Jahrelang war der E-Bike-Markt klar verteilt: Bosch gab den Ton an, Shimano folgte dicht, Brose und Yamaha folgten mit Respektabstand. Doch 2024 betrat ein brandneuer Akteur die Bühne, den man hier kaum vermutet hätte: DJI, bekannt für seine Drohnen und Kamera-Stabilisierungssysteme. Mit dem "Avinox" getauften System will DJI nicht weniger, als den E-Bike-Antrieb neu zu denken. Wir haben uns das System genau angesehen und stellen die entscheidende Frage: Kann der Tech-Gigant dem Branchenprimus Bosch das Fürchten lehren?

120 Newtonmeter Drehmoment, bis zu 1000 Watt Spitzenleistung – auf dem Papier klingt der aktuelle DJI-Antrieb nach brachialer Kraft. Und ja: Diese Power ist auf dem Trail definitiv spürbar. Aber das eigentlich Beeindruckende ist etwas anderes.
In unseren zahlreichen Tests zeigt sich der Motor als erstaunlich fein abgestimmt. Trotz der enormen Leistung lässt sich die Unterstützung sehr gut dosieren. Technische Uphills, verblockte Passagen oder enge Kehren? Funktionieren – und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen der Power. Die Nachlaufregelung ist sauber umgesetzt, das System bleibt kontrollierbar. Steilanstiege werden damit fast zur Nebensache.
Natürlich hat die Medaille auch eine Kehrseite. Wer dauerhaft im Boost-Modus unterwegs ist, wird das merken – am Reifenverschleiß und vermutlich auch am Antrieb. Im Dauertest konnten wir das noch nicht final belegen, aber: Beim Schalten unter Last hört man deutlich, was hier an Kräften wirkt. Da knallt es schon mal im Gebälk.
Unterm Strich hat DJI mit dem Avinox-System dennoch einen echten Volltreffer gelandet. Das Gesamtpaket wirkt durchdacht: vom gut integrierten Touchdisplay über sinnvolle Features wie Diebstahlschutz bis hin zur intuitiven App. Auch das Schnellladegerät passt ins Bild – kurze Ladezeiten, schnell wieder auf den Trail.
Dazu kommt: Die Bikes überraschen mit ihrem Gewicht. All-Mountain-Modelle um 21 Kilo sind aktuell möglich – trotz großer Akkus mit 600 oder 800 Wattstunden. Das ist eine Ansage.
Klar ist aber auch: In Sachen Verfügbarkeit und Modellvielfalt liegt DJI noch hinter den etablierten Playern zurück. Die großen Bike-Marken zögern teilweise noch, aktuell setzen eher kleinere Hersteller auf das System. Doch genau das dürfte sich schnell ändern.
Denn eines ist offensichtlich: Dieses Konzept funktioniert. Und es setzt die Konkurrenz – allen voran Bosch – ordentlich unter Druck.
DJI Avinox M1: Das kann der Motor

Volle Pulle: Der Avinox M1 leistet bis zu 120 Nm Drehmoment und wahnwitzige 1000 Watt in der Spitze!
Der neue Motor von Drohnen-Profi DJI ist mit nur 2,52 kg sehr leicht, liefert aber enorme Power. Er bietet 105 Nm "Dauer"-Drehmoment, im Turbo sind es gar kurzzeitig bis zu 120. Irre auch: Per Firmware-Update steigt die Spitzenleistung auf bis zu 1000 Watt. Dank zehn Sensoren, die Fahrer und Rad in Echtzeit überwachen, reagierte er in unseren Tests trotzdem extrem feinfühlig und natürlich. Zudem konnte er seine Hitzebeständigkeit unter Beweis stellen und zeigte auch bei langen, steilen Anstiegen keinen Leistungsverlust.
DJI Avinox M1: Dicke Akkus, schnell geladen
Das System ist mit 600-Wh- oder 800-Wh-Akkus erhältlich, wobei der große Stromspeicher mit nur 2,87 kg beeindruckend leicht ist. Ein echtes Highlight ist die Ladezeit: Dank Schnelllader ist der 800-Wh-Akku in nur 1,5 Stunden von 0 auf 75 % geladen. Diese Effizienz zahlt sich auch bei der Reichweite aus, die im Test mit fast 2000 Höhenmetern im Turbo-Modus überragend war.
Software: Mit allen Wassern gewaschen!
Auch bei der Software überzeugt DJI auf ganzer Linie. Das brillante OLED-Display im Oberrohr dient als zentrale Schnittstelle und zeigt nützliche Daten wie die minutengenaue Restladedauer an. Über die mächtige und intuitive App lassen sich alle Fahrmodi bis ins kleinste Detail individualisieren. Gesteuert wird das System über zwei kabellose Remotes am Lenker, ergänzt durch smarte Features wie die "Auto-Hold"-Schiebehilfe, die das Bike am Berg sichert.
Fahrbericht: So gut ist der Motor wirklich!
Im Fahrtest zeigt der Motor zwei Gesichter: In der Ebene agiert er flüsterleise und so natürlich, dass das Ein- und Aussetzen der Unterstützung kaum spürbar ist. Am Berg verwandelt er sich jedoch in ein wahres Uphill-Monster, das seine volle Kraft entfesselt, wenn es mit hoher Trittfrequenz gefordert wird. Trotz der enormen Power bleibt er stets sensibel und gut kontrollierbar. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Gesamtpaket, das den Avinox als hochgradig sensiblen, ausdauernden und perfekt individualisierbaren Antrieb positioniert, der zur absoluten Marktspitze gehört.






