Herbst und Winter kommen mit großen Schritten. Die Tage werden kürzer, die Lichtverhältnisse können schneller wechseln, als man denkt. Dämmerung, tief stehende Sonne, bewölkter Himmel oder sonstige Widrigkeiten können sich schneller ändern, als man denkt.
Dabei ständig unterwegs das Wechselglas der Radbrille tauschen nervt, ist unpraktisch und man kommt ohnehin nicht hinterher. Auf der Suche nach einer Sportbrille, die ein Glas für alle Situationen besitzt, bin ich bei der neuen Adidas Kentro fündig geworden.

Viel Licht, kaum Schatten: Die Adidas Kentro präsentierte sich auf über 1000 Kilometern souverän im Test.
Die Sport-Sonnenbrille mit photochromen Gläsern soll quasi das Chamäleon unter den Sportbrillen sein: Sie soll ihre Tönung automatisch an die jeweilige Helligkeit anpassen können – von Filterkategorie 1 (bei diffusem Licht) bis Kategorie 3 (bei strahlendem Sonnenschein). Rausgehen und losfahren, statt auf perfekte Bedingungen warten – genau mein Ding.

Deutlich zu erkennen: die silberne Verspiegelung, die störende Reflexionen verhindern soll. Im Test gefiel auch die leichte Pflege der Gläser nach langen Tagen im Sattel.
Dabei soll sie mit durchdachten Features punkten können: Die violette Kontrastbasis schärfe besonders Grün- und Brauntöne – ideal also für Trails und Waldwege. Der Silberspiegel der Gläser reduziere zusätzlich Blendung bei Sonneneinstrahlung. Das Ergebnis sei mehr Kontrolle, weniger müde Augen, weniger Ablenkung.
Und genau da möchte ich die Radbrille testen: auf der Schotterpiste, im Wald, wo sich Lichtverhältnisse stakkatoartig abwechseln können, wenn die tief stehende Sonne durch die Baumreihen blitzt und das Licht anders einströmt als auf der Straße? Natürlich will ich auch wissen, wie sie sich dort schlägt. Kann mich die Adidas Kentro überzeugen?
Der 1000-Kilometer-Test
Gebaut ist die Kentro aus leichtem, flexiblem TR90-Material mit großem Sichtfeld. Anpassbare Nasenpads, rutschfeste Kontaktpunkte an den Bügelenden und Belüftungsöffnungen sollen dafür sorgen, dass die Brille auch bei intensiven Lauf- und Bikeeinheiten sitzt – ohne zu verrutschen oder zu beschlagen. Schmutz- und schweißabweisende Beschichtungen sollen ihr Übriges tun.

Die gummierten Bügelenden sitzen bequem und helfen mit, dass die Sportbrille nicht verrutscht.
Eins vorweg: Die leicht anpassbaren Nasenpads und die gummierten Bügel machen tatsächlich exakt das, was die Werbung verspricht. Sie verhindern präzise ein Verrutschen der Radbrille. Selbst auf der Highspeed-Schotter-Abfahrt vom legendären Schauinsland bei Freiburg, wo die Hände beinahe verkrampfen, der Schweiß auf der Stirn steht und der Untergrund ruppig am Gravelbike rüttelt, bleibt die Radbrille ruhig auf der Nase sitzen und setzt ein Ausrufezeichen. Insgesamt überzeugt mich der komfortable Sitz der 33 g leichten Brille. Ich verspüre kein Drücken. Weder auf der Nase, noch am Kopf oder den Ohren.

Die Nasenpads lassen sich anpassen und sind ebenfalls rutschfest.
Die Gläser fallen groß aus und bedecken die Augen hinauf bis knapp über die Augenbrauen. Die Photocromatic verrichtet ihren Dienst sehr dezent und Übergänge sind fließend, ohne dass man die Veränderung wirklich bemerkt. Das ist für die Augen sehr angenehm. Das leicht violettfarbene Glas macht ebenfalls ein leicht verträgliches Licht und sorgt für einen ansprechenden Kontrast. Und: in Waldpassagen spielt die Sportbrille ihre Stärke aus. Die Sicht bleibt klar und detailreich.
Steht die Sonne jedoch tief und scheint einem direkt ins Gesicht, verhindert die Kentro allerdings keinerlei Blenden. Dafür dunkelt das Glas nicht weit genug ab. Alles, was seitlich an Licht hereinströmt, ist dagegen kein Problem und stört nicht.

Belüftungsöffnungen oberhalb des Rahmens sorgen für beschlagsfreie Gläser. Der Luftzug an den Augen ist spürbar und dürfte nicht jedem liegen.
Adidas spricht von "Belüftungsöffnungen am oberen Rahmen sowie an den Bügeln, die die Luftzirkulation fördern und effektiv ein Beschlagen der Gläser reduzieren" sollen. Dass die Luftzirkulation recht hoch ist, spürt man schnell. Der ein oder andere wird dies aber je nach Empfindlichkeit bereits als unangenehme Zugluft empfinden. Auch ich habe erst eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt. Prima: Ein Beschlagen konnte ich nicht verzeichnen. Trotz des wechselhaften Terrains in der Rheinebene, wo beispielsweise in der Auenlandschaft eine höhere Luftfeuchtigkeit herrscht, diese sich aber im Spätherbst auch mit trockener, warmer Luft mischte.

An den Bügeln gibt es Luftschlitze.
Nach rund 1000 Test-Kilometern entpuppt sich die Fullframe Adidas-Kentro-Sportbrille als sehr robust, gerade an den Bügelgelenken. Zudem ist sie qualitativ hochwertig verarbeitet. Die Wasser-, schweiß- und schmutzabweisenden Beschichtungen verhindern nicht jeden Schmutz, tragen aber zur einfachen Pflege der Gläser bei.

Zu erkennen: das leicht violettfarbene Glas, welches angenehmes Licht macht. Die Scharniere zeigen sich im Test als sehr robust.
Fazit
Pro und Contra
hervorragender Halt
Gläser machen angenehmes Licht für die Augen
sehr guter Kontrast
Rahmen und Scharniere sind robust
Beschlagsfrei durch großzügige Belüftung …
...aber Zugluft kann unter Umständen unangenehm wirken.
frontal tief stehende Sonne blendet
hoher Preis





