Fahrrad kaufen war gestern? Diese Zahlen zeigen, warum immer mehr Menschen lieber leihen

Fahrrad kaufen war gestern?
Diese Zahlen zeigen, warum immer mehr Menschen Räder lieber leihen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.10.2026
Als Favorit speichern
Reife Frau im Urlaub und Mieten eines E-Bikes, um Barcelona zu erkunden.
Foto: RgStudio / Getty Images

Ein Fahrrad kaufen, selbst reparieren und irgendwann wieder verkaufen? Das muss nicht sein. Bikesharing, Mieträder und Fahrrad-Abos bieten Alternativen zum eigenen Rad – und könnten den Zugang zum Fahrradfahren für viele Menschen erleichtern. Wie groß der Markt inzwischen ist, zeigt eine neue Erhebung des Branchenverbands Zukunft Fahrrad. Erstmals berücksichtigt die Untersuchung neben Sharing-Angeboten und privaten Abos auch gewerbliche Fahrrad-Abos sowie touristische Mieträder in einer wichtigen Urlaubsregion.

Mehr als 100.000 Sharing-Räder in Deutschland

Die Zahlen zum Stichtag 1. September 2026 zeigen, wie vielfältig der Markt für Fahrräder zum Ausleihen und Abonnieren inzwischen ist:

  • 102.550 Bikesharing-Räder stehen bundesweit öffentlich zur Verfügung.
  • 98.000 Fahrräder sind über private Abonnements im Einsatz.
  • 12.500 bis 14.000 Fahrräder werden gewerblich über Abomodelle genutzt.
  • 35.000 bis 40.000 touristische Mieträder gibt es allein an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.

Während die Zahl der Bikesharing-Räder gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen ist, verzeichneten private Fahrrad-Abos einen leichten Rückgang. Die gewerblichen Abos und touristischen Mieträder wurden erstmals in die Erhebung aufgenommen. Ein vollständiges Bild des Gesamtmarktes lässt sich daraus noch nicht ableiten, insbesondere weil die Datenlage bei touristischen Vermietungen bislang lückenhaft ist.

"Fahrräder zum kurzfristigen Leihen oder im monatlichen Abo sind attraktive Mobilitätsangebote mit großem Potenzial", sagt Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad. Anbieter von Sharing-, Abo- und Mieträdern seien deshalb ein wichtiger Teil der deutschen Fahrradwirtschaft.

Sieben Fahrten pro Tag und Rad

KVB-Rad wird mit einer Chipkarte entliehen
KVB-Rad

Wie erfolgreich Bikesharing sein kann, zeigt das Kölner KVB-Rad. Im ersten Halbjahr 2026 kam jedes Rad durchschnittlich auf sieben Fahrten täglich. Insgesamt wurden 2,88 Millionen Fahrten gezählt.

Besonders gut funktioniert Bikesharing, wenn es mit Bus und Bahn verknüpft ist. So können Leihfahrräder beispielsweise die letzte Strecke vom Bahnhof bis zum Ziel überbrücken.

Fahrrad-Abo statt teurem Kauf

Bei Fahrrad-Abos zahlen Nutzer eine monatliche Gebühr. Je nach Anbieter sind Wartung und Reparaturen bereits enthalten. Das macht die Nutzung planbarer und kann den Zugang zu hochwertigen Fahrrädern erleichtern, ohne dass eine hohe Anschaffungssumme auf einmal fällig wird.

Auch Familien können profitieren: Kinder wachsen schnell aus ihren Rädern heraus. Mietmodelle ermöglichen, Fahrräder zurückzugeben, aufzubereiten und an andere Familien weiterzugeben.

Leasing-Rechner: Lohnt sich ein Fahrrad-Abo für mich?

Ob sich ein Abo finanziell lohnt, hängt von Preis, Laufzeit und Serviceleistungen ab. Wer sein Fahrrad viele Jahre nutzt und Reparaturen selbst übernimmt, fährt mit einem Kauf möglicherweise günstiger. Wie viel Geld du mit Fahrrad-Leasing tatsächlich sparst, hängt von deinem Einkommen, dem Kaufpreis des Rades und den Konditionen deines Leasingvertrags ab. Unser Leasing-Rechner zeigt dir, wie hoch deine monatliche Rate ausfällt und wie viel du gegenüber dem Direktkauf sparen kannst.

Mieträder für Lieferdienste und Urlaub

Gewerbliche Fahrrad-Abos richten sich vor allem an Lieferdienste. Die Räder werden intensiv genutzt, Wartung und Reparaturen können im Vertrag enthalten sein. Zukunft Fahrrad sieht darin auch eine Alternative zu illegal motorisierten Fatbikes, die teilweise nicht verkehrssicher sind.

Im Urlaub ermöglichen Mieträder spontane Touren ohne aufwendigen Fahrradtransport. Allein an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gibt es schätzungsweise 35.000 bis 40.000 touristische Mieträder. Die Datenlage bleibt allerdings lückenhaft, weil viele kleine Verleihbetriebe existieren.

Was die Politik tun müsste

Zukunft Fahrrad fordert bessere steuerliche Rahmenbedingungen für Bikesharing und Fahrrad-Abos. Mobilitätsbudgets von Arbeitgebern könnten solche Angebote attraktiver machen. Zudem schlägt der Verband Sozialtarife vor, damit mehr Menschen Zugang zu nachhaltiger Mobilität erhalten.

Fazit: Das eigene Fahrrad ist nicht die einzige Möglichkeit, mobil zu sein. Sharing, Abos und Mieträder können den Alltag und den Urlaub erleichtern. Entscheidend sind zuverlässige Angebote, faire Preise und eine gute Anbindung an Bus und Bahn.