Das französische Startup Cixi hat einen elektrischen Fahrradantrieb ohne Kette entwickelt. Das auf den Namen Pers lautende System kommt ohne Ketten- oder Riemenantrieb aus – dementsprechend entsteht hier auch kein Verschleiß. Es kann in verschiedene Fahrzeugtypen eingebaut werden: vom klassischen E-Bike oder S-Pedelec über Lastenräder bis hin zu elektrisch angetriebenen Leichtbaufahrzeugen. Sieht so das Fahrrad der Zukunft aus?
Kurz & knapp: Cixi-System
- Komplett kettenlos: Das System verzichtet vollständig auf eine Kette oder einen Riemen und verbindet die Pedale rein elektronisch mit dem Motor in der Nabe
- Wartungsarm & verschleißfrei: Ohne mechanische Verschleißteile wie Kette, Ritzel oder Schaltung entfallen regelmäßige Wartungsarbeiten, Kettenklemmer und hohe Folgekosten
- Automatisches Fahrerlebnis: Ein manuelles Schalten ist nicht mehr nötig, da das System den Tretwiderstand und das Drehmoment kontinuierlich und automatisch an die Fahrsituation anpasst
- Rekuperation wie beim E-Auto: Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen und wieder in den Akku eingespeist, was die Gesamtreichweite des E-Bikes erhöht
- Flexibel und vielseitig: Der Antrieb ist als modulares System für verschiedenste Fahrzeugtypen konzipiert – vom E-Bike über Lastenräder bis hin zu Nachrüstkits
So funktioniert das System

Mit dem Pers-Antrieb will der französische Hersteller Cixi das E-Bike revolutionieren.
Bezogen auf Fahrräder funktioniert das Pers-Antriebssystem wie folgt: Ein elektronisches Pedalsystem sitzt am Tretlager und steuert einen Antriebsmotor in der Nabe, im Rahmen sitzt zudem eine Motorkontrolleinheit, die das Drehmoment und den Tretwiderstand individuell gemäß der zuvor eingestellten Vorlieben des Fahrers/der Fahrerin steuert – egal, ob bergauf, bergab oder im Flachen; mit einem Display sowie Schaltwippen am Lenker lässt sich das System kontrollieren und steuern; im oder am Unterrohr sitzt zudem ein Akku.
Darum braucht das System keine Kette mehr!

Das Schaubild erklärt die Funktionsweise des Pers-Antriebssystems.
Der Clou: Der Fahrer oder die Fahrerin muss nicht mehr schalten, da das elektronische Pedalsystem ohne Kette kontinuierlich die erforderliche Drehmomentanpassung für ein optimales Fahrerlebnis steuert, zudem lädt sich der Akku beim Bremsen auch wieder auf und vergrößert so die Reichweite. Erinnert an ein E-Auto? Ist auch so, wie Pierre Francis, Mitbegründer und CEO von Cixi, gegenüber Bike-X während der Cycling World bestätigte: "Bislang waren alle E-Bikes streng genommen hybride Fahrräder: Ketten- oder Riemenantriebe, unterstützt durch einen Motor. Unser Antrieb ist tatsächlich und im Wortsinne ein Elektro-Fahrrad – mit einem Prinzip ganz ähnlich wie beim Elektro-Auto. Rekuperation beim Bremsen inklusive."

Das Vigoz ist ein Kleinfahrzeug auf Basis des Pers-Antriebssystems. In der Fahrgastzelle tritt man in die Pedale, das Gefährt ist für die Autobahn zugelassen und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h.
Erfreulicher Nebeneffekt: Während ein herkömmliches Antriebssystem regelmäßige Wartung erfordert, da es äußeren Einflüssen und hohen mechanischen Kräften ausgesetzt ist – sprich: Schaltung, Ritzel und Kettenblätter verschleißen und auch die Kette muss regelmäßig getauscht werden –, soll das Pers-System von Cixi eine längere Lebensdauer haben, sehr wenig Wartung erfordern und dementsprechend auch schlicht weniger Folgekosten verursachen. Auch Kettenabwürfe oder -klemmer gehören logischerweise der Vergangenheit an.
Nicht weniger als sechs Ausführungen des Pers-Systems bietet Cixi an – für verschiedene Anwendungsfälle wie E-Bikes, S-Pedelecs und Lastenräder, aber auch Liegeräder sowie Drei- oder Vierrad-Fahrzeuge. Pers ist zum Beispiel erhältlich als 3,7 Kilogramm leichtes Nachrüstkit für bestehende Antriebe, als System mit Unterrohr-Akku, integrierter Batterie oder Zwei-Motor-System. Die "klassischen" E-Bike-Lösungen wiegen um die 12 Kilogramm, liefern bis zu 85 Nm Drehmoment und bieten Akkus mit 700 Wh.

Das Pers-Antriebssystem von Cixi kann laut Hersteller in viele verschiedene Fahrzeugtypen eingebaut werden - vom Liege- oder Dreirad über klassische E-Bikes und Lastenräder bis hin zu schweren Cargo-Bikes mit bis zu 600 Kilogramm Zuladung. Und natürlich das Kleinfahrzeug Vigoz.
Ansonsten gibt es eine App, mit der sich Pers-angebtriebene Mobile digital verschlüsseln und abschließen, aber auch teilen lassen sowie Statistiken, Fahr- und Wellnesswerte erfasst werden können.
Ausblick: Was die Zukunft verspricht
Bei der Cyclingworld präsentierte Cixi verschiedene Räder mit Pers-System. Auffällig war, dass diese noch nicht explizit zur Verwendung des Systems entwickelt wurden. Sprich: Eigentlich waren es (E-)Bikes, die eigentlich für die Montage eines Kettenantriebs gebaut waren – etwa was Rahmenbreite, Laufräder und Freilauf angeht. Wo normalerweise der Antrieb sitzt, klafft dementsprechend aktuell ein Loch.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Aktuell werden noch keine Fahrräder explizit um das Pers-Antriebssystem herum entwickelt und gebaut. Dementsprechend klafft dort, wo Pers den Antriebsstrang überflüssig macht, ein Loch.
Pierre Francis, der Mitbegründer und CEO von Cixi, betonte im Gespräch mit uns, dass das Fahrrad auch optisch neu gedacht werden kann, wenn das Pers-System schon von vornherein als Antriebseinheit mitgedacht wird.
Schöne neue Fahrradwelt? Warum nicht! Wir werden die weitere Entwicklung beobachten und berichten.





