er- und Ultegra-Niveau entspricht, zusammen. Ein zweites Kettenblatt haben wir beim großen 42er-Ritzel nicht vermisst. Einzig die 160er-Hinterradbremse würden wir im Bikepacking-Einsatz oder bei schweren Piloten gegen eine 180er tauschen.

Die Zuladung ist für die Klasse vergleichsweise reichlich und macht die Anschraubpunkte an Gabel und Rahmen zu mehr als nur einer schönen Zierde. Gefreut haben wir uns außerdem über den gut entnehmbaren Akku, so muss das Rad nicht in der Wohnung parken, wenn der Stromspeicher mal leer ist.

Test-Fazit: Bulls Grinder Evo SX

👍 Das gefällt

  • robuster Alu-Rahmen ...
  • ... mit vielen Anschraubpunkten
  • kräftiger Motor, tadellose Zuladung
  • Akku-Ausdauer völlig ausreichend
  • robuste Ausstattung ...

👎 Das weniger

  • ... Frontlicht kostet aber extra
  • Motor-Abstimmung vergleichsweise sportlich
  • im Gegensatz zur Konkurrenz kein Leichtgewicht
  • Alu-Rahmen mit deutlich sichtbaren Schweißnähten

💗 Das perfekte Rad für ...

  • preisbewusste (E-) Gravelbiker die einen kreuzstabilen Alltagsbegleiter suchen